Österreich

Keine Einigung in Prozess um vertauschte Babys in Graz

Im Grazer Landesgericht für Zivilrechtssachen ist am Montag das Verfahren rund um eine Babyvertauschung fortgesetzt worden. Vor 26 Jahren soll es im LKH Graz zur Verwechslung zweier Neugeborenen gekommen sein. Die betroffene Familie möchte Schmerzensgeld, Einigung gab es vorerst keine. Diesmal wurden die Eltern und die Tochter befragt, ein psychiatrischer Gutachter wird bestellt werden.

Die Vertauschung soll nach Meinung der Familie Grünwald im LKH Graz unmittelbar nach der Geburt stattgefunden haben. Trotz DNA-Tests - von 200 möglichen Personen hatten sich 30 testen lassen - wurde bisher aber kein zweites Mutter-Tochter-Paar ausfindig gemacht, das an der möglichen Verwechslung beteiligt gewesen sein könnte.

Als erstes wurde der Vater der Familie befragt, der meinte: "Im ersten Moment war es schlimm." Seine Frau und seine vermeintliche Tochter hatten ihn erst nach über einem Jahr eingeweiht. "Man möchte schon wissen, wie es dem eigenen Kind geht, gerade jetzt zu Weihnachten."

Seine Frau, Evelin Grünwald, schilderte, wie sie einen Tag nach der Geburt das Mädchen - ein Frühchen - zum ersten Mal gesehen habe. Sie sei sicher, dass dieses Kind das gleiche war, mit dem sie dann nach Hause gegangen sei. Die Vertauschung könne ihrer Meinung nach nur unmittelbar nach der Geburt passiert sein. Sie beschrieb anschaulich, dass auf dem rosa Erkennungsband des Mädchens "Doris" gestanden sei. Doch der Anwalt der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) legte das Buch der Geburtenstation vor, wo das Bändchen unter dem Namen "Evelin Grünwald" verzeichnet ist. Die Bänder wurden üblicherweise mit dem Namen der Mutter versehen.

Auch die Tochter will sich an das rosa Band mit Namen "Doris" erinnern, das erst vor einigen Jahren verschwunden sein soll. Die junge Frau schilderte, dass sie durch einen Bluttest erfahren habe, dass ihre Blutgruppe eine andere sei als in ihren Unterlagen verzeichnet. "Im ersten Moment ist meine Welt zusammen gebrochen", beschrieb die 26-Jährige.

Als Zeugin wurde eine Hebamme gehört, die aussagte, das Erkenntnisbändchen trage immer den Namen der Mutter, später auch das Geburtsdatum des Kindes, aber nie dessen Namen. "Mit den Bändchen ist immer sehr sorgfältig umgegangen worden." Frauen würden immer zwei Stunden auf der Entbindungsstation bleiben, in dieser Zeit sei damals kein anderes Kind auf die Welt gekommen.

Richterin Andrea Altinger kündigte an, dass ein psychiatrischer Sachverständiger beauftragt werden wird. Wann der Prozess fortgesetzt wird, war daher am Montag noch nicht absehbar.

Quelle: APA

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