Österreich

Masern-Patient in Grazer Kinderklinik: Mehrere Ansteckungen

Ein Fall von Masern hat in den vergangenen beiden Wochen in Graz zu einer Reihe von Ansteckungen bei teilweise erst wenige Monaten alten Babys geführt. Bei der Landessanitätsdirektion lagen Dienstagmittag 13 gemeldete und großteils bestätigte Fälle auf, sagte Fachbereichsleiterin Marianne Wassermann-Neuhold. Weitere seien zu erwarten.

Die Inkubationszeit der Krankheit beträgt 21 Tage SN/APA (dpa)/Patrick Seeger
Die Inkubationszeit der Krankheit beträgt 21 Tage

Der Indexpatient ist ein 15-Jähriger, der am 11. Jänner mit Masern in die Kinderklinik-Ambulanz ans LKH Graz kam und dort rund drei Stunden verbrachte. Jeder, der sich mit ihm in dieser Zeit sowie rund zwei Stunden danach im Wartebereich aufgehalten hat, gilt als Kontaktperson und hat im Falle einer nicht vorhergegangenen Impfung ein hohes Risiko sich angesteckt zu haben. Da viele Eltern mit ihren noch kleinen Kindern und teilweise auch mit Säuglingen dort waren, die noch nicht geimpft werden dürfen, kam es zu Ansteckungen. Unter ihnen sind etwa drei erst vier Monte alte Babys, so Wassermann-Neuhold.

Da die Inkubationszeit 21 Tage beträgt, werden im Laufe der Woche noch weitere Masern-Fälle erwartet. Erst am Montag waren sechs dazugekommen, wodurch es am Dienstag rund ein Dutzend waren. Noch nicht eingerechnet sind jene Fälle, die möglicherweise durch die Mitnahme des Virus in Kinderarztpraxen übertragen wurden. Das könne passiert sein, da Eltern zunächst ja nichts von der Ansteckung ihrer Kleinen wussten. Tatsächlich seien manche mit ihren offenbar bereits infizierten Kindern in anderen Ordinationen gewesen, sagte die Bereichsleiterin zur APA.

Da bei Säuglingen keine Impfungen vorgenommen werden können, müssen nun eine Reihe von Babys vorsorglich mit Immunglobuline - der sogenannte passiven Impfung - in der Kinderklinik behandelt werden. Wie viele deswegen stationär aufgenommen wurden, konnte am Dienstag seitens des LKH nicht genau beziffert werden, da man auch wegen der anlaufenden Grippewelle und Krankenständen alle Hände voll zu tun habe.

Wassermann-Neuhold appellierte an Eltern, sich selbst und auch ihre Kinder impfen zu lassen - gerade weil damit Ansteckungen bei Säuglingen vermieden werden können. Sollte es zu einem Masern-Verdacht kommen, sollen Patienten keinesfalls volle Ambulanzen und Ordinationen aufsuchen, sondern vorher anrufen und sich erkundigen.

Unterdessen verwies das Gesundheitsministerium auf die Impf-Notwendigkeit. Eine Analyse der Durchimpfungsraten hinsichtlich Masern für das Jahr 2017 in Österreich ergab, dass es rund 48.000 zwei- bis fünfjährige Kinder gibt, denen die zweite Masernimpfung fehlt, 27.000 Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren, weiters eine halbe Million 15- bis 30-Jährige, die nicht ausreichend gegen Masern geschützt sind. Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass es immer wieder zu Krankheitsausbrüchen komme.

Der in Österreich vorhandene Impfstoff gegen Masern ist ein Kombinationsimpfstoff mit Mumps und Röteln (MMR-Impfung). Entsprechend dem Impfplan Österreich 2019 werden zwei MMR-Impfungen ab dem vollendeten 9. Lebensmonat empfohlen. Fehlende MMR-Impfungen können und sollen in jedem Alter nachgeholt werden. Vollständiger Schutz kann nur angenommen werden, wenn schriftlich nachweisbar ist, dass zwei Impfungen gegen Masern vorliegen oder ein Schutz mittels einer Antikörperbestimmung (Blutabnahme) bestätigt ist. Weil es sich um einen Lebendimpfstoff handelt ist ein "Überimpfen" nicht möglich.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern eine schwere, hoch ansteckende Erkrankung. Einer von vier Erkrankten wird ins Krankenhaus eingeliefert, einer von fünf Infizierten erleidet Komplikationen wie Lungenentzündung, Bronchitis, Mittelohrentzündung oder Gehirnentzündung, hieß es am Dienstag aus dem Gesundheitsministerium zu den in Österreich aufgetretenen Erkrankungen.

Die Masern könnten auch bleibende Schäden oder den Tod zur Folge haben. "Erkranken Kinder unter einem Jahr an Masern, so haben sie das hohe Risiko von eins zu 600, einige Jahre später an einer speziellen Gehirnentzündung (subakut sklerosierende Panencephalitis, SSPE) zu erkranken, die tödlich endet. Zudem kommt es nach Masern zu einer über mehrere Jahre andauernden Schwächung des Immunsystems, die das Risiko erhöht, an anderen Infektionskrankheiten zu sterben", hieß es in der Aussendung.

Abgesehen vom Leid der Erkrankten und Angehörigen müsse im Zusammenhang mit der Virusinfektion auch bedacht werden, dass ein Masernausbruch weitere Konsequenzen hätte: Im Ausbruchsfall sind die zuständigen Behörden dazu verpflichtet, jede einzelne Kontaktperson zu identifizieren, zu kontaktieren, aufzuklären, den Impfstatus zu erheben, gegebenenfalls zu impfen oder entsprechenden Einschränkungen zu unterziehen.

Quelle: APA

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