Grüne Weihnachten

Von wegen: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Das Warten auf das Christkind beginnt immer früher. Das sieht man schon an der Weihnachtsbeleuchtung, die in vielen Straßen, Gärten und an Hausfassaden gefühlt bereits mit dem Nationalfeiertag Ende Oktober aufgehängt wurde. Von Dezenz kann dabei längst keine Rede mehr sein.

Ich liebe sie ja, die Vorweihnachtszeit. Wenn es abends früh dunkel wird und man in der Finsternis noch den einen oder anderen Blick in ein fremdes Wohnzimmer erhaschen kann, bevor die Vorhänge zugezogen werden.

Wenn dann die ersten Lichterketten an den Balkonen befestigt werden, dann weiß man: Weihnachten ist nicht mehr weit. Aber mit den Jahren ist die Vorfreude dem Ärger gewichen. Denn Sterne, Ketten und allerlei kitschiges Blink-Blink wurden vielerorts schon Wochen vor dem Advent in Betrieb genommen. Konsequent, eigentlich: Schoko-Lebkuchen gibt es immerhin auch schon seit dem Spätsommer.

Ketten, Sterne, Weihnachtsmänner

Haben Sie Ihr Häuschen oder Ihre Terrasse heuer auch verschönert? Schaltet sich jeden Tag pünktlich mit Einbruch der Dunkelheit Ihr hell leuchtender Stern am Balkongeländer ein? Oder haben Sie gar einen rot und weiß blinkenden Weihnachtsmann an Ihrer Hausfassade befestigt, der mitsamt bunten Packerln zu Ihnen ins Schlafzimmer hochklettert?

Wer im Advent einen abendlichen Spaziergang unternimmt, entgeht dem Lichterwahnsinn nicht. Ursprünglich sollte die Beleuchtung einmal für besinnliche Stimmung sorgen.

Besinnlich? Wohl nur mehr nervig. Und vor allem: ganz schön viel Energie fressend.

Laut dem oberösterreichischen Energiesparverband entspricht der österreichische Energieverbrauch der alljährlichen Weihnachtsbeleuchtung dem Jahresstromverbrauch einer Stadt mit über 10.000 Einwohnern. Ganz Bischofshofen würde also mit dieser Strommenge ein Jahr lang auskommen.

Längst hat ein Wettrüsten eingesetzt: Wer hat die schönere, die opulentere, die grellere Beleuchtung?

Der Stromspargedanke macht Pause

Im südburgendländischen Bad Tatzmannsdorf beginnt Familie Gollnhuber bereits im August mit der rekordverdächtigen Illuminierung ihres "Weihnachtshauses". "In der Adventzeit beträgt unsere Stromrechnung rund 2.000 Euro", erzählt Sabine Gollnhuber. Rund 46 000 Lämpchen und 120 beleuchtete Figuren hat eine Familie im deutschen Saarland am und um sein Haus angebracht.

Ein dekoriertes Haus in Völklingen (Deutschland). SN/APA/EPA/OLIVER DIETZE
Ein dekoriertes Haus in Völklingen (Deutschland).

Man kann es auch übertreiben. Der Stromspargedanke scheint in der Weihnachtszeit jedenfalls Pause zu machen.

"Ein Rentierschlitten mit zwei zehn Meter langen Lichterketten mit Glühbirnen verbraucht in der Adventzeit ungefähr so viel Strom wie ein sparsamer Kühlschrank im ganzen Jahr. Die gleiche Beleuchtung in LED-Ausführung braucht immer noch so viel Strom wie das durchschnittliche Fernsehen in der Adventzeit", hat die Umweltberatung Wien vorgerechnet.

Die beste Alternative: eine Kerze

Aber wie kann ich Strom sparen, und mein Zuhause trotzdem weihnachtlich-besinnlich dekorieren? Früher gab es einmal etwas, das man Kerzen nannte. Man zündete sie an, stellte sie in Laternen und hieß damit seine Besucher an der Haustür willkommen. Dezent und stimmungsvoll.

Wem das zu wenig ist, für den hat die Umweltberatung Stromspartipps zusammen gestellt. Gerade im Winter stamme die Energie zu einem guten Teil immer noch aus kalorischen Kraftwerken. "Wenn offenes Feuer nicht möglich ist, sollte LED-Beleuchtung eingesetzt werden, denn sie hat den geringsten Energieverbrauch." Mit einer Zeitschaltuhr lässt sich die LED-Beleuchtung auch bequem automatisch abschalten, und das am besten ab 22 Uhr, weil da die meisten Menschen schlafen wollen. Außerdem: Keine Kabel durch gekippte Fenster legen, so geht viel Heizenergie verloren und am besten im Geschäft bei den LED-Lampen zu warmen Farbtönen greifen.

Apropos sparsame LED-Technologie: Damit lässt sich der Stromverbrauch zwar senken, jedoch neigt man dazu, viel mehr Lämpchen einzusetzen und sie dann auch noch später auszuschalten, eben weil sie ja so sparsam sind. Die Stromersparnis wird dadurch wieder relativiert.

Auch die Tiere wollen schlafen

Und auch die Tiere wollen schlafen: Sie brauchen gerade in der kalten Jahreszeit ihre gesamte Energie, um zu überleben. "Störende Lichtquellen können sich für Tiere verwirrend auswirken. Auch deshalb ist es besonders wichtig, die Beleuchtung zumindest in der Nacht abzuschalten", empfiehlt die Umweltberatung.

Das viele nächtliche Licht ist übrigens nicht nur lästig, sondern kann Menschen auch krank machen:. "Licht wirkt - auf Pflanzen und Tiere ebenso wie auf uns Menschen", erklärte die Koordinatorin des europäischen Netzwerks "Verlust der Nacht", Sibylle Schroer. Künstliches Licht zur falschen Zeit könne die innere Uhr aus dem Takt bringen, die Hormonausschüttung beeinträchtigen oder ganze Ökosysteme nachhaltig verändern.

Weniger ist mehr - das gilt zu Weihnachten nicht nur bei der Beleuchtung, aber das ist eine andere Geschichte...

Aufgerufen am 28.11.2020 um 03:56 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/gruene-weihnachten-von-wegen-advent-advent-ein-lichtlein-brennt-61630501

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