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Krieg im Netz: So erkennt man Fake News

Zum Ukraine-Krieg kursieren derzeit unzählige Falschmeldungen, die zum Teil sogar gezielt verbreitet werden. So können Fake News enttarnt werden.

Falsche Informationen sind oft schwer zu erkennen. SN/stock.adobe.com
Falsche Informationen sind oft schwer zu erkennen.

Bilder und Videos von zerstörten Häusern, Bombeneinschlägen oder die Gerüchte um einen mysteriösen ukrainischen Piloten, der als Held gefeiert wird: Derzeit sind an jeder Ecke im Netz Meldungen und Informationen zum Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zu finden. Viele davon sind jedoch aus dem Zusammenhang gerissen oder nicht echt. Ein Beispiel dafür ist die gezielte Verbreitung eines manipulativen Videos, in dem die Evakuierung eines Kinderheims zu sehen ist. Laut russischen Medien soll es sich dabei um eine Befreiungsaktion gehandelt haben, um die Kinder vor einer vermeintlichen Gefahr durch ukrainische Soldaten in Sicherheit zu bringen.

Falschinformation enttarnen

Richtig einzuschätzen, was stimmt und was nicht, wird für Onlinenutzer in Zeiten wie diesen zur Herausforderung. Eine allgemeine Methode, Fake News auf Anhieb zu erkennen, gibt es nicht. Herauszufinden, ob Informationen richtig und Bilder echt sind, ist oft schwierig - aber nicht unmöglich.
Besonders Bilder vermitteln ein Gefühl von "Echtheit". Im Internet kursiert schon lange der Ausdruck "Pics or it didn't happen". Das bedeutet: Gibt es keine Bilder, ist es nicht passiert. Im Umkehrschluss ist also alles, was mit einem Bild belegt werden kann, passiert. Doch gerade in der digitalen Welt können Bilder schnell und unkompliziert mehrfach für verschiedene Seiten missbräuchlich oder im falschen Kontext verwendet werden.

Profilbilder können, aber müssen nicht auf die Person verweisen, die sich hinter einem Account verbirgt. Um herauszufinden, wo ein Bild zum ersten Mal im Internet aufgetaucht ist und wo es überall verwendet wird, gibt es die "Reverse Picture Search", also die umgekehrte Bildersuche.
Suchmaschinen, die dafür geeignet sind, gibt es viele. Darunter sind die Google Bildersuche, TinEye, Bing und Yandex. Entweder lädt man das Bild auf der Seite hoch oder kopiert die zugehörige Internetadresse und fügt sie dann in die jeweilige Suchmaschine ein. Bei dem Tool TinEye ist es möglich, die Suchergebnisse nach Datum zu sortieren. So kann sofort herausgefunden werden, wann das Bild zum ersten Mal aufgetaucht ist. Yandex und Bing erkennen Personen und werfen dann dazupassende Vorschläge aus.
Bei der Suche kann sogar der Browser einen Unterschied machen. Es lohnt sich deshalb, die Suche mit verschiedenen Browsern durchzuführen. Firefox und Chrome bieten das Add-On "Search by Image". Damit ist es möglich, ein Bild in mehreren Suchmaschinen gleichzeitig zu suchen. "Search by Image" hat vier voreingestellte Suchmaschinen, die beliebig erweitert werden können. Das Programm InVID bietet die Möglichkeit, auch Videos zu verifizieren.
Ein näherer Blick auf bestimmte Eigenschaften von verbreiteten Informationen kann einen Hinweis darauf geben, wie vertrauenswürdig Inhalte wie auch deren Quellen sind. "Wird stark einseitig berichtet, kann das ein Anzeichen dafür sein, dass hier eine Information verändert wurde. Oft werden dann bewusst Aspekte und Fakten ausgelassen", erklärt Andre Wolf vom Recherche-Netzwerk Mimikama. Helfen könne man sich in so einem Fall, indem man verschiedene Quellen und deren Berichterstattung zum selben Thema vergleiche. "Viele Geschichten werden erzählt und dabei in ein neues Gewand verpackt, bleiben im Kern aber die gleichen. Wenn einem etwas zu bekannt vorkommt, sollte auch da genau hingeschaut werden." Wichtig ist auch, eine Information vorher zu prüfen, bevor man sie weitergibt oder im Netz teilt. Ist die Quelle unbekannt, unvollständig oder nicht zuverlässig, sollte man die Informationen nicht ohne weiteres teilen. Hat eine Website kein Impressum, kann das ein Indiz dafür sein, dass die Seite nicht vertrauenswürdig ist. Recherche-Netzwerke wie etwa Mimikama, Correctiv, Snopes.com und TechPill bieten eigene Faktenchecker-Plattformen und Tipps für Nutzerinnen und Nutzer.

Zwischen Fakt und Fiktion

Fake News gibt es nicht erst seit dem Ukraine-Konflikt. Ob zum Brexit, den US-Wahlen oder dem Terroranschlag vom 11. September: Verschwörungstheorien und Desinformation verbreiten sich schon lange schnell und effektiv im Netz. "Es gibt verschiedene Arten von Falschmeldungen, die in den sozialen Medien unterwegs sind", erklärt Andre Wolf. Da wären zum einen die klassischen Fake News, also Desinformationen, die verbreitet werden. Zudem käme auch immer wieder vor, dass Informationen falsch verstanden würden. In den letzten zwei Jahren hätte es besonders bei den Verschwörungstheorien einen Aufschwung gegeben. Auch Inhalte zur gezielten Manipulation und Propaganda seien aktueller denn je.
Große Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram gehen seit einigen Tagen hart gegen ebendiese vor. Inhalte wie die des russischen Staatssenders RT und der Nachrichtenagentur Sputnik wurden gesperrt und gelöscht. Für Andre Wolf ein Zeichen, wie gut die Möglichkeiten der Plattformen tatsächlich sind, gepostete Inhalte zu kontrollieren. "Vor dem Krieg waren die Versuche der Plattformen, ihre Inhalte zu kontrollieren und gegen falsche Informationen vorzugehen, halbherzig und langsam. Die Kriegssituation hat auf einmal etwas bewirkt, über das jahrelang nur geredet wurde."


Gesicherte Informationen zum Ukraine-Krieg finden Sie unter www.SN.at, im SN-Liveblog und auf unserer Instagram- sowie Facebook-Seite.

Aufgerufen am 22.05.2022 um 10:56 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/krieg-im-netz-so-erkennt-man-fake-news-117795808

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