Österreich

Höher oben arbeitet niemand: Was Wetterbeobachter am Sonnblick erleben

Der Hohe Sonnblick ist im Winter der wohl extremste Arbeitsplatz Österreichs. Wie der Alltag auf 3106 Metern Seehöhe abläuft.

Zuerst der Schnee, dann die Kälte: Der Winter zeigt sich heuer von einer ungewohnt strengen Seite. Dort, wo die Wetterbedingungen am extremsten sind, ist es dagegen momentan relativ "gemütlich". Nein, die Kälte sei momentan gar nicht das Problem, sagt Herbert Tannerberger, einer der Wetterbeobachter im Observatorium am Hohen Sonnblick auf 3106 Metern Seehöhe. "Die Kälte bildet sich unten im Tal." Die Temperaturen auf dem Sonnblick seien in diesen Tagen nicht außergewöhnlich, am Morgen seien es um die minus 15 Grad.

"Für uns ist es ein normaler Winter. Auch die Schneefälle waren unten schlimmer als heroben", sagt Tannerberger. Zwei Meter liegen derzeit auf dem Rauriser Sonnblick. Schaufeln müssen die Wetterbeobachter auch, wenn es gar nicht schneit - wegen der Schneeverwehungen. Die Arbeit draußen ist nur mit Handschuhen möglich.

Bei Winden mit teilweise mehr als 100 Stundenkilometern könne man auch nicht mehr einfach rausgehen, sagt Tannerberger. "Das vermeidet man, so gut es geht." Gerade im Winter müssen sich die Mitarbeiter oft anhängen und Helme tragen, weil sich vom Haus oder den Messgeräten Eisteile lösen können. Das Besondere sei, wie schnell dort oben plötzlich alles vereist sei, sagt Elke Ludewig, die Leiterin des Observatoriums. "Da kann es sein, dass innerhalb weniger Minuten das Gebäude vereist oder verreift."

Die Wetterbeobachter geben die Wetterdaten durch, nehmen Niederschlagsproben und warten die Messgeräte. Sie messen Treibhausgase, Staubteile in der Luft und vieles mehr. Jeweils 15 Tage sind die Wetterbeobachter auf dem Sonnblick, dann haben sie 13 Tage Zeitausgleich. An manchen Tagen, so wie zuletzt, sei es wunderschön, sagt Tannerberger. "Dann sitzen wir wieder zwei, drei Wochen nur im Nebel. Da sieht man dann nicht viel." Langweilig werde es dennoch nicht. "Man hat ohnehin den ganzen Tag zu tun, man ist immer beschäftigt. Wir müssen ja auch kochen und den kompletten Haushalt führen."

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