Österreich

Innviertler verschenkt Autos an Menschen in Not

Johann Eidenhammer verbringt den Großteil seiner Freizeit damit, alte Autos in Schuss zu bringen. Einer der Beschenkten sagt: "Das ist für mich wie ein Lottosechser."

Dieser Mann hat einen Auftrag: Johann Eidenhammer verschenkt Autos an Menschen, die sich keines leisten können, aber dringend eines brauchen. Der pensionierte Automechaniker hat eine einfache Erklärung für sein Tun: "Mobilität kann aus der Armut führen." Aus ganz Österreich bekommt er Autos geschenkt, die er auf eigene Kosten in Schuss bringt. Gelegentlich erhält er auch Sach- oder Geldspenden.

Einen Großteil seiner Freizeit wendet er dafür auf, die Fahrzeuge wieder in Schuss zu bringen. "Was du gern tust, das ist keine Last. Und ich tu' das einfach gern. Mir liegt das, das gehört zu meinem Leben dazu." Unterstützt wird er von seiner Frau Christine, die voll hinter dem Projekt steht. "Man braucht eine Partnerin, die mitmacht. Sonst würde das nicht gehen."

Sind die Autos bereit für einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin, werden sie von der Caritas in das sogenannte Sachspendenportal aufgenommen. "Darauf haben die Sozialarbeiterinnen Zugriff", sagt Eidenhammer. Und seine Frau ergänzt: "Sie kommen ja zu den Leuten ins Haus, kennen die Situation und auch die finanzielle Lage."

Alles begann schon vor mehr als 40 Jahren, als Eidenhammer in seinem Beruf als Automechaniker einer Familie in Not begegnete. Ein Mann kam damals in die Werkstatt und fragte, ob ein günstiges Auto zu kaufen wäre. "Als ich eines hatte, bin ich zu der Familie gefahren. Die Frau war schwer krank, der Mann brauchte ein Auto, um sie zum Arzt zu fahren. Er fragte mich, ob er den ohnehin geringen Betrag auf drei Mal abzahlen kann." Eidenhammer stimmte zu, fuhr los - und kehrte um. "Ich habe gesagt: Ich schenke euch das Auto."

Im Ruhestand ist daraus sein Herzensprojekt gewachsen. "Man muss ein Ziel haben, wenn man in Pension geht. Mir haben schon am dritten Tag die Menschen gefehlt", sagt Eidenhammer. Bisher hat er 27 Autos an Menschen in Not verschenkt - an Alleinerzieherinnen, die einen Pkw brauchen, um zur Arbeit zu kommen. An Großfamilien, mit schwerbehinderten Kindern, die zur Therapie müssen, oder an schwerkranke Menschen, die dazu noch in finanzieller Not sind. "Sie wohnen meist auf dem Land, weil es billiger ist", erklären er und seine Frau. "Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren nicht im Stundentakt, aber wenn die Frau zu einem Putzjob fahren muss, damit die Familie über die Runden kommt, oder ein schwerstbehindertes Kind zur Therapie muss, wird das zum Problem."

Eidenhammer kümmert sich auch darum, dass anfallende Kosten wie die Autoanmeldung finanziert werden. Dafür arbeitet er mit Lions Clubs in ganz Österreich zusammen.

Einer der Beschenkten ist Helmut Kronewitter aus Rif. Er leidet an dem seltenen Klinefelter-Syndrom und hat zwei Selbsthilfegruppen ins Leben gerufen (mehr unter: www.raredisease.at). Seit zehn Jahren ist er arbeitslos, trotz vieler Bemühungen. Kürzlich hat er sich als Fotograf selbstständig gemacht, aber das sei eher ehrenamtlich. "Das Auto war wie ein Lottosechser für mich", erklärt er. "Ich hole Medikamente, fahre ins Krankenhaus - und manchmal auch zu einer Veranstaltung, damit ich unter die Leute komme." Da er aufgrund seiner finanziellen Situation zum Sparen gezwungen ist, plant er jede Fahrt genau. Kronewitter lernte auch die Vorbesitzerin des Wagens kennen. "Sie ist froh, dass es jemand bekommen hat, dem es nützt. Das ist eine schöne Sache."

Die Schicksale der Menschen, denen er begegnet, gehen an Johann Eidenhammer nicht spurlos vorüber. "Bei fast jeder Autoübergabe begegnet mir eine Geschichte, die berührt", sagt er. Ihm hilft dann vor allem eines: "Wenn man sieht, dass die Menschen wieder eine Perspektive oder Hoffnung haben."

Im Jahr 2015 erhielt Eidenhammer den Solidaritätspreis der "Kirchenzeitung" der Diözese Linz und des Landes Oberösterreich. Damit wurde sein Engagement auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Angesichts der Not, die ihm so oft begegnet, hat er zwei Wünsche: dass noch andere Menschen seinem Beispiel folgen, und: "In der Politik wird so viel Geld unnötig verschossen, das könnte man viel besser einsetzen."

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