Österreich

Hochkar Alpenstraße und Skigebiet ab Samstag wieder geöffnet

Die wetterbedingt prekäre Situation am Hochkar im Bezirk Scheibbs hat sich endgültig entspannt. Die Alpenstraße wird ab Samstag wieder für den öffentlichen Verkehr freigegeben, sechs von acht Liftanlagen sollen wieder in Betrieb gehen, teilte das Amt der Niederösterreichischen Landesregierung mit. Die Einstufung als Katastrophengebiet wurde in Hochkar und Neuhaus aufgehoben.

200 Einsatzkräfte machten die Alpenstraße wieder passierbar SN/APA (AFP)/ALEX HALADA
200 Einsatzkräfte machten die Alpenstraße wieder passierbar

200 Helfer der Feuerwehr, des Bundesheeres und des Straßendienstes, die am Vormittag noch an Ort und Stelle waren, sollten das Hochkar-Gebiet noch am Freitag verlassen, wurde bei einem Treffen des Einsatzstabes unter der Leitung von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) beschlossen. Die Alpenstraße sei ab Samstag wieder mit normaler Winterausrüstung und ohne Kettenpflicht befahrbar.

In Niederösterreich ist die Lawinengefahr in den Ybbstaler Alpen und der Rax-Schneeberggruppe über 1.500 Metern jedoch weiterhin als "erheblich" (Stufe 3 von 5) beurteilt worden. In den übrigen Bergregionen galt Stufe 2. In Kärnten stürzte am Donnerstag ein tschechischer Urlauber beim Abstieg von einer Skihütte 30 Meter ab. Zudem sorgte in Kärnten der Schneefall für Probleme auf den Straßen.

Das Hauptproblem in Niederösterreich ist laut Warndienst der frische Triebschnee. "Mit den schlechten Sichtbedingungen wird das Erkennen der Gefahrenstellen im Gelände erschwert", hieß es. "Eine Schneebrettauslösung ist durch die geringe Zusatzbelastung eines einzelnen Tourengehers möglich. Bei einer Auslösung können die Lawinen auch größere Ausmaße annehmen", teilte der niederösterreichische Warndienst im Lagebericht mit.

Der niederösterreichische Lehrer, der Dienstag vergangener Woche auf der Mariazeller Bürgeralpe im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag vor den Augen seiner Schüler gestürzt und abseits der Piste in den Schneemassen steckengeblieben war, ist erstickt. Das hat die Obduktion ergeben, sagte Andreas Riedler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Leoben am Freitag zur APA. Der Leichnam wurde zur Bestattung freigegeben.

Der 62-jährige Pädagoge aus dem Bezirk Korneuburg war als Begleitperson mit neun Schülern auf der "Familienabfahrt" unterwegs, als er einen Ski verlor. Er schlitterte über den Pistenrand in einen steil abfallenden Waldbereich. Dort blieb er kopfüber im metertiefen Schnee stecken. Den nachkommenden Schülern war laut Polizei eine Hilfeleistung aufgrund der vorhandenen Schneemassen nicht sofort möglich. Einsatzkräfte der Bergrettung Mariazell stiegen schließlich zum 62-Jährigen ab, hatten jedoch keine Lebenszeichen mehr feststellen können.

Aufgrund der vielfach harten Oberflächen dürfe die Absturzgefahr nicht unterschätzt werden. Für Freitag war bei tiefwinterlichen Temperaturen leichter bis mäßiger Niederschlag prognostiziert. In den Ybbstaler Alpen wurde mit rund zehn Zentimeter Neuschnee gerechnet, in den östlichen Gebirgsgruppen sollte die Menge geringer ausfallen.

Ein 68-jähriger Urlauber aus Tschechien stürzte am Donnerstag gegen 16.00 Uhr beim Abstieg von einer Skihütte beim Kärntner Skigebiet Nassfeld (Bezirk Hermagor) in einem steilen Wald rund 30 Meter ab. Laut Polizei schleppte sich der Leichtverletzte über Stunden durch den Schnee zurück zur Piste, wo gegen 20.15 Uhr gefunden und gerettet wurde.

Weil der Mann nicht in seine Unterkunft zurückgekehrt war, hatte man dort bereits gegen 18.45 Uhr die Polizei informiert. Eine Suchaktion mit der Alpinpolizei, Diensthunden sowie dem Polizeihubschrauber Flir wurde gestartet. Im Skigebiet wurde die Flutlichtanlage aktiviert. Ein Mitarbeiter des Skigebiets fand den Tschechen schließlich. Er wurde mit einem Skidoo ins Tal gebracht und von der Rettung ins Landeskrankenhaus Villach eingeliefert.

Durch den Schneefall herrschte in Kärnten, etwa am Loiblpass, dem Grenzübergang zu Slowenien, Kettenpflicht - ebenso auf der Turracher Höhe (Bezirk Feldkirchen), im Metnitztal und auf der Flattnitzer Landesstraße (Bezirk St. Veit). Im Drautal, auf der B100, galt Kettenpflicht für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. Wegen hängen gebliebener Lkw musste am Freitag die Nassfeld Straße (Bezirk Hermagor) gesperrt werden. Auch an Autobahnauffahrten, wie etwa bei der Auffahrt Villach-West (A10) und bei der Wörtherseerast (A2) blieben Schwerfahrzeuge hängen, vorübergehend waren die Auffahrten unpassierbar.

Die Chefs der steirischen Einsatzorganisationen zogen am Freitag in der Landeswarnzentrale Bilanz zur Schneesituation und zeigten sich voll des Lobes über die Kooperationen. Allein die Feuerwehren kamen auf über 50.000 Stunden in den vergangenen 14 Tagen. Allerdings, gaben die Chefs von Rotem Kreuz, Bergrettung, Feuerwehr, Polizei und Heer zu bedenken, seien noch nicht alle Einsätze abgeschlossen.

Landesfeuerwehrkommandant Reinhard Leichtfried nannte 1.293 Einsätze in 14 Tagen, davon 827 in den nördlichen Bezirken, geleistet von 506 der 771 steirischen Feuerwehren. "Alle 16 KHD, also die Katastrophenhilfsdienste aus allen Bezirken waren im Einsatz. Alleine am vergangenen Wochenende waren über 1.000 Männer und Frauen im Schneeeinsatz, großteils wurden Dächer abgeschaufelt", sagte Leichtfried. Dies seien über 50.000 Einsatzstunden. Die Arbeitgeber der Helfer seien da positiv gegenüber den Freiwilligen eingestellt gewesen.

In allen sieben großen Skigebieten in Oberösterreich liefen seit Freitag wieder die Lifte. Bis auf den Kasberg, wo nur ein Teilbetrieb gestartet ist, herrschte am Hochficht, in Hinterstoder, auf der Wurzeralm, in der Skiregion Dachstein West, am Feuerkogel und auf dem Krippenstein Vollbetrieb, informierte Tourismus-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP). Das Militärkommando Oberösterreich hat am Freitag den Assistenzeinsatz "Schneedruck 2019" beendet. Seit 9. Jänner wurden insgesamt 31.000 Arbeitsstunden geleistet, bis zu 600 Soldaten waren im Einsatz, so die Bilanz.

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.08.2019 um 04:09 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/hochkar-alpenstrasse-und-skigebiet-ab-samstag-wieder-geoeffnet-64284931

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