Österreich

Mehrere Au-pair-Mädchen in Tirol offenbar ausgebeutet

Acht Au-pair-Mädchen im Alter zwischen 18 und 27 Jahren aus Togo, Marokko, Madagaskar und Georgien sind offenbar in Tirol von einer 34-jährigen Italienerin und ihrem 26-jährigen syrischen Lebensgefährten ausgebeutet worden. Die jungen Frauen sollen unter anderem nicht nur im Haushalt der Italienerin, sondern auch in ihrer Putzfirma gearbeitet haben - ohne eine entsprechende Entlohnung.

Die beiden Verdächtigen wurden am 22. Jänner auf richterliche Anordnung festgenommen, teilte die Polizei am Freitag mit. Zudem wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei wurde ein niedriger dreistelliger Bargeldbetrag sichergestellt, hieß es. Am Tag darauf wurde das Paar wieder auf freien Fuß gesetzt. Die abschließenden Erhebungen waren im Gange.

Die Au-Pairs sollen in Einzelfällen bis zu 105 Wochenstunden gearbeitet haben. Auch sollen die Frauen gezwungen worden sein, auf Matratzen am Boden gemeinsam mit anderen Personen zu schlafen. In zwei Fällen soll es zudem zu sexuellen Übergriffen durch eine dritte Person gekommen sein. Diese stellt dies laut den Ermittlern jedoch in Abrede.

Die Frauen waren mit dem Versprechen nach Tirol gelockt worden, bei maximal 20 Stunden Wochenarbeitszeit und freien Tagen eine adäquate Unterkunft und ein angemessenes Taschengeld zu erhalten. Zudem wurde laut Landeskriminalamt der Besuch eines kostenlosen Deutschkurses in Aussicht gestellt.

Die Italienerin war bereits im Frühjahr 2019 ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Nach einem Hinweis der Finanzpolizei Innsbruck wurden Ermittlungen aufgenommen. Die Frau stand im Verdacht, Au-pair-Mädchen zur Beaufsichtigung ihres acht Jahre alten Sohnes und zur Mithilfe im Haushalt über eine eigene Au-pair-Agentur im Internet angeworben und ausgebeutet zu haben. Zu jenem Zeitpunkt war nur der Fall eines 22-jähriges Au-pair-Mädchen aus Togo bekannt gewesen, das bei der Italienerin gearbeitet, aber vertragswidrig nicht entlohnt worden sei, so die Exekutive am Freitag. Entgegen der Vereinbarung sei der jungen Frau kein eigenes Zimmer zur Verfügung gestellt worden. Sie musste mit mehreren Personen zusammen in einem Zimmer schlafen.

Gegen die Italienerin wurde schließlich ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Menschenhandels eingeleitet. Durch die weiteren Ermittlungen zog der Fall dann größere, nunmehr bekannte, Kreise.

Quelle: APA

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