Österreich

Iraker erstach seine Verlobte: Lebenslange Haft für ein "U-Boot"

Ein Iraker hat seine Verlobte erstochen und muss nun lebenslang in Haft. Dabei hätte er zum Tatzeitpunkt im Gefängnis sitzen sollen.

 SN/apa

Immer und immer wieder hat K. auf sein Opfer eingestochen, das auf dem Rücken lag und verzweifelt um Hilfe schrie. Doch die 50-jährige Frau hatte keine Chance. Ihr zehn Jahre jüngerer Freund, ein muskelbepackter Iraker, stieß ihr das Messer mehrfach in den Hals, bis sie an ihrem eigenen Blut qualvoll erstickte. Der Prozess gegen den 40-jährigen K. am Wiener Landesgericht begann am Dienstag mit drastischen Worten der Staatsanwältin - und endete mit einem Schuldspruch: lebenslange Haft für K.

Im September 2018 hatte der Angeklagte demnach die Bluttat verübt. Offenbar aus Eifersucht. Der Beschuldigte versuchte den Spieß umzudrehen: "Sie hat versucht, mich mit dem Messer zu verletzen." Auch aus dem Fenster habe die Frau ihn stoßen wollen. "Du bist kein richtiger Mann, hat sie gesagt, weil du keine Haare auf der Brust hast." Er droht ihr: "Wenn du keinen Sex mit mir haben willst, werde ich dich umbringen." Er sei gekränkt gewesen, habe dann nur noch "schwarz" gesehen. An die Tat selbst könne er sich nicht mehr erinnern.

Doch zu der Bluttat hätte es gar nicht kommen dürfen. Denn der damals bereits mehrfach Verurteilte hätte zu dem Zeitpunkt eigentlich im Gefängnis sitzen müssen.

Ein Rückblick: Im Juli 2004 war K. illegal aus dem Irak nach Österreich eingereist. Da laut Anklage seine Fluchtgründe unglaubwürdig waren, wurde sein Asylantrag negativ beschieden. Allerdings war eine Abschiebung unmöglich. Dafür kann es mehrere Gründe geben: "Ohne Zustimmung des jeweiligen Staates kann man niemanden abschieben", erklärt der Salzburger Rechtsanwalt Gerhard Mory. "Es geht immer um die Kooperationsbereitschaft des Landes." Oder: Kein Rücknahmeabkommen, keine Abschiebung. Mory: "Wenn jemand faktisch nicht abschiebbar ist, dann hat er ein Recht darauf, dass er eine Art Duldung bekommt, nach einem Jahr dann eine Aufenthaltsbewilligung. Irgendeinen Status muss man ihm ja geben, sonst lebt er hier ja als U-Boot."

Tatsächlich bekam K. eine Aufenthaltsbewilligung, befristet bis 2011. Im August 2010 wurde er wegen versuchter schwerer Erpressung teilbedingt zu 24 Monaten Haft verurteilt. Anschließend wurde der Iraker ausgewiesen. "Das heißt, dass man das Bundesgebiet verlassen muss", sagt Asylexperte Mory. Man könnte auch Schubhaft verhängen, um die Ausweisung zu vollstrecken. Das Problem im Fall K.: "Wenn man schon vorher weiß, dass eine Abschiebung unmöglich ist, ist die Schubhaft nicht zulässig."

K. verließ Österreich tatsächlich nicht. 2014 stellte er erneut einen Asylantrag. Er habe Angst, im Irak getötet zu werden. Außerdem wolle er heiraten, gab er damals an. Im April 2016 wurde der heute 40-Jährige wegen Schlepperei teilbedingt zu zwölf Monaten Haft verurteilt, der Asylantrag abgewiesen.

K.s Anwalt erwirkte jedoch beim Bundesverwaltungsgericht aufschiebende Wirkung - K. wurde abermals nicht abgeschoben. Im August 2017 verurteilte man ihn wegen schwerer Körperverletzung zu neun Monaten Haft. K. stellte einen Antrag auf Haftaufschub, wegen angeblicher Depressionen. Während ihm ein Gutachten sehr wohl Haftfähigkeit attestierte, tauchte K. unter.

Er lernte die 50-jährige mehrfache Mutter kennen. Er zog zu ihr, wollte sie heiraten, schenkte ihr Schmuck. Doch die Beziehung hielt nicht. Immer wieder gab es heftigen Streit. Einmal flüchtete sich die Frau vor dem mit einem Messer bewaffneten Iraker in die Nachbarwohnung.

Zwei Wochen später, am 8. September 2018, wollte die 50-Jährige den Iraker aus der Wohnung werfen, weil sie einen anderen Mann erwartete. Daraufhin drehte K. durch und erstach seine Verlobte. Gegen das Urteil legte er Berufung ein. Es ist somit nicht rechtskräftig.

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