Grüne Weihnachten

Sagen Sie doch einfach, was Sie sich wünschen!

Die Frage kommt jedes Jahr von vielen Seiten: "Was wünschst du dir denn vom Christkind?" Und dann lächelt man und sagt: "Ach, gar nichts, ich hab doch alles." Meine Mutter pflegt auf die Frage stets zu antworten: "Brave Kinder!" Und meine Schwiegermutter wünscht sich "meine heilige Ruhe".

Wie soll das Christkind nur all die Wünsche erraten? SN/dpa
Wie soll das Christkind nur all die Wünsche erraten?

Dabei weiß man genau, dass einen die liebe Mutti auch heuer nicht einfach nur eine große Portion "Nichts" schenken wird und auch die Schwiegermutter wird am Ende enttäuscht sein, wenn ein Päckchen voller "heiliger Ruhe" unterm Christbaum zu finden ist.

Die ewige Schenkerei zu Weihnachten nervt. Noch mehr nervt aber, wenn man sich dafür entschieden hat, dass man etwas verschenken möchte, aber nicht weiß, was es sein soll.
Seinen Lieben Wünsche, auch nur ganz kleine, von den Augen abzulesen ist nämlich eine Riesenherausforderung. Es sei denn, man ist so ein wunderbar aufmerksamer Mensch, der sich unterm Jahr jede kleinste Bemerkung im Gedächtnis abspeichern kann, und schon Wochen vor Weihnachten diese kleinen Dinge beisammen hat, mit denen man riesige Freude schenken kann. "Ach, wie aufmerksam von dir!"

Zu dieser Kategorie Mensch zählen die wenigsten.

Dinge, die die Welt nicht braucht

Wahrscheinlicher ist, dass man ab dem 24. Dezember von der Großfamilie wieder einen Duft geschenkt bekommt, den man im besten Fall "na ja..." findet, einen Schal, der höchstens der eigenen Mutter gefällt (die ihn wahrscheinlich auch verschenkt hat), ein Buch, das man längst gelesen hat und eine Bonbonniere, die bei nächster Gelegenheit einfach weiterverschenkt wird.
Darum an dieser Stelle ein Plädoyer für weihnachtliche Offenheit: So, wie schon ganz kleine Kinder ihren Mamis und Papis zeitig einen Brief ans Christkind diktieren, so darf man sich auch selbst gern und laut Gedanken darüber machen, was man wirklich, wirklich möchte. So ein Wunschzettel verhindert nämlich Enttäuschungen, die mühsame Rennerei ins Geschäft, um das Geschenk wieder umzutauschen oder oft sogar Müll, weil das Präsent früher oder später unbeachtet im Mistkübel landet.

Offenheit erleichtert das Leben

Also: Sagen Sie einfach, was sie sich wünschen, wenn Sie danach gefragt werden. Und wenn es nur ein Gutschein für ein spezielles Geschäft ist. Und keiner aus dem überteuerten Laden, in den man noch nie freiwillig einen Fuß hinein bekommen hat. Oder das Abo für die Zeitschrift, die Sie sich ohnehin fast jedes Monat kaufen. Zu sagen: "Dieses Buch/diese CD würde mich freuen", ist keine Schande. Und schon längst nicht unverschämt. Wie oft hat man selbst in seiner Not noch in letzter Sekunde sinnlosen Krimskrams, der einem irgendwo in Kassa-Nähe ins Auge gestochen ist, eingekauft? Ein aufwändig verpacktes Duftkerzerl? Die Teetasse, mit der originellen Aufschrift? Dinge, die kein Mensch braucht, aber: Man kann doch nicht mit leeren Händen aufkreuzen? In der Geschenke-Frage Offenheit zu demonstrieren, erleichtert das Leben.

Die beste Lösung: Wichteln

Wer gar keine Lust darauf hat, sämtliche Brüder, Schwestern, Nichten, Schwager oder Schwiegermütter zu beschenken, dem bleibt ja noch das beliebte Wichteln: Alle Namen werden auf je einen Zettel geschrieben, jeder muss ziehen und beschenkt diese eine Person, für die man dann in Ruhe und wohl überlegt ein Geschenk aussuchen kann. Einigt man sich dann auch noch auf einen Betrag, den alle maximal ausgeben dürfen, steht einem stressfreien Advent nichts mehr im Weg.

Aufgerufen am 13.12.2018 um 07:12 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/gruene-weihnachten-sagen-sie-doch-einfach-was-sie-sich-wuenschen-62157229

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