Österreich

Kriminalität ging während der Corona-Maßnahmen um die Hälfte zurück

Innenminister Karl Nehammer und der amtsführende Direktor des Bundeskriminalamts, Gerhard Lang, präsentierten am Dienstag Zahlen zur Entwicklung der Kriminalität während der Einschränkungen durch Corona.

Gerhard Lang (Bundeskriminalamt) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Gerhard Lang (Bundeskriminalamt) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP).

Insgesamt ging die Kriminalität in der Zeit des Lockdowns seit Mitte März laut Statistik um die Hälfte zurück. "Die Kriminalität hat sich während der Corona-Krise verändert", sagte Nehammer. Eine Verlagerung in den Bereich Internetkriminalität sei feststellbar, dazu werde sehr genau beobachtet, wie sich die häusliche Gewalt entwickelt: "Es ist wichtig, dass Frauen nachhaltig geholfen wird, wenn sie Opfer häuslicher Gewalt wurden."

Gerhard Lang rechnete vor, dass seit Mitte März die Zahl der Anzeigen insgesamt um 46,4 Prozent zurückgegangen sei. Bei Delikten gegen Leib und Leben habe der Rückgang mehr als ein Drittel betragen. Ein besonderes Augenmerk sei aber auf die Entwicklung bei Gewalt in der Familie gelegt worden. "Wir kennen solche Situationen von früher aus der Urlaubs- und Weihnachtszeit, wenn im familiären Bereich Probleme aufkochen", sagte Lang. Rund 30 bis 40 Betretungsverbote pro Tag werden im Durchschnitt verhängt, zum Ende der Beschränkungen hin beobachteten die Kriminalexperten in diesem Bereich einen leichten Anstieg.

Die Vermögensdelikte gingen um die Hälfte zurück. Geschlossene Grenzen und das fast komplett heruntergefahrene gesellschaftliche Leben hätten Wirkung gezeigt. Aber schon kurz nach den Lockerungen gingen die Zahlen bei Kriminalitätsformen wie Taschendiebstahl schon wieder nach oben, vorerst im moderaten Bereich. Gerhard Lang merkte an: "Es gab Tage ohne eine einzige Anzeige von Einbrüchen oder Wohnungsdiebstählen." Seit Beginn der elektronischen Aufzeichnung sei das noch nie passiert. Jedoch passten sich die Kriminellen rasch an und verlagerten ihre Aktivitäten ins Netz. "Fake-Shops" für Schutzmasken oder Suchtgifthandel im Darknet statt auf der Straße stellen die Ermittler vor neue Herausforderungen.

Bei der Bekämpfung des Covid-19-Virus wies der Innenminister auf die Einhaltung von Quarantänebestimmungen und die Unterstützung der Polizei hin. Innen- und Gesundheitsministerium arbeiteten eng zusammen. Einen weiteren Seitenhieb auf die Stadt Wien gab es in diesem Zusammenhang von Nehammer: Die Bundeshauptstadt nehme im Gegensatz zu den anderen Bundesländern das Angebot des Innenministeriums nicht an. Dass der Reproduktionsfaktor nun wieder über 1 liege, sei "eine sehr ernste Entwicklung".

Den Vorwurf, er betreibe mit Vorwürfen gegen Wien, wo zuletzt die Infektionen zunahmen, "Wahlkampfgeplänkel" wies Nehammer von sich: "Mein Bedarf an Wahlkämpfen ist gestillt." Nachsatz des Ministers: 60 Prozent der Neuinfektionen seien zuletzt in Wien passiert.

Die Pressekonferenz zum Nachschauen:

Quelle: SN

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