Österreich

Josef Marketz zum neuen Kärntner Bischof geweiht

Josef Marketz ist am Sonntag zum neuen Bischof der Diözese Gurk geweiht worden. Hauptkonsekrator bei der Feier im Klagenfurter Dom war der Salzburger Erzbischof und Metropolit der westösterreichischen Kirchenprovinz Franz Lackner. Marketz ist ein Kärntner Slowene und ist der 66. Bischof der zweitältesten Diözese in Österreich.

Der Kärntner Slowene Marketz folgt auf Alois Schwarz, der im Sommer 2018 Bischof von St. Pölten wurde. Nach Schwarz' Abgang aus Kärnten wurde rasch Kritik an seiner Amts- und Lebensführung laut. Ihm wurden unter anderem Misswirtschaft und eine zu große Nähe zu einer Mitarbeiterin vorgeworfen. Schwarz wies das zurück. Ein Strafverfahren ist bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) anhängig. Im Jänner wurde bekannt, dass die Ermittlungen wegen des Verdachts der Hinterziehung von Grunderwerbssteuer eingestellt wurden. Nicht vom Tisch ist allerdings ein Steuerstrafverfahren wegen eines Immobiliengeschäfts, der Betrugsverdacht im Zusammenhang mit dem Pachtvertrag für ein Schloss sowie der Untreueverdacht bei Dienstverträgen von Mitarbeitern der Diözese Gurk. Die WKStA hat Vorhabensberichte erstellt, über deren Inhalt aber nichts bekannt ist.

Lackner zur Seite standen bei der Weihe am Sonntag der Marburger Erzbischof Alojzij Cvikl sowie Militärbischof Werner Freistetter, der seit Juli 2019 die Diözese als Apostolischer Administrator geleitet hatte. Diese drei legten Marketz im stillen Gebet um den Heiligen Geist die Hände auf und vollzogen damit seine Weihe und die Weitergabe des Bischofsamtes.

Am Beginn der Weiheliturgie ergriff Bischof Freistetter in seiner letzten Amtshandlung als Interimsleiter der Diözese das Wort und bat den Salzburger Erzbischof darum, Marketz zum Bischof zu weihen. Im Anschluss wurde das päpstliche Ernennungsdekret des Erwählten durch Ordinariatskanzler Jakob Ibounig verlesen. Darin schreibt Papst Franziskus, dass für die Diözese Gurk "ein tatkräftiger Vorsteher erwartet und ersehnt wird, ein in der Liebe hervorragender Hirte und kluger Vater", und hält wörtlich fest:

"Wir sind nun der Meinung, geliebter Sohn, dass Du diesen Dienst übernehmen kannst, zumal die oben genannten Aufgaben und Deine pastorale Erfahrung Dich dazu in vielerlei Hinsicht befähigen. Daher machen wir uns die Entscheidung der Bischofskongregation zu Eigen und erwählen und ernennen Dich Kraft unserer Apostolischen Vollmacht zum Bischof von Gurk. Gleichzeitig übertragen wir Dir alle Rechte und Pflichten, die mit eben dieser Würde gemäß den heiligen kanonischen Gesetzen verbunden sind."

Der für Caritas-Angelegenheiten zuständige Bischof hielt die Predigt

Der für Caritas-Angelegeheiten in der österreichischen Bischofskonferenz zuständige Bischof Benno Elbs aus Vorarlberg wandte sich in seiner Predigt gegen kirchliche Resignation und plädierte für einen Neuaufbruch im Sinne einer "Hinwendung zu den Menschen, besonders zu den Armen und Benachteiligten". Der neue Kärntner Bischof möge durch seinen persönlichen, authentisch gelebten Glauben, durch eine konsequente "Hinwendung zu den Armen" und die Schaffung von "liebevollen und gastfreundlichen Anders-Orten" in der Kirche ein Zeichen gegen den "Schatten des Pessimismus" setzen, der auf der Kirche laste. "Wir müssen darauf achten, dass wir nicht der Häresie der Angst und des Pessimismus verfallen", so der österreichische Caritas-Bischof. "Dein Ort als Bischof ist an der Seite der Armen, Einsamen und Vergessenen."

In Anlehnung an den heutigen kirchlichen Festtag "Darstellung des Herrn" (2. Februar) erinnerte der Feldkircher Bischof zudem daran, dass die erste Aufgabe des Bischofs nicht allein in seiner Leitungsfunktion und seiner Kompetenz, "Konzepte zu entwerfen, Visionen für die Zukunft zu entwickeln" besteht, sondern darin, "für Christus zu stehen, auf ihn zu verweisen, so dass die Fülle seiner Liebe in und durch unser Leben für die Menschen spürbar, greifbar, erfahrbar werden kann".

Unter dem Vorgänger schnellten die Kirchenaustritte in die Höhe

Marketz wurde am 30. Juli 1955 in St. Philippen ob Sonnegg/St. Lips in der Gemeinde Sittersdorf/Zitara vas (Bezirk Völkermarkt) geboren. Er besuchte das kirchliche Gymnasium in Tanzenberg, wo er 1975 die Matura ablegte. Nach dem Theologiestudium in Salzburg und Laibach wirkte Marketz ein Jahr als Diakon in Ecuador in Südamerika, 1982 wurde er in Klagenfurt zum Priester geweiht. Seine Motivation sei eindeutig eine soziale gewesen, betonte Marketz immer wieder. Das machte er - neben seiner Funktion als Caritas-Direktor - auch 2015 deutlich, als er Kritik an der EU übte und einen humanen Umgang mit Flüchtlingen einforderte.

Nach dem Wechsel von Schwarz nach St. Pölten wählte das Domkapitel Generalvikar Engelbert Guggenberger zum Administrator. Er sollte die Diözese eigentlich bis zur Amtseinführung des neuen Bischofs leiten. Im Dezember 2018 wurde Erzbischof Lackner mit einer Visitation der Diözese beauftragt, im Sommer 2019 schließlich setzte der Papst Guggenberger als Administrator ab und ersetzte ihn durch Militärbischof Werner Freistetter. In der Diözese bildete sich daraufhin die Laiengruppe "Forum mündige Christen", die sich für Guggenberger als neuen Bischof einsetzte.

Die Turbulenzen gingen an der Diözese nicht spurlos vorüber, die Zahl der Kirchenaustritte schnellte in die Höhe. An Marketz wird es nun liegen, wieder Ruhe in der Diözese einkehren zu lassen - schon bei seiner Vorstellung im Dezember kündigte er an, mit Beteiligten sprechen sowie "Lösungen finden und aufzeigen" zu wollen. Seine Amtsführung stellt Marketz unter den Leitspruch "deus caritas est" ("Gott ist [die] Liebe"), er möchte sich auch Anleihen an der Amtsführung von Papst Franziskus nehmen. In diesem Zusammenhang setzte Marketz bereits durchaus auf Symbolik: Er kündigte an, nicht in die bischöfliche Residenz übersiedeln zu wollen, sondern in seiner Wohnung zu bleiben. Und sein eigens geschnitzter Bischofsstab besteht aus schlichtem Zirben- und Lindenholz.

Zweisprachiger Gottesdienst und eine Sammlung für die Caritas

Zu der Weihe wurden mehr als 1000 Besucher erwartet. Zahlreiche kirchliche Würdenträger hatten sich für die Zeremonie im Klagenfurter Dom angekündigt, wie etwa Nuntius Pedro Lopez Quintana, Kardinal Christoph Schönborn und sechs Erzbischöfe, unter anderem aus Slowenien. Auch Vertreter von anderen Kirchen waren dabei, wie Superintendent Manfred Sauer und der altkatholische Bischof Heinz Lederleitner. Ebenfalls auf der Gästeliste standen der Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina, Valentin Inzko, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) und Landtagspräsident Reinhart Rohr (SPÖ).

Aufgrund der Zweisprachigkeit in der Diözese fand der Gottesdienst auf Deutsch und Slowenisch statt. So wurde eine Lesung auf Slowenisch vorgetragen und das Vaterunser in beiden Sprachen gebetet. Auch die Grußworte wurden zum Teil zweisprachig gehalten. Für die musikalische Gestaltung waren die Dommusik Klagenfurt unter der Leitung von Thomas Wasserfaller und Gemeinschaftschöre aus den Pfarren St. Philippen/St. Lips - der Heimatpfarre von Bischof Marketz - und Bad Eisenkappel/Zelezna Kapla zuständig. Neben der "Missa in D" von Antonin Dvorak wurden slowenische Kirchenlieder und Lieder aus dem Gotteslob gesungen.

Klienten von Kärntner Caritaseinrichtungen brachten zur Gabenbereitung Brot und Wein zum Altar. Die Kollekte kommt dem Projekt "Obdachlosenhaus" zugute, das von Bischof Marketz als Caritasdirektor initiiert wurde.

Zum Abschluss der Gottesdienstes ergriffen Landeshauptmann Peter Kaiser, der evangelische Superintendent Manfred Sauer, Dompropst Engelbert Guggenberger und zwei Jugendliche das Wort. Die Feier mit endete mit einer Ansprache des neuen Bischofs und seinem Segen.

Quelle: SN-Gs, Kap, Apa

Aufgerufen am 03.12.2020 um 06:45 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/josef-marketz-zum-neuen-kaerntner-bischof-geweiht-82898398

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