Österreich

Leben als Lockvogel: Eine Frau überführt untreue Partner

Therese Kersten betreibt eine Agentur, die herausfindet, ob Menschen fremdgehen. Mit den SN sprach sie über das Leben als "Lockvogel".

Therese Kersten gründete die Agentur „Die Treuetester“. SN/lukas beck
Therese Kersten gründete die Agentur „Die Treuetester“.

Zwischen 34 und 239 Euro muss man bezahlen, um mit Therese Kersten ins Geschäft zu kommen. Dafür gibt es Gewissheit - jene, ob der eigene Partner fremdgeht. Die 27-Jährige betreibt seit acht Jahren die Agentur "Die Treuetester". Der Name ist Programm: Insgesamt 350 Tester finden - je nach gebuchtem Paket - per WhatsApp, SMS, im Chat, per Mail, am Telefon oder bei einem persönlichen Treffen heraus, ob die Testperson wirklich treu ist.

"Unsere Kunden sind sowohl Männer als Frauen. Wobei der Frauenanteil überwiegt", erklärt Kersten. Auf die Idee der Treuetests kam die gebürtige Deutsche nach einer eigenen leidvollen Erfahrung vor einigen Jahren: "Ich hatte eine Affäre mit einem Mann, der angeblich seine Freundin für mich verlassen hatte. Was aber nicht der Fall war. Er führte ein Doppelleben", erinnert sich Kersten. Erst als sie sich selbst "auf die Pirsch legte", die Nachrichten in seinem Handy nachlas oder die Zieleingaben in seinem Navi nachverfolgte, flog sein falsches Spiel auf.

"Diese Zeit brachte für mich eine enorme psychische Belastung mit sich. Ich hätte mir von außerhalb Hilfe gewünscht, weil ich wusste, dass genug andere auch mit dem Problem der Untreue zu kämpfen haben", erinnert sich Kersten. So gründete sie ihre Agentur. Anfangs mit überschaubarem Erfolg, doch seit 2013 boomt das Geschäft.

Rund 30 Aufträge im Monat bearbeiten Kersten und ihr Team. Als Treuetester kann übrigens jeder anheuern, der laut der Chefin "zuverlässig und flirtwillig ist. Wir suchen nicht nur Models. Immerhin sind Geschmäcker verschieden." Ein Ausbau der Agentur, die aktuell vor allem in Österreich und Deutschland aktiv ist, sei für den schweizerischen bzw. französischen Markt bereits in Planung.

Die Topseller im Business mit der Treue: "Besonders die SMS und WhatsApp-Tests sind hoch im Kurs", erzählt sie. Bis zu zehn Nachrichten werden dabei an die Testperson geschickt. Die Ergebnisse der Konversationen, falls es zu diesen kommt, werden dann als Screenshot an den Auftraggeber übermittelt. Kostenpunkt: 34 Euro. Für ein persönliches Treffen, eingefädelt beim Sport oder auf dem Weg in die Arbeit, müssen 89 Euro pro Stunde berappt werden. Wie hoch die Trefferquote ist, darauf hat Kersten eine eigene Antwort. "Es geht immer darum, was das Ziel des Auftraggebers ist. Ist es für ihn schon Betrug, wenn die Testperson auf eine SMS antwortet? Oder erst, wenn Nacktfotos geschickt werden? Das ist individuell." Die Tester klärten die Testpersonen übrigens am Ende nie auf, dass sie auf der Probe stand.

Apropos Nacktfotos: Nach acht Jahren beobachtet Kersten bei ihren Auftraggebern, die zwischen 25 und 55 Jahre alt sind, dass besonders die älteren Herrschaften gern nackte Tatsachen sprechen lassen. Was Männer und Frauen beim Seitensprung unterscheide, sei laut der 27-Jährigen Folgendes: "Frauen gehen fremd, allerdings brauchen sie länger, um Vertrauen aufzubauen und den finalen Schritt zu setzen." Ihre Erfahrungen hat Kersten nun in einem Buch zusammengefasst. "Lockvogel. Mein Leben als Treuetesterin" heißt es (erschienen im Verlag Edition a). "Ich will durch das Buch Vorurteile abbauen, die gegenüber Treuetestern existieren. Das ist keine verruchte Branche und wir gehen mit unseren Kunden auch nicht ins Bett. Mir ist es wichtig, aufzuzeigen, dass man nicht allein mit seiner Ungewissheit sein muss."

An die Liebe und Treue glaubt Kersten übrigens noch. Auch durch ihre eigene Geschichte, die ein Happy End fand. Heute lebt die 27-Jährige mit ihrem Verlobten in Paris. Ob sie jemals Zweifel an seiner Treue hatte? "Nein, ich vertraue ihm."


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