Österreich

Letzte Sonderflüge für Urlauber zurück in die Heimat

30.000 Österreicher sind immer noch auf einer Auslandsreise unterwegs. Für sie wird die Rückkehr zu einem Wettlauf mit der Zeit.

Die Rückholungen führt das Außenamt durchwegs mit Austrian Airlines durch.  SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Die Rückholungen führt das Außenamt durchwegs mit Austrian Airlines durch.

Es sollte eine Reise wie in Tausendundeiner Nacht werden. Marokko − Königsstädte, Souks und Kamelritt in die Wüste. Das Abenteuer startete vor neun Tagen. Und wurde zu einem Albtraum, zu einem Wettlauf mit der Zeit. Noch vergangenen Freitag begab sich eine kleine Urlaubergruppe in die Wüste. Und merkte mangels Handyempfang und Kommunikationsmitteln gar nicht, wie sich binnen weniger Tage die Lage dramatisch veränderte. Wegen der Infektionsgefahr hat seit Sonntag Marokko seine Grenzen dichtgemacht, die Fähren nach Spanien fahren nicht mehr und der Flugverkehr ist eingestellt. Die Urlauber eines kleinen Reisebüros mit Sitzen in Wien und Deutschland sind in ihrer Verzweiflung nicht allein. Zwischen 300 und 400 Reisende sollen derzeit allein noch im nordafrikanischen Marokko festsitzen.

Außenministerium verspricht Hilfe

"Wir sind im engen Kontakt mit Fluglinien und Reiseveranstaltern und bereiten Rückholaktionen vor", sagt Peter Guschelbauer, Sprecher des Außenministeriums. "Das Ziel ist, den österreichischen Touristen im Ausland schnell und unbürokratisch zu helfen", hieß es aus dem Büro von Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP). Weltweit sind Guschelbauer zufolge derzeit noch rund 30.000 registrierte Österreicher auf Auslandsreise, er geht aber davon aus, dass Zehntausende unterwegs sind, von denen das Außenministerium gar nichts weiß, weil sie sich bei ihrer Ausreise nicht registrieren ließen. Zu den bevorzugten Destinationen in den Wintermonaten gehörten Spanien und dessen Inseln. "Viele ältere Menschen weichen den kalten Wintermonaten aus. Österreichische Urlauber sind in vielen Ländern weltweit unterwegs", erklärt Gesandter Guschelbauer.

Montag am frühen Nachmittag wurde bekannt, dass beispielsweise die AUA für Montagabend um 19.50 Uhr vom Flughafen Marrakesch Menara einen Repatriierungsflug plane. Die Kosten des Fluges belaufen sich auf rund 200 Euro und müssten von den Passagieren refundiert werden.

Eine Prognose, ob und wie viele Urlauber die Sonderflüge in Anspruch nehmen, wagt der Sprecher der Außenamts nicht. Für jene, die ihre Reise nicht abbrechen wollen, droht ein längerer Aufenthalt in einer fremden Kultur. Abgesehen von den hygienischen Verhältnissen in einem afrikanischen Spital, sollte es zu einer ernsthaften Erkrankung kommen.

Sammelpunkte für rückreisewillige Urlauber

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte noch Sonntagabend an alle Reisenden im Ausland appelliert, sie mögen sich "dringendst auf den Weg" heim machen oder das Außenministerium kontaktieren, um heimgeholt zu werden. Denn: "Der Flugverkehr von und nach Österreich wird fast zum Erliegen kommen."
Die Rückholungen führt das Außenamt durchwegs mit Austrian Airlines durch. Es wird im jeweiligen Land Sammelpunkte geben, wo sich die Urlauber einzufinden haben. Zurück in der Heimat angelangt, werden sie angewiesen, sich 14 Tage in Heimquarantäne zu begeben.

Aufgerufen am 08.12.2021 um 06:42 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/letzte-sonderfluege-fuer-urlauber-zurueck-in-die-heimat-84936325

Kommentare

Schlagzeilen