Österreich

Gottesdienste ab 15. Mai mit Abstand: "Das ist praktizierte Nächstenliebe"

Öffentliche Gottesdienste sollen unter Auflagen und Sicherheitsvorkehrungen ab 15. Mai wieder möglich sein. Dafür werden künftig bestimmte hygienische Bedingungen sowie Abstandsregeln gelten.

Seit Mitte März wurden Gottesdienste in Österreich ausgesetzt. Ab dem 15. Mai werden sie in Österreich wieder stattfinden können. Die zuständige Kultusministerin Susanne Raab (ÖVP) stellte am Donnerstag die Bedingungen vor, unter denen die Gotteshäuser ihre Pforten wieder öffnen können: So soll nur jeweils eine Person pro 20 Quadratmeter des Raumes in einer Kirche zugelassen sein. Dazu wird es Einlasskontrollen und Ordnerdienste geben, die von den Kirchen selbst organisiert werden.

Zwischen den Gläubigen muss künftig ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden für all jene, die nicht im selben Haushalt leben. Außerdem müssen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Mund-Nasenschutz tragen (außer Kinder bis zum sechsten Lebensjahr). Der Priester indes wird keinen Mundschutz tragen müssen, solange Abstände eingehalten werden. Alle Flächen im Gotteshaus, die viel genutzt werden, werden künftig noch häufiger desinfiziert werden. "Wir können nun gemeinsam ein neues Kapitel aufmachen", sagte Raab. "Wenn auch mit Vorsicht." Die neue Normalität müsse mit Achtsamkeit und Bedachtheit gefunden werden. Die neuen Maßnahmen seien gemeinsam mit den 16 anerkannten Kirchen- und Glaubensgemeinschaften in Österreich ausgearbeitet worden.

Schönborn: "Es wird viel Taktgefühl brauchen"

Wird man sich also künftig anmelden müssen, um an einem Gottesdienst teilnehmen zu können? Wie diese Schritte konkret durchgeführt werden, darüber gab man noch keine genaue Auskunft. "Es wird viel Taktgefühl brauchen", sagte Schönborn. Menschen, die gesundheitlich in einer schwierigen Situation seien, sei geraten, nicht als erste am Gottesdienst teilzunehmen.

Zu den neuen Maßnahmen für die Abhaltung von Gottesdiensten sagte Schönborn: "Es geht hier um den Schutz des Nächsten, es ist praktizierte Nächstenliebe." Er blickte nach vorn mit der Zuversicht, das Glaubensleben künftig wieder gemeinsam praktizieren zu können. Gleichzeitig warf er auch einen Blick zurück und erinnerte daran, dass das religiöse Leben nicht stillgestanden sei in der letzten Zeit. Livestreams, die sich in der Coronakrise bewährt hätten, sollten auch weiterhin stattfinden. "Es ist ein qualitativer Sprung in die Möglichkeiten von Social Media gelungen", sagte Schönborn. "Bis aber das religiöse Leben in unserem Land wieder eine gewohnte Form annehmen kann, wird es noch eine Weile dauern." Dazu brauche es viel Geduld und Rücksichtnahme.

Weihwasser: "Badeplatz für kleine Tierlein"

Das Weihwasser in Kirchen wird weiterhin ausgesetzt bleiben. "Das ist ein Badeplatz für kleine Tierlein", sagte Kardinal Christoph Schönborn. Davon hänge die Religion nicht ab. Auch den Empfang der christlichen Kommunion werde es noch nicht in gewohnter Form geben. "Wir laden alle Gläubigen ein, dass sie geistlich kommunizieren", sagt er. Plexiglasscheiben in Gotteshäusern wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben.

Anschließend plädierte Schönborn für noch mehr länderübergreifende Solidarität in Zeiten von Corona. "Es ist eine Herausforderung, uns nicht nur auf unser eigenes Land zu beschränken", sagte er. "Wir erleben sehr stark in dieser Zeit, dass die Menschheit eine Familie ist. In dieser Menschheitsfamilie müssen wir zusammenstehen."

Beerdigungen und Hochzeiten: Schrittweise Anpassungen

Beerdigungen durften in den vergangenen Wochen nur mit maximal fünf Personen abgehalten werden. Dazu gaben Kardinal Schönborn und Kultusministerin Raab leichte Lockerungen bekannt: In größerem Abstand werden künftig auch mehrere Menschen an einer Beerdigung teilnehmen können. "Unser Rat ist es aber, dass Familie und Freunde eines Verstorbenen später einmal zu einer Gedenkfeier eingeladen werden, wenn man wieder unter normalen Umständen leben kann", sagte Schönborn. Zu Hochzeiten äußerten sie sich noch nicht konkret. Man werde sich das in einer Gesamtschau ansehen, wie es mit Veranstaltungen insgesamt im Freien weitergehe, sagte Raab. Dazu wird es schrittweise Anpassungen geben.

Ramadan: Heuer anders als üblich

Der muslimische Fastenmonat Ramadan wird heuer zwischen dem 23. beziehungsweise 24. April und 23. Mai begangen. Gläubige Muslime verzichten während des Ramadan vom Anbruch des Tages bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex. Die Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ) rief aufgrund der Coronakrise heuer alle Gläubigen dazu auf, weiter in den eigenen vier Wänden zu beten. "Auch für Muslime ist das Gebet nicht nur an die Moschee gebunden", sagte Kardinal Schönborn in der Pressekonferenz. Es herrsche ein großer Konsens zwischen den Religionsgemeinschaften, dass man auf das gemeinsame Wohl schauen müsse.

Die Pressekonferenz zum Nachschauen:


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