Österreich

Lockerer Lockdown: Erdbebensensoren erfassen relativ hohe Bodenschwingungen

Coronavirus und Erdbebenforschung - auch dabei gibt es Zusammenhänge. Und zwar vor dem Hintergrund des aktuellen Lockdowns, dessen seismologische Auswirkungen anders ausfallen als bei vorangegangenen Restriktionen.

Seismographen-Ausschlag (Symbolbild). SN/APA/JAEGER ROBERT
Seismographen-Ausschlag (Symbolbild).

Denn die Erdbebenmessgeräte der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) registrieren derzeit stärkere Bodenschwingungen durch menschliche Aktivitäten als in den bisherigen Lockdowns.

Erdbebenmessgeräte (Seismometer) erfassen Bodenschwingungen, die von Erdbeben, Explosionen und Vulkanausbrüchen verursacht werden. Sie registrieren aber auch Einwirkungen auf die Erdoberfläche durch menschliche Aktivität, wie zum Beispiel durch Verkehr und Industrie.

Viel Bewegung in Salzburg

Die Seismometer der ZAMG registrieren Bodenbewegungen mit Nanometergenauigkeit, das sind Bewegungen von einem Millionstel eines Millimeters pro Sekunde.

Der aktuelle Lockdown ist in den Daten der Seismometer erkennbar. "Im Vergleich zu einer durchschnittlichen Woche sind die Bodenvibrationen in Österreich derzeit um ein paar Prozent geringer", sagt ZAMG-Seismologin Maria-Theresia Apoloner, "in Wien zum Beispiel messen wir diese Woche um etwa fünf Prozent weniger Bodenschwingungen als in den beiden Vorwochen."

Dieser Rückgang ist also deutlich geringer als in den bisherigen Lockdowns. "Am stärksten war der Effekt im ersten Lockdown im März 2020. Er reduzierte die Bodenschwingungen in Österreich um rund 25 Prozent", sagt ZAMG-Expertin Apoloner, "auch in den Herbstferien, vor ein paar Wochen, war der Boden etwas ruhiger als jetzt."

Die während der Lockdowns gemessenen Daten sind für viele Bereiche wichtige Referenzwerte. Die durch Menschen verursachte seismische Bodenunruhe ist störend bei Erdbebenmessungen und muss mit aufwendigen Verfahren herausgerechnet werden. Die neuen Daten helfen, industrie- und verkehrsbedingte Erschütterungen besser zu quantifizieren sowie weniger gestörte Messsignale von kleinen Beben zu messen, und können in Zukunft für automatische Erdbebendetektoren verwendet werden.

Außerdem zeigen die Daten den Forscherinnen und Forschern Gebiete mit sehr geringer Bodenunruhe, die optimale neue Standorte für Seismometer sind.

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