Österreich

Lawinensituation entspannt sich zunehmend

Zwar ist die Lawinengefahr in Österreich von vielerorts Stufe 4 (groß) auf Stufe 3 (erheblich) zurückgegangen. Doch das bedeutete keinesfalls Entwarnung. Die Lage hat sich zwar entspannt, dennoch sind jederzeit spontane Abgänge möglich, wie die Lawinenwarndienste des Landes am Mittwoch berichteten.

Eine gewisse Gefahr besteht weiterhin SN/APA/ZEITUNGFOTO.AT
Eine gewisse Gefahr besteht weiterhin

Nachdem in Tirol am Montag oberhalb von 1.800 Meter im Westen des Bundeslandes die Warnstufe auf die höchste (Stufe 5) angestiegen war, hat sich die Situation am Mittwoch weiter entspannt. Die Experten des Landes stuften die Gefahr nun als "erheblich", also mit Stufe 3 der fünfteiligen Skala, ein. Unterhalb von 2.000 Metern herrschte verbreitet nur mehr "mäßige" Gefahr.

Nach dem Schneechaos in Tirol konnten die meisten Straßen wieder geöffnet werden, nur mehr kleinere Straßenverbindungen waren gesperrt. Die Arlbergbahnstrecke sollte gegen 14.00 Uhr wieder frei gegeben werden, ab 14.30 Uhr sollten dann die ersten Züge wieder planmäßig verkehren, sagte ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair zur APA.

Umfangreiche Lawinenerkundungsflüge in fünf Tiroler Bezirken waren am Mittwoch noch geplant, teilte das Land mit. "Dabei sind diesmal besonders die Schutzbauten wie Lawinendämme und Anrissverbauungen im Blickpunkt. Hier will die Wildbach- und Lawinenverbauung in den Bezirken Innsbruck-Land, Imst und Landeck den Zustand der Schutzbauten und ihre Kapazitäten im Hinblick auf den noch andauernden Winter erfassen", erklärte Marcel Innerkofler, Leiter der Landeswarnzentrale der Abteilung Zivil- und Katastrophenschutz.

Auch in Vorarlberg ist die Lawinengefahr am Mittwoch weiter zurückgegangen und auf Stufe 3 ("erheblich") herabgesetzt worden. Speziell die Gefahr von spontanen Abgängen trockener Lawinen nahm deutlich ab. Seit Dienstagabend waren wieder alle zuvor von der Außenwelt abgeschnittenen Orte auf dem Straßenweg erreichbar.

Am Dienstag seien noch einige Spontanlawinen beobachtet worden. Zahlreiche Lawinensprengungen bewirkten viele kleine bis mittlere, aber auch einige große Schneebrettauslösungen. "Dies bestätigt die Störanfälligkeit der Schneedecke", machte Andreas Pecl vom Vorarlberger Lawinenwarndienst auf die weitere Gefahrenlage im Gebirge aufmerksam. Gerade im Hochgebirge riet er Wintersportlern bei ihren Aktivitäten im freien Gelände weiterhin zu Vorsicht und Zurückhaltung.

In Kärnten wurde die Lawinengefahr am Mittwoch nur mehr im westlichen Landesteil oberhalb von 2.000 Metern Seehöhe als erheblich (Warnstufe 3) eingeschätzt. Laut Informationen des Lawinenwarndienstes seien Triebschneeablagerungen zu meiden. In tieferen Lagen werde mit der Erwärmung vor allem an südseitigen Hängen die Belastung der Schneedecke erhöht - dadurch können sich auch spontane Lawinen lösen. Trotzdem sei die Lage aber nicht ohne Gefahr: "Unternehmungen im Gelände erfordern lawinenkundliches Wissen und Erfahrung in der Tourenwahl."

Im Bundesland Salzburg ist inzwischen die Gefahr ebenfalls von Stufe 4 auf Stufe 3 gesunken. Dennoch sollten Unternehmungen ins freie Gelände nur mit ausreichend Erfahrung unternommen werden, warnte Michael Butschek von der Salzburger Lawinenwarnzentrale am Mittwoch. Und tatsächlich ereignete sich zu Mittag in Werfenweng ein Lawinenabgang, bei dem ein Wintersportler verschüttet wurde. Helfer der Bergrettung konnten ihn rasch bergen, laut Rotem Kreuz überstand er den Unfall leicht verletzt. "Gerade in sehr steilen Hängen mit eingeschneiter Reifschicht kann bereits das Gewicht einer Person ausreichen, um zumeist kleinere Schneebretter auszulösen", so Butschek.

Auch auf etlichen Straßen Salzburgs gab es aufgrund der Lawinengefahr immer noch Sperren. Betroffen waren der Pass Lueg (B159), der Dientnersattel und der Filzensattel (beide B164) und die Gerlos Straße über den Gerlospass (B165). Die Sperre der B99 zwischen Obertauern und Mauterndorf wurde Mittwochfrüh für drei Stunden bis 10.00 Uhr geöffnet, danach aber wieder gesperrt. Voraussichtlich ab 15.00 Uhr sollte sie wieder freigegeben werden, so der ÖAMTC.

Leichte Entspannung gab es auch in Oberösterreich. In allen Höhenlagen gilt Warnstufe 3. Die Schneedecke habe sich "mit den warmen Temperaturen deutlich gesetzt", hieß es beim Lawinenwarndienst des Landes. In höheren Lagen bestehe vor allem erhebliche Schneebrettgefahr. Wegen der prognostizierten milden und trockenen Witterung werde sie aber weiter zurückgehen.

Seit Mittwoch sind laut ÖAMTC in Oberösterreich auch wieder der Pyhrn- und der Hengstpass für den Verkehr freigegeben. Somit gab am Mittag im ganzen Bundesland keine Straßensperren mehr.

Die Lawinensituation war auch in Niederösterreich am Mittwoch entspannter. In den Ybbstaler und Türnitzer Alpen sowie im Rax-Schneeberggebiet herrschte Stufe 3 der fünfteiligen Skala. In den übrigen Regionen wurde das Risiko als mäßig eingestuft. Die spontane Lawinenaktivität nehme zu, teilte der Warndienst Niederösterreich mit. In mittleren und tieferen Lagen steige mit zunehmender Durchfeuchtung das Risiko von Nass- und Gleitschneelawinen.

Im Tourenbereich galt oberhalb der Waldgrenze der störanfällige Triebschnee - speziell an schattigen Stellen - als Hauptproblem. "Ein Schneebrett kann bereits durch geringe Zusatzbelastung ausgelöst werden", hieß es. Erfahrung und defensives Verhalten sei bei Unternehmungen im freien Gelände notwendig. Für Donnerstag wurde überwiegend freundliches und sehr mildes Bergwetter prognostiziert. "Speziell in höhergelegenen Schattseiten bleibt die Lawinengefahr im Tourenbereich bestehen und darf nicht unterschätzt werden", wurde gewarnt.

Quelle: APA

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