Österreich

Krankenhäuser und Ordinationen werden schrittweise wieder hochgefahren

Die Rückkehr zur Normalität in den österreichischen Spitälern und in den Arztpraxen kann beginnen, aber sie wird dauern. Das erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Freitag.

909 Corona-Erkrankte müssen mit Stand Freitag in Spitälern behandelt werden, davon 227 auf Intensivstationen. Damit sind die Kapazitäten, anders als noch vor einigen Wochen befürchtet, nicht am Limit. Um Zustände wie in Italien oder in den USA zu verhindern, waren die Krankenhäuser vorsorglich leergeräumt worden. Operationen in anderen Spitalsbereichen sind verschoben worden. Nun erfolgt eine stufenweise Rückkehr zum Normalbereich im Gesundheitswesen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober wies in der Pressekonferenz am Freitag auf den "stabilen und durchaus erfreulichen" Trend in Österreich hin. Gegenüber dem Vortag gab es ein Plus von 0,8 Prozent, dieser Wert seit einmalig in Europa. 4431 Personen sind aktuell im Land mit Covid-19 infiziert. Auch die Todesfälle (410) bewegen sich auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Es sei auf Basis dieser Zahlen nun die Zeit für ein "gesichertes, kontrolliertes Öffnen". Die Rahmenbedingungen wie Mund-Nasen-Schutz, Abstandskontrollen, etc. seien aber sehr wichtig in der aktuellen Phase 2, die Anschober als die "Allerschwierigste" bezeichnete.

Der Minister lobte die Spitalsbetreiber für ihre Arbeit in den vergangenen Wochen, in denen Operationen verschoben werden und große Bereiche umgestellt werden mussten.

"Das ist keine ,Ho-Ruck-Geschichte'", sagte Anschober zum Hochfahren des Gesundheitsbereichs. Es werde bei der Planung auch regional sehr differenziert vorgegangen. Drei Punkte seien wichtig: Es wird weiter Besuchsbeschränkungen geben, es werden weiterhin ausreichend Reserven für den Corona-Bereich zur Verfügung stehen, und es sollen Probleme und negative Auswirkungen für andere Patienten vermieden werden. Bei Besuchen werde weiter restriktiv vorgegangen, um eine Einschleppung des Virus zu verhindern.

Mund-Nasen-Schutz auch in der Ordination

Auch die Arztpraxen sind in den Prozess zurück zum Normalbetrieb eingebunden, es wird klare Empfehlungen zum Schutz von Personal und Patienten geben. Es wird wie in Geschäften eine Verpflichtung zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz in Ordinationen kommen.

Herwig Ostermann (Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH) präsentierte den Ausblick auf die nächsten Tage. Man gehe von 100 bis 150 Neuerkrankungen pro Tag aus. Ein ungewisser Faktor für die Prognosen seien die Auswirkungen der Osterfeiertage. Die genutzten Kapazitäten in den Spitälern dürften weiterhin ohne Engpässe ausreichen, weil ein Rückgang auf etwa 500 Personen bis Ende April erwartet wird. Ähnlich ist die Prognose bei Intensivpatienten, von ca. 230 soll es einen Rückgang auf 150 bis Ende des Monats geben. Ein Großteil dieser Patienten liege im Schnitt 21 Tage auf den Stationen, ursprünglich waren die Experten von 14 Tagen ausgegangen.

Sehr relevant werde in den nächsten Wochen vor allem die Zahl der Neuerkrankten werden, um die Planungen zuverlässig ausführen zu können.

Michael Binder, Medizinischer Direktor des Wiener Krankenanstaltsverbunds, wies auf die regionalen Unterschiede in Österreich hin. Patienten, die nicht wegen Covid-19-Erkrankungen in die Spitäler kommen, sollten keinesfalls das Virus in die Häuser tragen können. "Akutversorgung ist bestens gewährleistet, die notwendigen, aber verschobenen Eingriffe werden nun nachgeholt werden", sagte Binder. "Der Normalzustand kann aber nicht wie mit einem Schalter umgelegt werden."

Logistische Herausforderungen ergeben sich auch daraus, dass Covid-Intensivpatienten nicht mit anderen Intensivpatienten zusammen auf einer Station liegen können.

Situation bei Schutzkleidung "nicht erfreulich"

Rudolf Anschober wies auf den vergleichsweise guten Reproduktionsfaktor von 0,63 (so viele andere Menschen steckt ein Infizierter durchschnittlich an) hin. Er spiele bei allen Planungen eine wichtige Rolle. Aber auch Werte wie die täglichen Neuerkrankungen oder die Hospitalisierten seien relevant. Zugeben musste der Minister: "Bei der Schutzkleidung haben wir eine Verknappungssituation, die nicht erfreulich ist." Der Weltmarkt sei umkämpft wie seit Jahren kein Segment. Die Qualitätsstandards entsprächen zudem oft nicht den Erwartungen.

Hoffnungen auf derzeit vor allem in den USA propagierte "Wundermedikamente" dämpfte Michael Binder: "Wir benötigen Evidenz, wir brauchen kontrollierte Studien." Die fraglichen Präparate könnten allenfalls die Auswirkungen einer Covid-19-Erkrankung reduzieren, nicht aber die Krankheit heilen.

Quelle: SN

Aufgerufen am 29.10.2020 um 02:00 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/krankenhaeuser-und-ordinationen-werden-schrittweise-wieder-hochgefahren-86350078

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