Österreich

Geldwäscheverdacht: 3000 Fälle pro Jahr

Die Anzahl der Verdachtsmeldungen hat sich in zehn Jahren verdoppelt. Warum es so schwer ist, die Drahtzieher zu fassen.

Es gibt mehr Meldungen wegen Geldwäsche.  SN/apa
Es gibt mehr Meldungen wegen Geldwäsche.

Geldwäsche ist ein lukratives Geschäft. Der Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung, so schätzt das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, beträgt zwei bis fünf Prozent. Also 720 Milliarden bis 1,9 Billionen Euro. Auch in Österreich wird eifrig Geld gewaschen. Allein im Vorjahr gingen bei der Meldestelle des Bundeskriminalamts 3073 Verdachtsmeldungen ein, 4,6 Prozent mehr als 2018 und doppelt so viele wie zehn Jahre davor. 6,7 Millionen Euro konnten sichergestellt werden.

"Geldwäsche ist ein sauberes Wort für unsaubere Geschäfte", betonte Gerhard Lang, geschäftsführender Direktor des Bundeskriminalamts, am Freitag. Die Drahtzieher stammen fast ausschließlich aus dem Milieu der organisierten Kriminalität. Sie suchen nach sogenannten Geldeseln ("Money Mules"). Dabei handelt es sich meist um Menschen in Geldnot, die sich über eine Jobannonce freuen, die leicht und schnell verdientes Geld verspricht. Über deren Konten werden die illegal erwirtschafteten Summen so oft wie möglich aufgesplittet und weiterüberwiesen. Lang: "Am Ende des Tages ist nur noch schwer nachvollziehbar, woher das Geld kommt. Um es endgültig weiß zu waschen, muss man irgendwo im legalen Finanzkreislauf andocken", erklärt Lang. Und genau da beginnt es für die Kriminellen schwer und für die Ermittler interessant zu werden:

Viel hängt von der Sensibilisierung der Banken ab. Denn von ihnen kommen rund 90 Prozent der Verdachtsmeldungen. Die Kriminalisten haben dann 24 Stunden Zeit, um der potenziell unsauberen Transaktion auf die Spur zu kommen. Das Problem dabei: "Wenn es keinen Hinweis auf eine Vortat gibt, also etwa Waffen- oder Drogenverkäufe, von der das Geld stammt, handelt es sich nicht um Geldwäsche." Nachsatz: "So eine Vortat festzumachen ist nicht immer leicht und auch nicht immer machbar."

Was hat die Coronakrise verändert? BK-Direktor Gerhard Lang: "Es gab zwar 50 bis 60 Prozent weniger Straftaten, aber das organisierte Verbrechen hat nicht geschlafen. Die Täter waren im Homeoffice und haben Scheingeschäfte erledigt." Konkrete Belege gebe es zwar noch keine, aber die Zahl an Verdachtsmeldungen sei ebenfalls gestiegen. "Weil nämlich die Bankangestellten ebenfalls im Homeoffice waren und so mehr Zeit hatten, sich alles viel genauer anzuschauen", freut sich Lang.

Stark im Kommen sei Geldwäsche mittels Erwerb von Kryptowährungen. Obwohl Bitcoin & Co. teilweise enormen Kursschwankungen unterliegen, sind sie ein bewährtes Mittel - nicht nur zur Geldwäsche, auch zur Terrorismusfinanzierung, sagt der BK-Chef.

Aufgerufen am 04.08.2020 um 03:10 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/geldwaescheverdacht-3000-faelle-pro-jahr-89106034

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