Österreich

Kritik von Frauenhäuserverein an "mildem" Lopatka-Urteil

Nach der bedingten Haft- und einer Geldstrafe - das Urteil ist noch nicht rechtskräftig - hat der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) am Freitag das "überraschend milde Urteil" empört kritisiert. Gewalt an Frauen und Kindern werde verharmlost. Die Familie hätte ein "jahrzehntelanges Martyrium" hinter sich. Seitens der Staatsanwaltschaft gab es bisher keine Erklärung zum Urteil.

Urteil gegen Arzt stößt auf Kritik SN/APA/ERWIN SCHERIAU
Urteil gegen Arzt stößt auf Kritik

"Seit der Familienrechtsreform 1978 ist die Züchtigung von Frauen und Kindern verboten. Ebenso sind Nötigung und Gefährliche Drohung laut Gesetz strafbare Handlungen. Aber nach wie vor wird Gewalt an Frauen und Kindern durch die Justiz ignoriert oder verharmlost", lautet der Vorwurf des Vereins. Das Urteil gegen Eduard Lopatka unterstreiche das. "Schon in den vorhergehenden Verhandlungen hielt die Opferanwältin fest, dass dieser Vater - ein Arzt - das Leben und die Entwicklung seiner Kinder sowie seiner Frau eindeutig massiv beeinträchtigt hat." "Durch all das, was er uns angetan hat, haben wir längst lebenslänglich bekommen", sagte eine der betroffenen Töchter.

Außerdem scheine es, "dass privilegierte bzw. prominente Täter mit einem entsprechenden finanziellen Background und (politischen) Beziehungen es sich richten können", meinte der Verein weiter. "Hier gibt es offenbar eine Zwei-Klassen-Justiz", so eine Tochter.

1997 trat das Gewaltschutzgesetz in Kraft und im Jahr 2013 hat Österreich die Istanbul-Konvention, das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, unterzeichnet. Damit hat sich der Staat dazu verpflichtet, alles zu tun, um körperliche, psychische und sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder zu verhindern und zu bekämpfen, unterstrich der AÖF. "Wir fordern, dass es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt und dass all diese Maßnahmen auch tatsächlich umgesetzt werden." Der Verein will weiters, dass die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil in Berufung geht und das Verfahren dann außerhalb von Graz geführt wird.

Die Staatsanwaltschaft hat indessen am Freitag noch nicht entschieden, ob sie ein Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt. Bis Montag ist Zeit dafür. Auch Lopatka selbst hat bis Montag Zeit, um das Urteil anzunehmen oder es anzufechten. Seitens der Anwältin der Kinder, Andrea Peter, hieß es, dass noch nicht entschieden sei, ob die Kinder über den Zivilrechtsweg noch Schadenersatz einklagen. Offen sei auch noch, ob gegen die Höhe des zugesprochenen Schmerzengeldes - je 1.000 Euro - vorgegangen wird, so Peter auf APA-Nachfrage.

Beim Straflandesgericht traf bis Freitagmittag noch keine Erklärung des Arztes oder seines Anwalts ein, sagte Gerichtspräsidentin Caroline List. Die Frist endet in der Nacht von Montag auf Dienstag um Mitternacht.

Die Kinder haben sich selbst am Freitag zu Wort gemeldet. Die Teil-Verurteilung sei zwar eine "späte erste Genugtuung", aber vieles sei nicht angeklagt oder untersucht worden. "Das Strafausmaß selber hätte aber nicht mehr geringer sein können und ist eigentlich ein Hohn für uns", so eine Tochter. Vier Euro Tagsatz, bei einem gerichtlich angenommen Immobilienvermögen von rund vier Millionen Euro sei "abenteuerlich". Das Urteil erscheine ihnen "ein extra-mildes Urteil für einen prominenten Täter" zu sein.

Quelle: APA

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