Österreich

Jugendstaatssekretärin glaubt an "sicheren Schulstart"

Am Montag geht es nach den Weihnachtsferien wieder in der Schule los - bei rasant steigenden Corona-Infektionszahlen. Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) ist überzeugt, dass "dem sicheren Schulstart nichts im Wege" stehe. Im APA-Interview plädierte sie außerdem dafür, bei der Impfpflicht Jugendliche nicht sofort zu bestrafen, sondern noch einmal zu beraten. Dem Wiener Bürgermeister empfiehlt sie, sich mit den Aktivisten des Lobau-Camps an einen Tisch zu setzen.

Plakolm will für Jugendliche Ausnahme bei Impfpflicht-Strafen SN/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLA
Plakolm will für Jugendliche Ausnahme bei Impfpflicht-Strafen

Es sei immer "oberstes Ziel" der Regierung, die Schulen "so lange wie möglich offen zu halten", versicherte Plakolm. Dies sei auch möglich, weil man die Schülerinnen und Schüler drei Mal pro Woche teste und ein entsprechendes Sicherheitskonzept habe. "Deswegen steht dem sicheren Schulstart nichts im Wege", glaubt sie.

Eltern, die sich ob der Infektionsgefahr dennoch Sorgen machen, könnten die Kinder nach wie vor zuhause mit Lernpaketen unterrichten, bekräftigte Plakolm. "Die Möglichkeit, dass man die Kinder zuhause lässt, die besteht ja weiterhin."

Die Staatssekretärin betont aber auch, dass es ja eine Lösung und einen Schutz gebe, auch vor der Omikron-Welle, nämlich die Impfung. "Ich glaube, da haben wir extrem viel zu tun, dass wir auch Überzeugungsarbeit leisten" bei den jüngsten Schülerinnen und Schülern und deren Eltern, meinte Plakolm. Hier seien auch die Schulärzte eingebunden. Ab 14 Jahren könne man selbst die Entscheidung treffen, sich impfen zu lassen, erinnerte Plakolm.

Die Impfpflicht, deren Begutachtung am Montag endet, "steht", betonte die Jugendstaatssekretärin trotz der jüngsten rechtlichen Diskussionen. Bei den Konsequenzen für jene, die der Impfpflicht nicht nachkommen, plädiert sie aber für eine Änderung. Konkret will Plakolm eine Differenzierung zwischen Volljährigen und Jüngeren: Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, die sich nach der ersten Einladung nicht impfen lassen, sollten zunächst zu einem ärztlichen Beratungsgespräch, bei dem Überzeugungsarbeit geleistet werde, forderte sie. Es gehe darum, dass die vorgesehenen Geldstrafen für diese Altersklasse nicht sofort greifen, sondern "dass eher beraten wird statt gestraft". Dieses Anliegen habe das Jugendressort in die Begutachtung eingebracht.

"Die Impfung schützt mich selbst, die Impfung schützt mein Umfeld und die Impfung schützt das Gesundheitssystem vor einer Überlastung", unterstrich Plakolm. "Auch wenn junge Menschen nicht primär zur Risikogruppe zählen", müsse das Motivation genug sein, um sich aus Solidarität impfen zu lassen, meinte sie.

Wie Studien belegen, hat sich die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Verlauf der Corona-Pandemie erheblich verschlechtert. Die Staatssekretärin verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf jene zusätzlichen 13 Millionen Euro, die die Regierung bereits im Sommer für die Bewältigung psychosozialer Probleme von Kindern und Jugendlichen angekündigt hatte. Diese 13 Millionen würden nun im Jänner fließen, "dorthin, wo sie gebraucht werden", es werde hier ein gutes Paket etwa mit dem Bundesverband für Psychotherapie ausverhandelt.

Man müsse auch niederschwellig und früh ansetzen, findet Plakolm,. So sei es etwa wichtig, Schulpsychologen in den Unterricht zu integrieren, oder beispielsweise Chat-Angebote bei "Rat auf Draht" auszubauen.

Das Jugendressort will in Zusammenarbeit mit der Statistik Austria heuer einen Bericht zur Lage der Jugend vorlegen, wie er einmal pro Legislaturperiode vorgesehen ist. Der Fokus soll dabei auch auf Zukunftsthemen liegen, sagte Plakolm. Innovationen, Klimaschutz und politische Teilhabe seien Themen, die junge Menschen beschäftigen.

Öffentlich beachtetes politisches Engagement in Sachen Klimaschutz betreiben zurzeit auch einige Jugendliche im Wiener Lobau-Camp. Sowohl die Stadt Wien als auch die Aktivisten richteten sich hier gegenseitig viel über die Zeitungen aus, meinte Plakolm darauf angesprochen. Sie empfiehlt Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) direkten Dialog: "Ich glaube, es hat noch keinem Politiker geschadet, sich an einen Tisch zu setzen mit den Betroffenen."

Inhaltlich bleibt Plakolm freilich auf ÖVP-Linie: Es gebe derzeit zur Verkehrsentlastung nur eine Lösung, die auf dem Tisch liege, und "solange es keine weiteren Lösungen gibt, ist es alternativlos". Das Projekt sei bereit für den Bau und es wäre ihrer Meinung nach zu kurz gedacht, das "aus populistischen Gründen abzublasen" und damit den Anrainern und Pendlern "das Leben zu erschweren".

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