Österreich

Großer Andrang bei der SN-Corona-Sprechstunde

Erstmals sind in Österreich Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Viele sind verunsichert. Seriöse und offene Information zu brennenden Fragen ist daher das Gebot der Stunde.

Dutzende Menschen meldeten sich telefonisch und über das Internet bei den "Salzburger Nachrichten", die am Freitagvormittag eine Corona-Sprechstunde veranstalteten. Die Landessanitätsdirektorin von Salzburg, Petra Juhasz, stand den Leserinnen und Lesern Rede und Antwort. Wir haben die Fragen in Gruppen zusammengefasst:

Woher kommt das Coronavirus?
Coronaviren sind eine große Gruppe, die sehr lange bekannt ist. Sie reichen von Erregern banaler Erkältungen bis hin zu schwerwiegenden Erkrankungen wie SARS. Jetzt ist es passiert, dass ein Coronavirus, das in China bei Tieren zirkuliert ist, auf den Menschen übergesprungen ist.

Wie macht sich die Krankheit bemerkbar?
Am Anfang hat es so ausgesehen, als ob das bei allen schwerwiegende Atemwegserkrankungen und schwere Lungenentzündungen sind. Mittlerweile haben wir gelernt, dass die Erkrankung überwiegend wesentlich milder verläuft. Von den Symptomen kann man es nicht entscheiden, ob ein grippaler Infekt, eine Grippe oder eventuell doch eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus vorliegt. Letzte Sicherheit gibt nur der Test.

Wie gefährlich ist das Coronavirus tatsächlich?
Wir müssen uns darauf verlassen, was wir von den chinesischen Fällen mitbekommen haben. Die zeigen, dass in über 80 Prozent der Fälle die Krankheit harmlos verläuft. Es gibt aber Personen, die gefährdeter sind. Das hängt mit dem Alter und dem Immunsystem zusammen. Dann ist, wie bei jeder anderen viralen Erkrankung, die Gefährdung etwas größer. Das hat sich auch bei den chinesischen Fällen gezeigt.

Wer zählt zu den Risikogruppen? Sind zum Beispiel Asthmatiker stärker gefährdet?
Wenn man eine Vorerkrankung im Lungenbereich und in den Atemwegen hat, besteht das Risiko, dass die Erkrankung vielleicht nicht so mild verläuft. Da sollte man umso mehr auf die normalen Hygienerichtlinien achten und vielleicht auch bewusster Menschenansammlungen meiden.

Ist man immun, wenn man einmal die Erkrankung durchgemacht hat?
Das ist nicht gesichert. Man geht aber davon aus, dass eine Zeit lang eine Immunität besteht. Aber ob die lebenslang ist, das kann man noch nicht sagen.

Warum sind die Behörden jetzt so streng, bei der Schweinegrippe war es nicht so.
Da das Virus neu beim Menschen aufgetreten ist und wir noch nicht alles darüber wissen, muss man besonders sorgsam sein. Darum war der erste wichtige Schritt, dass vom Ministerium die Meldepflicht erlassen wurde. Wichtig ist, dass auch schon der Verdacht meldepflichtig ist, dadurch kann man frühzeitig Maßnahmen setzen. Verdachtsfälle und Erkrankungsfälle zu isolieren hat aus unserer Sicht mehr Sinn, als ganze Städte abzuriegeln oder Großveranstaltungen abzusagen.

Wird sich die Lage verbessern, wenn es wärmer wird?
Das kann man aus heutiger Sicht nicht sagen. Es werden in Österreich sicher noch Erkrankungsfälle auftreten und wir werden vonseiten der Behörden alles tun, damit wir die Weiterverbreitung dieser Krankheit möglichst eindämmen.

In Wien gab es den Fall, dass ein Mann schon länger im Krankenhaus gelegen ist, bevor Corona diagnostiziert wurde. Ist das für Salzburg auch denkbar?
Generell kann man das nicht ausschließen. In Salzburg werden auch Personen mit unklaren fieberhaften Infekten getestet, damit so etwas nicht passiert.

Wie ist das Krisenmanagement in Salzburg organisiert. Was tun die Behörden vor Ort?
Wir sind von Anfang an in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium. Die Länder untereinander sind in engem Kontakt. Wir sind vonseiten der Landessanitätsdirektion mit unseren Gesundheitsbehörden auf der Bezirksverwaltungsebene in ständigem Kontakt. Es ist wichtig, dass diese Erkrankung ins Epidemiegesetz aufgenommen wurde und unter die Meldepflicht fällt. Das Wichtigste ist, dass bei einem Verdachts- oder Erkrankungsfall die Behörden tätig werden, indem sie Kontaktpersonen erheben. Man weiß den ungefähren Zeitraum, wann Ansteckungsgefahr besteht, die betreffende Person wird dann gefragt, mit wem sie Kontakt hatte, die Kontaktpersonen werden dann eingeteilt, ob sie ein hohes Risiko hatten oder ein niedriges, und je nachdem gibt es ganz klare Vorgangsweisen.

Hätte die Ausbreitung von Corona verhindert werden können, wenn man Grenzen geschlossen hätte?
Italien hat rasch reagiert und auch Flüge aus China eingestellt und jetzt sind in Italien sehr viele Fälle. Bei uns ist die Meinung, dass diese Maßnahmen nicht so sinnvoll sind. Wichtiger ist, dass man die einzelnen Personen, die Verdachts- oder Erkrankungsfälle sind, lang genug isoliert, damit diese Menschen keine weiteren anstecken.

Wie ist der Stand der Dinge bei der Forschung nach Medikamenten?
Eine zeitliche Perspektive abzugeben ist aus meiner Sicht derzeit nicht möglich.

Der Arbeitsplatz ist auch ein Ort einer möglichen Ansteckung. Es gibt auch Firmen, in denen viele Menschen aus dem Ausland in das Unternehmen kommen. Wie können sich diese Unternehmen informieren?
Für die Unternehmer gibt es Unterstützung durch die Wirtschaftskammer. Wir haben aus medizinischer Sicht auf unserer Homepage allgemeine Verhaltensregeln. Und auch der Bund arbeitet an einer Beantwortung der Fragestellungen, damit es in ganz Österreich gleich abläuft. Das ist sicher gut, wenn man eine einheitliche Vorgehensweise festlegt.

Hinweis: Die Arbeiterkammer beantwortet telefonisch Fragen rund um das Coronavirus. Für arbeitsrechtliche Fragen sind Experten unter der Telefonnummer 01 50165-1343 erreichbar. Die Wirtschaftskammer hat unter 0590900-4352 eine Ansprechstelle für Betriebe eingerichtet.

Soll man geplante Reisen stornieren?
Prinzipiell muss man sich an die Reisewarnungen des Außenministeriums halten, das hat auch oft rechtliche Konsequenzen. Wir empfehlen aus fachlicher Sicht nicht, dass man in ein Risikogebiet reist, wenn das irgendwie möglich ist.

Hinweis: Für konsumentenschutzrechtliche Fragen rund ums Reisen ist die Hotline unter 01 50165-1209 erreichbar.

Eine Dame schreibt, sie war in Südtirol auf Kurzurlaub und hat keine Symptome, misst täglich die Temperatur und begibt sich sehr wenig unter Menschen. Ist es okay, wenn sie sich nicht testen lässt?
Das ist die perfekte Vorgehensweise. Personen, die aus einem Risikogebiet kommen und innerhalb der letzten 14 Tage dort waren, aber gesund sind und keine Symptome haben, brauchen sich nicht testen zu lassen, sollen aber freiwillig darauf verzichten, dass sie Großveranstaltungen besuchen oder in überfüllten Bussen fahren. Sie sollen ihren Gesundheitszustand gut beobachten. Wenn Symptome auftreten, ist es wichtig, dass telefonisch ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird beziehungsweise das Gesundheitssystem kontaktiert wird. Wir wollen unter allen Umständen verhindern, dass jemand mit seinen Symptomen in eine Ordination geht oder mit dem Bus ins Krankenhaus fährt.

Ist die Grippeimpfung gegen Corona wirksam?
Überhaupt nicht, nachdem das ein ganz anderes Virus ist.

Gibt es eine Möglichkeit, wie man das eigene Immunsystem stärken kann?
Allgemeine Maßnahmen wie eine gesunde Lebensweise und viele Vitamine sind sicher sinnvoll, können aber eine Ansteckung nicht verhindern. Man kann aber hoffen, dass dann die Widerstandskraft etwas stärker ist und dass man vielleicht einen etwas milderen Verlauf hat. Ein allgemeingültiges Rezept gibt es aber nicht.

Kann man eine Mundschutzmaske mehrfach verwenden und wie entsorgt man sie?
Es gibt für die Normalbevölkerung überhaupt keinen Grund, sich mit Masken auszurüsten und eine Maske aufzusetzen, wenn man auf die Straße geht. Ein normaler Schutz für Mund und Nase hält gewisse Tröpfchen ab, ist aber nicht verlässlich. Wichtig ist, dass die Gesundheitsberufe, die mit Verdachts- oder Erkrankungsfällen zu tun haben, ordentlich geschützt sind, damit von ihnen keine Weiterverbreitung ausgeht.

Die detailliertere Beantwortung der Fragen zur persönlichen Medikation oder zu bestimmten Reisezielen ist leider nicht möglich. Die Coronavirus-Hotline der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erreichen Sie unter der Telefonnummer 0800 555 621. Im Krankheitsfall wenden Sie sich bitte an die Gesundheitsberatung unter der Telefonnummer 1450.

Quelle: SN

Aufgerufen am 30.03.2020 um 12:11 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/live-grosser-andrang-bei-der-sn-corona-sprechstunde-84024862

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