Österreich

Lockdown ließ häusliche Gewalt nicht explodieren - Anstieg der Wegweisungen um 20 Prozent

Die Zahl der Gewaltakte in den eigenen vier Wänden ist im Coronalockdown gestiegen. Die Polizei sprach im April 1081 Wegweisungen aus, im Juni waren es 1055. Zum Vergleich: Im Februar waren es 886. Ein Anstieg von mehr als 20 Prozent. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) sprechen von "einem leichten Anstieg" bzw. "keinem signifikanten Anstieg".

Symbolbild. SN/robert ratzer
Symbolbild.

Die Coronakrise hat in Österreich zu einem Anstieg bei häuslicher Gewalt geführt. Das gaben Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Wien bekannt. Die verhängten Annäherungs- und Betretungsverbote haben sich demnach von österreichweit 886 im Februar auf 1081 im Lockdown-Monat April erhöht. Im Juli waren es 1085, im August 1055, im September bisher 507.

Die Sorge, dass die Folgen der Coronapandemie Gewalt gegenüber Frauen und Kindern im häuslichen Bereich begünstigen könnten, habe sich nicht erfüllt, zeigte sich Raab erleichtert. Sie bewertete die Zahlen als "leichten Anstieg", wobei "jeder Gewaltakt einer zu viel ist und in unserer Gesellschaft keinen Platz hat". Insgesamt sei man hinsichtlich häuslicher Gewalt aber "gut durch die Krise gekommen", konstatierte die Frauenministerin. Dazu hätten die ausgebaute 24-Stunden-Frauen-Helpline, verstärkte Onlineberatungen und eine eigens geschaffene Informationskampagne beigetragen, meinte Raab. Die Helpline habe seit März um 38 Prozent mehr Anrufe erhalten: "Das Angebot wird gut angenommen." Die Frauenministerin verwies auch auf die Gewaltschutzzentren in den Bundesländern und insgesamt 170 Mädchen- und Frauenberatungsstellen, die wichtige Arbeit leisten würden und deren Förderquoten man daher um zwölf Prozent erhöht habe. Der Bund werde auch in neue Gewaltschutzprojekte investieren.

Für den Herbst haben das Innen- und das Frauenministerium einen Gewaltschutzgipfel geplant. Man müsse nämlich "wachsam sein", warnte Raab: "Im Herbst verlagert sich das Leben mehr ins Innere." Das bedeute ein erhöhtes Risiko.

SPÖ-Frauenvorsitzende und -Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek warf Nehammer und Raab vor, die Gefahrenlage für Frauen zu bagatellisieren. Die beiden würden den Eindruck vermitteln, "das Problem sei nicht so akut wie angenommen. Das ist alarmierend", meinte Heinisch-Hosek in einer Presseaussendung. Sie verlangte einen verstärkten Dialog mit den Experten im Gewaltschutzbereich und ein Soforthilfepaket von fünf Millionen Euro für die Betroffenen. Weiters trat Heinisch-Hosek einmal mehr für Hochrisikofallkonferenzen ein, die hochgefährliche Fälle analysieren und beraten sollten.

Quelle: SN

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