Österreich

In 72 Stunden wird das Virus eingedämmt

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen sinkt weiter. Neue Infektionsherde werden nun vor Ort bekämpft.

Mehr Test sind gefragt. SN/ryanking999 - stock.adobe.com
Mehr Test sind gefragt.

Am Montag waren nur noch 1111 Menschen in ganz Österreich an Covid-19 erkrankt. 279 mussten in den Krankenhäusern betreut werden. Damit sich das Virus nicht wieder im ganzen Land ausbreitet, soll es nun vor allem regional bekämpft werden. In Deutschland gilt etwa die Regel, dass es, wenn sich in einer Region von 100.000 Einwohnern 50 neu infizieren, zu einem lokalen Shutdown kommt.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne): "Ich halte dieses Vorgehen für kein Vorbild für Österreich. Erstens wissen wir, dass diese Kennzahl eine hauptsächlich politisch definierte und entschiedene ist, zweitens suggeriert sie, dass es darunter keine Probleme gibt - sie schafft also eine falsche Form von Scheinsicherheit."

In Österreich hat man eine andere Strategie gewählt. Da sollen Menschen, die sich neu mit dem Virus anstecken, rasch isoliert werden, dasselbe gilt für Kontaktpersonen. Verantwortlich, damit das Virus unter Kontrolle bleibt, sind die Bezirkshauptmannschaften. Dort wurde das Personal aufgestockt, um diese Aufgabe erfüllen zu können. Sollte es zu einer Neuinfektion kommen, soll innerhalb von 24 Stunden ein Test durchgeführt werden und es sollen auch alle Kontaktpersonen ausgeforscht werden. Innerhalb von 48 Stunden muss das Ergebnis des Tests feststehen, ist es positiv, werden sich innerhalb von 72 Stunden alle betroffenen Personen in Quarantäne befinden. Dies betrifft vor allem die sogenannten Kontakt-1-Personen. Diese haben ein hohes Ansteckungsrisiko. Dazu zählen etwa Personen, die im gleichen Haushalt leben wie die erkrankte Person, oder Menschen, die sich mehr als 15 Minuten mit einem Covid-19-Kranken in einem Raum aufgehalten haben und dabei der empfohlene Mindestabstand nicht eingehalten wurde. Auch Händeschütteln und Angehustetwerden sind Merkmale für einen Kategorie-1-Fall.

Durch diese Maßnahmen sollen neue Infektionsketten rasch unschädlich gemacht werden. Die AGES soll die lokalen Behörden unterstützen. Außerdem werden in Zukunft Risikogruppen verstärkt getestet, um mögliche infizierte Personen rasch zu finden. Dazu zählen Personen, bei denen das Coronavirus einen schweren Verlauf zu nehmen droht, und das Personal im Gesundheitsbereich. Allein dabei dürfte es sich um etwa 130.000 Personen handeln. Die Testkapazitäten seien jedenfalls vorhanden, heißt es im Gesundheitsministerium. In Österreich sind derzeit etwa 10.000 Tests pro Tag möglich.

Wie wichtig gute Kontrollen sind, um die neuerliche Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, zeigt sich an den aus der Ukraine eingeflogenen Erntehelfern nach Österreich. Einer von ihnen wurde positiv auf das Virus getestet. Er und 19 weitere Arbeiter müssen daher 14 Tage in Quarantäne. Die 194 Ukrainer, die gesund sind, sind bereits bei der Erdbeerernte im Einsatz. Anschließend werden sie noch Marillen und Kirschen pflücken.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 03:07 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/in-72-stunden-wird-das-virus-eingedaemmt-87422605

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