Österreich

Große regionale Unterschiede bei Öffentlichem Verkehr

Beim Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es in den heimischen Regionen große Unterschiede. Elf von 124 regionalen Zentren - Orte, die für die Region als Wohn-, Arbeits- und/oder Ausbildungsort große Bedeutung haben - sind nicht mit der Bahn erreichbar, berichtete der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) am Donnerstag.

Straßenbahn in Graz SN/APA (Archiv)/INGRID KORNBERGER
Straßenbahn in Graz

In vielen Bezirken ist zudem das Angebot an schulfreien Tagen sehr mangelhaft, so der VCÖ. Als weiteres Problem ortete der Verkehrsclub, dass es vielerorts an sicheren Geh- und Radwegen fehlt und daher auch viele kurze Wege mit dem Auto zurückgelegt werden.

46 Prozent von Österreichs Bevölkerung leben laut VCÖ in sogenannten peripheren Bezirken, wo der Anteil des Autos an der Mobilität deutlich höher als in zentralen Bezirken ist. Bewohner peripherer Bezirke fahren laut Daten des Verkehrsministeriums im Schnitt mit 11.580 Kilometer um rund 2.000 Kilometer pro Jahr mehr mit dem Auto als jene in zentralen Bezirken.

Bei den elf regionale Zentren ohne Bahnanschluss handelt es sich laut Verkehrsclub um Abtenau, Birkfeld, Eisenerz, Ferlach, Güssing, Matrei in Osttirol, Oberwart, Oberpullendorf, Völkermarkt, Waidhofen an der Thaya und Zwettl. Einige davon, wie Zwettl, Waidhofen/Thaya, Oberwart und Oberpullendorf hätten zumindest zahlreiche Buslinien.

In 19 Bezirken benötigt dem VCÖ zufolge an einem Werktag mehr als die Hälfte der Bevölkerung über eine halbe Stunde, um das nächste regionale Zentrum mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Im Bezirk Rohrbach in Oberösterreich können laut ÖROK überhaupt nur 27 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner das nächste regionale Zentrum innerhalb einer halben Stunde mit dem Öffentlichen Verkehr erreichen, im Bezirk Villach Land nur 34 Prozent und in Graz-Umgebung nur 36 Prozent. Außerdem gibt es große Unterschiede zwischen Schultagen und schulfreien Tagen.

Der VCÖ forderte, Ortskerne und die Nahversorgung zu stärken. "Darüber hinaus brauchen die ländlichen Regionen ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz mit häufigeren Verbindungen und zwar auch an schulfreien Tagen und außerhalb der klassischen Pendlerzeiten", so der Verkehrsclub. Er wies auf das Vorbild Schweiz hin, wo in und aus allen Orten, in denen mindestens 300 Personen wohnen, arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren, es mindestens zwölf Busverbindungen pro Tag geben muss. Laut VCÖ wurden für Österreich zwar im Jahr 2014 derartige Standards definiert, aber noch immer nicht flächendeckend umgesetzt.

Quelle: APA

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