Österreich

Kriminalstatistik 2018: Fast jede Minute eine Straftat in Österreich

Dennoch gibt es in manchen Bereichen dramatische Entwicklungen: Im Vorjahr wurden 41 Frauen ermordet, die Anzeigen wegen Vergewaltigung stiegen um 14,6 Prozent.

Er wolle Österreich zu einem der sichersten Länder der Welt machen, betonte am Donnerstag Innenminister Herbert Kickl (FPÖ). Als Schritt in diese Richtung bezeichnete er die Kriminalstatistik 2018, die er gemeinsam mit dem Chef des Bundeskriminalamtes, General Franz Lang, präsentierte.

Kurz zusammengefasst: Die Gesamtkriminalität ist rückläufig (minus 7,4 Prozent), die Aufklärungsquote gestiegen (plus 2,4 Prozent). Die Kriminalstatistik sei für das Innenressort so etwas wie ein Schulzeugnis, sagte Kickl, "auf das ich sehr stolz bin". Allerdings gibt es Bereiche, in denen teils dramatische Entwicklungen zu verzeichnen waren.

Video: Kriminalstatistik 2018

Erstmals seit 20 Jahren gab es 2018 weniger als 500.000 Anzeigen (472.981). Das sind zwar immer noch knapp 1300 angezeigte Delikte pro Tag. Oder: Fast jede Minute eine Straftat.

Doch mittlerweile kann die Polizei jedes zweite angezeigte Delikt klären. 288.414 Tatverdächtige wurden ausgeforscht (plus 6,6 Prozent), 230.000 davon waren männlich (80 Prozent der Verdächtigen).

Deutliche Rückgänge wurden im Vorjahr bei Raubüberfällen, Einbrüchen und Diebstählen dokumentiert. "Die drei haben einen hohen Einfluss auf das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung", betonte Kickl.

In punkto Gewalt ist in der Kriminalitätsstatistik 2018 vieles neu. Denn in die insgesamt 69.426 angezeigten Delikte wurden erstmals Fälle von psychischer Gewalt oder aber auch Gewalt im Internet, Erpressung, gefährliche Drohung und Freiheitsentziehung eingerechnet. Im Vergleich zur alten Berechnung bedeutet das einen "Anstieg" um rund 30.000 Anzeigen.

Franz Lang (Direktor des Bundeskriminalamtes) am Donnerstag, 2. Mai 2019, anl. der BMI-Präsentation der "Polizeilichen Kriminalstatistik 2018" im Innenministerium in Wien. SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Franz Lang (Direktor des Bundeskriminalamtes) am Donnerstag, 2. Mai 2019, anl. der BMI-Präsentation der "Polizeilichen Kriminalstatistik 2018" im Innenministerium in Wien.

Real ist die Gewalt im Jahr 2018 um 4,3 Prozent gesunken. Von den 72.567 Tatverdächtigen waren mehr als 85 Prozent männlich. Insgesamt wurden 81.770 Menschen Opfer von Gewalt - davon 46.934 Männer (plus 0,7 Prozent), 34.836 Frauen (minus 1,4 Prozent) und 5,6 Prozent Kinder unter 14 Jahren.

Dass im Vorjahr mit 936 angezeigten Vergewaltigungen ein Anstieg von 14,6 Prozent verzeichnet wurde, führt BK-Chef Lang auch darauf zurück, dass etwa Frauen aus Afghanistan und der Türkei nach Gewaltdelikten vermehrt zur Polizei gegangen sind. "Das ist ganz neu." Die Aufklärungsquote bei Vergewaltigungsfällen lag 2018 bei 81,3 Prozent (plus 1,4 Prozentpunkte).

Polizei klärte fast jeden Mord auf

Zu 95 Prozent geklärt wurden im Vorjahr Morde. "Doch das kann kein Trost sein, denn vor allem die Zahl getöteter Frauen ist dramatisch gestiegen", merkte der Innenminister an. 130 Mordversuche und 60 Morde wurden angezeigt. 73 Personen wurden dabei getötet - davon 41 Frauen. Das Innenministerium hat deshalb eine Screening-Gruppe ins Leben gerufen. Diese soll durch das Aufrollen früherer und aktueller Mordfälle Muster herausarbeiten, Gefährdungsszenarien ermitteln und Präventionsmaßnahmen ableiten.

Während Delikte in der "realen Welt" stetig abnehmen, ist der Anstieg der virtuellen enorm. Kriminalität im Internet gehört mittlerweile zu den drei Grundsäulen der statistischen Erfassung. Die Zahlen sprechen für sich: Waren es 2012 noch 8866 angezeigte Fälle von Cybercrime, so waren es im Vorjahr bereits 19627. Selbst im Vergleich zu 2017 bedeutete der Wert immer noch einen Zuwachs von 16,8 Prozent. Die Aufklärungsquote lag 2018 bei 37,4 Prozent und fiel um 1,1 Prozent.

Von vorgetäuschten Lieferungen bis zu Gewinnversprechen - Betrug im Internet boomt. Allein im Vorjahr wurden in Österreich 13.328 bekannt, um 13,3 Prozent mehr als 2017. Die Aufklärungsquote sank um 1,9 Prozent. BK-Chef Lang appellierte diesbezüglich auch an die Medien: "Wir müssen die Cyber-Naivität der heimischen Nutzer weiter verringern."

Angezeigte Fälle gesamt 2009-2018 SN/APA
Angezeigte Fälle gesamt 2009-2018

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