Grüne Weihnachten

Auf dem Rad durch den Winter - kein Problem!

Im Stau durch die Stadt stehen und dabei Abgase produzieren? Sicher nicht. Lieber mit dem Rad durch den Winter.

Und so sieht das aus: Der Schreiber dieser Zeilen radelnd auf dem Weg in die Arbeit, aufgenommen im Winter vor acht Jahren. SN/ratzer
Und so sieht das aus: Der Schreiber dieser Zeilen radelnd auf dem Weg in die Arbeit, aufgenommen im Winter vor acht Jahren.

Im polnischen Kattowitz wird gerade über den Klimawandel geredet. Bei den Bemühungen zur Verhinderung einer Überhitzung der Welt geht es ja darum, möglichst bald und vollständig die Freisetzung von Treibhausgasen zu stoppen. Und da kann natürlich auch jede(r) einzelne einen, wenn auch kleinen, Beitrag leisten. Der Schreiber dieser Zeilen etwa radelt auch zur Weihnachtszeit und generell den ganzen Winter durch. Ein Auto besitze ich übrigens schon. Aber das teile ich mir. Es würde ja sowieso die meiste Zeit nur herumstehen. Natürlich bedeutet ein privates Carsharing auch, dass man sich eben abstimmen muss.

Freilich bewege ich mich auch ab und zu mit dem Auto durch die Stadt Salzburg, aber rund 90 Prozent meiner Wege im Jahr lege ich mit dem Rad zurück. So entgeht man vor allem einem: dem Stau. Und davon gibt es gerade im Advent ja reichlich. Immer wieder rolle ich auf meinem Arbeitsweg an Blechkolonnen vorbei und jubiliere dabei innerlich. Und wenn ich dann doch einmal zu den Stoßzeiten in der Motorkutsche sitze, sehne ich mich auf mein Rad.

Wie aber wird man zum Dauerradler und was sind die Dos and Don'ts beim Radfahren in der kalten Jahreszeit?

  • Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich radle hier schon seit meinem Umzug in die Stadt Salzburg vor 18 Jahren. Dazwischen gab es auch einmal eine Zeit, in der ich kein Auto besaß. Für jemanden, der immer im geheizten Auto unterwegs war, ist der Umstieg aufs Rad kein leichter. Aber es geht. Also: Inneren Schweinehund überwinden!
  • Ein weiterer Aspekt ist natürlich die Distanz vom Arbeitsplatz nach Hause. Im Stadtgebiet würde ich hier eine Grenze bei rund fünf Kilometern ziehen. Also alles unter fünf Kilometer geht mit dem Fahrrad, alles darüber wird zach, ganz klar. (Einschub: Einer meiner besten Freunde legt mit seinem E-Bike von seinem Wohnort im Flachgau zu seinem Arbeitsplatz in der Stadt Salzburg auf einer Strecke rund 30 Kilometer zurück, dabei ist er eine Stunde unterwegs, auch an den meisten Tagen in der kalten Jahreszeit - ja, auch sowas ist möglich.)
  • Ein entscheidender Pluspunkt beim Radeln in der Stadt ist die Bewegung. Es "Sport" zu nennen, würde doch zu weit führen. Aber oft kommt man im Alltag ja zu gar nichts. Der tägliche Arbeitsweg am Rad sorgt hier für ein minimales Maß an Bewegung.
  • Was man im Winter natürlich braucht, ist wetterfeste Kleidung, no na: Also eine dicke Jacke, Handschuhe, Haube und eine Überhose, wenn's nass ist.
  • Am besten den Drahtesel vor und nach dem Winter bei der Fahrradwerkstatt des Vertrauens einem Check unterziehen. Und welches Gefährt ist das Richtige? Nun, es gibt keine falschen Fahrräder. Ich vertraue auf ein stadttaugliches Mountainbike mit breiter Bereifung.
  • Das Auto ist stärker: Auch wenn man die Straßenverkehrsregeln in diversen Situationen auf seiner Seite weiß, lohnt es sich dennoch, gegenüber Autos eine eher defensive Fahrweise an den Tag zu legen. Die meisten Autofahrer nehmen durchaus Rücksicht auf Radfahrer. Aber Ausnahmen gibt es freilich auch. Und wenn's hart auf hart geht, ist man als Radfahrer immer zweiter Sieger.
  • Generell sollte man die Geschwindigkeit in der kalten Jahreszeit deutlich drosseln, vor allem in Kurven - hat man erstmal den ein oder anderen schmerzhaften Bauchfleck hingelegt, merkt man sich das irgendwann.
  • Zudem sollte man bei Glatteis auf einen Einsatz der Vorderbremse eher verzichten.
  • Noch ein Hinweis für die wirklich schneereichen Tage im Winter - meine Strategie lautet: Absteigen und am Gehsteig schieben, wenn man andernfalls auf verschneiter Fahrbahn eine Auto-Kolonne hinter sich herziehen würde. Denn das ist für die Autofahrer blöd, es stresst einen selbst ungemein und gefährlich ist es auch. Dazwischen gibt es dann immer wieder Abschnitte, wo man aufsteigen und radeln kann. An solchen Tagen sollte man mehr Zeit für den Arbeitsweg einplanen. Im vergangenen Winter gab es in der Stadt Salzburg gefühlt fünf dieser sehr schneereichen (Werk-)Tage. Das ist nicht wirklich viel. Mal sehen, wie es in diesem Winter wird ...
  • Einen Haken hat das Radeln im Stadtverkehr aber schon: Während man zwar selber keine Abgase produziert, darf man dafür die der anderen in vollen Zügen einatmen. Glücklich also jene, deren Arbeitsweg auf dem Rad entlang eines Flusses oder über Felder und Wiesen führt. Wobei: Wenn man gut in der Zeit liegt, lohnt es sich vielleicht einen kleinen Umweg auf einer schöneren Strecke zu nehmen.
  • PS: Und sollte ich für Weihnachten das ein oder andere Geschenk besorgen, so wird das natürlich mit dem Rad transportiert - vielleicht sogar zu Fuß.

Aufgerufen am 23.11.2020 um 05:05 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/gruene-weihnachten-auf-dem-rad-durch-den-winter-kein-problem-62037823

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