Österreich

Gesprächsmitschnitt führte zu Festnahme von Telefonbetrügern

Die Veröffentlichung eines Gesprächsmitschnitts hat zur Festnahme mehrerer Trickbetrüger geführt. Ein 29-Jähriger hat laut Chefinspektor Rupert Ortner vom LKA Oberösterreich allein in Österreich und der Schweiz einen Schaden von zwei Millionen Euro angerichtet. Sein Vater gilt als Mitbegründer des Neffentricks. Während mehrere Familienmitglieder in Haft sitzen, befindet sich dieser auf der Flucht.

Der im Juli in Budapest festgenommene 29-jährige Pole soll zwischen Sommer 2014 und 2015 in Österreich und der Schweiz Geld und Wertgegenstände durch Telefonbetrügereien ergaunert haben. Damit finanzierte er offenbar sein Luxusleben. So knöpfte er im Mai vergangenen Jahres einer Seniorin in Linz 11.700 Euro ab. Im Juli 2015 luchste er einer betagten Frau aus dem Innviertel 600.000 Euro mit dem Neffentrick heraus. "Wir konnten aber zwei Gespräche mitschneiden und haben diese in Medien veröffentlicht", berichtete Ortner am Dienstagnachmittag.

Tatsächlich meldete sich ein Deutscher, der den Gauner erkannt hatte. Die Überwachung des Handys des 29-Jährigen und ein Stimmvergleich durch einen Sachverständigen bestätige den Verdacht. In Zusammenarbeit mit Kollegen aus Ungarn und Polen schlug das Landeskriminalamt (LKA) zu. Aufgrund eines europäischen Haftbefehls klickten für den 29-Jährigen die Handschellen. Bei einer Hausdurchsuchung in Danzig wurden seine Mutter und sein Bruder dabei ertappt, wie sie mit Opfern aus Österreich telefonierten. Sie wurden festgenommen. In der Wohnung wurde auch die Uhr einer Geschädigten aus Linz sichergestellt. Die 80-Jährige bekam den Schmuck im Wert von knapp 12.000 Euro zurück.

Gegen Ende des Jahres 1999 soll der untergetauchte Familienvater gemeinsam mit seinen zwei Brüdern und einem Schwager den Neffen- bzw. Enkeltrickbetrug begründet haben. Die Männer warben immer mehr Familienmitglieder an und schulten sie ein. Zunächst waren die Täter von Hamburg aus aktiv. "Nach ersten Ermittlungserfolgen und Festnahmen der deutschen Kollegen übersiedelte die Bande Mitte der neunziger Jahre nach Polen", schilderte Ortner. Es liegen auch Haftbefehle gegen Familienmitglieder der deutschen Behörde vor, der Gesamtschaden der Trickbetrüger ist vermutlich sehr hoch.

Das Landeskriminalamt betonte, wie wichtig die Verwendung und die Analyse von Verbindungsdaten der Netzbetreiber über Anordnung der Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen waren. Ohne diese "wäre die Klärung solcher Straftaten vielfach nicht möglich", hieß es.

SERVICE: Die oö. Landespolizei hat im Zusammenhang mit dem aktuellen Ermittlungserfolg den Mitschnitt eines "Keilergesprächs" unter http://go.apa.at/4HEloV0X veröffentlicht.

Quelle: APA

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