Österreich

Hofreitschule: Beirat tritt nach Bestellung von Sonja Klima zur Chefin zurück

Der Expertenbeirat der Spanischen Hofreitschule will "Postenschacher" nicht mittragen und zieht sich aus der Kulturinstitution zurück. Und was sagt Elisabeth Gürtler zu ihrer Nachfolgerin?

Sonja Klima sei eine sehr nette, liebenswürdige Person, sagt Elisabeth Gürtler, bis Ende 2018 Geschäftsführerin der Hofreitschule, über ihre Nachfolgerin. "Wir haben uns immer über Tiere unterhalten. Das Tierwohl ist ihr ein großes Anliegen. Ich bin überzeugt, dass es den Pferden bei ihr gutgehen wird." Was die Fachkompetenz anbelangt, das Wissen über Dressurreiten, meint Sacher-Chefin Gürtler diplomatisch: "Die reiterliche Komponente fehlt ihr. Da muss sie sich unbedingt Kompetenz hereinholen, sonst wird ihre Aufgabe nicht zu erfüllen sein."

Der Expertenbeirat der Hofreitschule war in seiner Wortwahl weniger zimperlich: "Sonja Klima fehlt der fachliche Background leider vollständig. Die Spanische Hofreitschule ist kein touristischer Vergnügungspark für Spiel und Spaß. Sonja Klima erfüllt keines der drei geforderten Hauptkriterien der Ausschreibung."

Offene Worte gegen Sonja Klima

Der Beirat spricht offen von "Fehlbesetzung" und "Postenschacher" - "deshalb tritt der Beirat hiermit geschlossen zurück", erklärte das Quartett: Allen voran Dressur-Olympiasiegerin Elisabeth-Max-Theurer, der Wiener Rechtsanwaltskammerpräsident Michael Enzinger, der Präsident des Tiroler Pferdesportverbandes und internationale Turnierveranstalter Klaus Haim sowie Thomas Lang, Grand-Prix-Reiter und Richter bei Olympischen Spielen.

Mit Klima sei eine rein politische Entscheidung getroffen worden, die bereits zu zahlreichen kritischen Stellungnahmen im In- und Ausland geführt habe. "Hier wird einer international einzigartigen Institution ein langfristiger Schaden zugefügt. Es schadet der Spanischen Hofreitschule, der klassischen Reitkunst und dem internationalen Ansehen unseres Landes", kritisiert der Expertenbeirat. Und stellt die Frage: "Warum wurden Kriterien festgelegt, eine Ausschreibung gemacht und eine Personalberatungsfirma beauftragt, die viel Geld kostet, wenn man eine nicht nachvollziehbare Entscheidung trifft, die sich weder an Kriterien noch an Reihung hält?" Seit dem Jahr 2001 sei die klassische Reitkunst ausdrücklich als eine im öffentlichen Interesse gelegene Aufgabe der Hofreitschule festgeschrieben.

Johann Marihart, Aufsichtsratsvorsitzender der Hofreitschule, verteidigte die Personalentscheidung. Er wollte nichts davon wissen, dass auf das sechsköpfige Gremium von Seiten der Eigentümerin, dem Landwirtschaftsministerium, politischer Druck ausgeübt worden sei. "Klima wurde in geheimer Abstimmung mehrheitlich gewählt." Marihart geht davon aus, dass Herwig Radnetter, der selbst gern Gürtler-Nachfolger geworden wäre und vom Beirat als der mit Abstand beste Kandidat beurteilt wurde, Sonja Klima tatkräftig unterstützen werde. Der 58-jährige Radnetter arbeitet seit über 40 Jahren in der Hofreitschule und ist seit sieben Jahren Leiter der Reitbahn. "Es gibt eine rechte Hand, das ist der Chef der Reitbahn. Es ist ausdrücklicher Wunsch des Aufsichtsrates, dass die Zusammenarbeit von Klima und Radnetter verstärkt wird", so Marihart.

Aufsichtsrat Martin Bartenstein hatte dagegen seine Probleme mit der Bestellung Klimas. Wie die "Kleine Zeitung" berichtete, legte der einstige ÖVP-Wirtschaftsminister sein Aufsichtsratsmandat zurück.

In ihrer Bewerbung schrieb die 55-jährige Ex-Kanzlergattin zum Anforderungsprofil "Umfangreiches Wissen und Erfahrung über die klassische Reitkunst": "Solange ich mich ... erinnern kann, war dies stets mit einer großen Leidenschaft für Pferde und Pferdesport geprägt. (...) Der Reiterei blieb ich bis zum heutigen Tage treu (...). Vor zwei Jahren erwarb ich einen Teil des Gestüts Schönfeld und betreibe dort einen Einstellstall für Trabrennpferde und Freizeitreitpferde. (...) Für die Lipizzaner habe ich mich immer besonders interessiert und habe viele Reitvorführungen besucht sowie mehrmals das Gestüt Piber sowie das Gestüt Toblosjanski in der Slowakei."

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