Grüne Weihnachten

Erst denken, dann klicken

Wie eine einfache Knopfbatterie den Weihnachtseinkauf beeinflusst hat.

 SN/fotolia/stokket

Eigentlich war es schwach, nahezu peinlich. Für ein Weihnachtsgeschenk habe ich eine zusätzliche Knopfbatterie gebraucht. Also habe ich sie online bestellt. Ja, ich habe Knopfbatterien online bestellt. Zwar nicht nur eine, sondern gleich einen ganzen Satz - was mir übrigens zusätzliche Kritik meiner Frau einbrachte (O-Ton: "Die brauchen wir doch nie auf"). Aber dennoch.

Ich hatte schon ein latent schlechtes Gewissen, als ich auf den "Jetzt bestellen"-Button geklickt habe. Aber spätestens als das Päckchen einen Tag später ankam, wurde aus dem heruntergeschluckten Gefühl ein handfestes: Der Satz Batterien war in einem Karton verpackt, der geschätzt 20 Mal größer war als das Produkt selbst. Ich hatte also nicht nur für einen Satz Batterien einen Lieferanten durch Salzburg gejagt. Ich habe auch noch lang und breit Verpackungsmaterial verschwenden lassen.

Doch wieso habe ich mich überhaupt zu dem Blödsinn hinreißen lassen? Es sagt eigentlich der Hausverstand, dass man einen Satz Batterien nicht online bestellt. Offenbar schlagen auch bei mir zwei zeitgeistliche Phänomene durch. Zum einen haben wir es verlernt, zu warten. Wir sind gewöhnt, alles auf einen Mausklick zu bekommen. Und deshalb tun wir uns besonders schwer, wenn der Bus mal drei Minuten zu spät kommt oder die Ampel direkt vor uns auf Rot schaltet.

Zum anderen sind wir faul geworden. Wieso sich im Laden umschauen, wenn wir online sowieso alles finden? Besonders tragisch ist, dass wir nicht nur zu faul sind, um außer Haus zu gehen. Wir sind sogar dermaßen träge, dass wir uns nicht einmal beim Online-Einkauf umschauen: Ein Klick auf Amazon - das war's. Wir gehen einfach davon aus, dass uns die weltgrößte Shoppingplattform das beste Angebot bietet. Doch dem muss nicht so sein. Bestimmte Produkte werden auf Amazon gar nicht angeboten - etwa Googles Chromecast. Weil das Streaming-Gerät Amazons Fire-Stick Konkurrenz macht. Zudem gibt es immer wieder Fallstudien, die belegen, dass es idente Produkt auf anderen Portalen günstiger gibt. Einige Verkäufer bieten ihre Rasierer, Fernseher, Bücher auf Amazon sogar bewusst teurer an, um so jene Gebühren reinzuholen, die sie an den Shoppingriesen zahlen müssen. Das gilt übrigens auch für andere Sammelseiten: Eine der weltweit führenden Hotelketten garantiert seit Kurzem, dass man auf ihrer Website günstigere Angebote findet als auf den großen Suchseiten wie trivago oder booking.com.

Der Ratschlag eines geläuterten Redakteurs: Man sollte denken, bevor man klickt. Etwa einmal um die (Amazon-)Ecke. Meist reicht es schon, nach dem Wunschprodukt zu googeln. Und schon tun sich Alternativen auf - oft sogar österreichische. Zum Beispiel die eigene Website des Händlers. Oder heimische Plattform-Alternativen wie Shöpping.at, eine Initiative der Post. Da kann man wenigstens sicher sein, dass die Wertschöpfung in Österreich bleibt und das Paket nicht eigens aus China eingeflogen wird.

Und bevor man überhaupt Laptop oder Tablet anwirft sollte man sich überlegen, ob es nicht doch besser ist, im Laden um die Ecke einzukaufen. Für Batterien lohnt sich das allemal. Das weiß mittlerweile sogar ich.

Aufgerufen am 24.11.2020 um 08:33 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/gruene-weihnachten-erst-denken-dann-klicken-62216875

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