Österreich

Internetbetrüger in Linz verurteilt

Ein 45-Jähriger ist am Montag wegen dreisten Liebesbetrugs im Internet, eines sogenannten Love Scams, vom Landesgericht Linz rechtskräftig zu 21 Monaten Haft, 14 davon bedingt, verurteilt worden. Eine Niederösterreicherin soll für einen angeblichen US-Wissenschafter auf Forschungsreise 141.700 Euro an etliche Mittelsmänner ausgehändigt haben. Der Angeklagte bekannte sich nur teilweise schuldig.

Unter dem Facebook-Pseudonym Robert Bradley habe eine kriminelle Vereinigung, in der der Angeklagte Mitglied gewesen war, im März vergangenen Jahres Kontakt zu der damals 68-Jährigen aufgenommen, führte Staatsanwalt Philip Christl aus. Es entwickelte sich eine Internetbekanntschaft und der vermeintliche Partner habe der Frau erklärt, mit ihr den Lebensabend verbringen zu wollen. Allerdings befand sich "Robert", angeblich ein verwitweter US-Wissenschafter, mit seinem Vermögen von mehreren Millionen Dollar noch auf einer Forschungsreise. Da er sich vor Piraten fürchte, wolle er sein Geld der Frau zum Aufbewahren überlassen. Für die Überstellung nach Niederösterreich benötige er allerdings Geld, so dessen Geschichte.

Über Monate hinweg brachte die Frau daraufhin mehrere zehntausend Euro rund zehn Unbekannten in verschiedene europäische Städte wie Paris, Dresden, Wien oder Linz. Im Juli 2019 reichte es der Niederösterreicherin schließlich und sie erstattete Anzeige. Bei einer geplanten weiteren Übergabe von 30.000 Euro am Münchner Hauptbahnhof wurde am Nachmittag des 27. August der Verdächtige sowie ein Komplize festgenommen und in die Justizanstalt eingeliefert. Die Staatsanwaltschaft Linz ersuchte um Auslieferung. Seit 17. Oktober sitzt der Angeklagte in Oberösterreich in U-Haft.

Für Staatsanwalt Philip Christl wurde am Montag in Linz nur "die Spitze eines Eisbergs" verhandelt. Der vor Gericht stehende italienischer Staatsbürger, der im Kamerun geboren wurde und bis zur Verhaftung in Paris lebte, sei "kein Einzeltäter sondern in einer systematischen, gut organisierten Verbindung" aktiv gewesen, der es "wegen des perfiden Vorgehens sehr schwer ist, habhaft zu werden". So hätten die Kriminellen "besonders schäbig" agiert, denn sie haben für den Betrug "mit Gefühlen gespielt", meinte Christl.

An solchen schweren gewerbsmäßigen betrügerischen Geschäften wollte der Angeklagte nicht mitgewirkt haben. "Ich bin nicht schuldig", versicherte er anfangs Richter Clemens Hödlmoser. Er habe 2019 in Paris einen alten Bekannten aus dem Kamerun getroffen. Dieser will sich bereit erklärt haben, ihn finanziell zu unterstützen, da er wegen einer Verletzung am Finger vorübergehend nicht als Möbelpacker arbeiten konnte und daher die Miete für die Wohnung nicht besaß, sagte der Vater von vier Kindern vor Gericht. So seien die beiden am 27. August mit dem Zug nach Deutschland gereist, um in Baden-Baden das Geld zu holen. Kurzfristig erfuhr er, dass sie erst noch nach München mussten, da der Kumpel dort von einer Frau Geld bekomme. Er habe zwar gewusst, dass der Kumpel etwas "Illegales" mache, denn er sei "ängstlich, nervös und zittrig" gewesen, meinte der 45-Jährige. Dennoch habe er ihn begleitet, ohne weiter nachzufragen. In diesem Sinne bekannte er sich dann doch nach Rücksprache mit seinem Verteidiger als Beitragstäter teilweise schuldig.

Für den Staatsanwalt "völliger Unsinn, alles ein Blödsinn", wertete er das "minimale Teilgeständnis". Auch der Richter sprach von einem "Haufen Erfindungen, die der Angeklagte in der Verhandlung "aufgetischt" habe. Dessen Version wirkte auf ihn "an den Haaren herbeigezogen". Wegen der Unbescholtenheit des Angeklagten blieb Hödlmoser mit den 21 Monaten teilbedingter Haft aber im unteren Drittel der bis zu fünf Jahren möglichen Freiheitsstrafe.

Das Opfer hatte zuvor ausführlich von den vielen Treffen mit den vielen Unbekannten in teils teuren Hotels berichtet. "Irgendwann habe ich nicht mehr gekonnt". Daraufhin ging sie zum Betrugsdezernat. Bis dahin waren schon mehr als 140.000 Euro geflossen, zum Teil habe sie das Geld aus ihrem Unternehmen genommen. Zur fingierten Übergabe in München fuhr sie dann schon mit der Polizei, die das Treffen observierte. Gegen eine Bestätigung händigte sie das Geld aus, dann schritt die Exekutive ein. "Das war's dann", meinte die heute 69-Jährige mit trockenem Humor. Den Angeklagten will sie aber noch nie gesehen haben. Doch das hieße nichts, denn die Gruppe sei sehr professionell auch mit Hintermännern vorgegangen, deshalb wollte sich auch nicht, dass "alles im Sand verläuft".

Quelle: APA

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