Österreich

Mehrere Lawinenabgänge forderten im Westen ein Todesopfer

Trotz der zum Teil großen Lawinengefahr (Stufe "4" auf der fünfteiligen Skala) haben am Wochenende wiederholt Wintersportler die Warnungen in Tirol und Vorarlberg missachtet und waren zu Fuß oder mit Skiern abseits der gesicherten Pisten unterwegs. Im Brandnertal (Bezirk Bludenz) forderte ein Lawinenabgang ein Todesopfer, in Westendorf konnte ein verschütteter Skifahrer lebend geborgen werden.

Zwei der drei Bergsteiger überlebten den Lawinenabgang.  SN/APA/BARBARA GINDL
Zwei der drei Bergsteiger überlebten den Lawinenabgang.

Im Brandnertal löste sich im Bereich des Gletscherbaches zwischen Schatten- und Sonnenlagant gegen 15.00 Uhr eine Staublawine und riss einen 33- und einen 36-jährigen Bergsportler sowie einen 38-jährigen Freund der beiden mehrere hundert Meter weit mit. Die beiden Bergsportler aus Meßkirch und Singen (beides Baden-Württemberg) machten sich gerade bereit, am Eisfall des Gletscherbaches zu klettern, während ihr Freund aus Überlingen (Baden-Württemberg) Fotos von den Kletterern schießen wollte. Der 33 Jahre alte Bergsteiger aus Meßkirch konnte sich selbst aus den Schneemassen befreien, setzte einen Notruf ab und grub anschließend seinen Begleiter aus Singen aus.

Gemeinsam gelang es ihnen auch, den etwa 80 Zentimeter tief verschütteten 38 Jahre alten Überlingener mit einem Lawinensuchgerät zu orten. Mit bloßen Händen und einem Kletterhelm konnten sie den Mann zu bergen. Für den 38-Jährigen kam aber jede Hilfe zu spät. Aufgrund der heiklen Lawinensituation musste die Bergrettung die Rettungs- und Bergeaktion abbrechen. Die beiden Überlebenden wurden aufgefordert, das gefährliche Gebiet sofort zu verlassen.

Beim Abstieg zur Bergemannschaft löste sich eine weitere Staublawine, verschüttete die beiden Wintersportler aber nicht. Die beiden wurden schließlich mit Unterkühlung in das Krankenhaus Bludenz eingeliefert. Ihr toter Kollege konnte hingegen erst am Sonntagnachmittag von einer Suchmannschaft geborgen werden, nachdem ein Hubschrauber weitere Lawinen gesprengt hatte.

Glück hatten zwei Tiroler Variantenskifahrer am Sonntagvormittag auf der Südflanke unmittelbar unterhalb des Gipfels der Hohen Salve (1.828 Meter) im Gemeindegebiet von Westendorf (Bezirk Kitzbühel). Sie wurden im freien Gelände von einer Lawine erfasst, die sie laut Polizei vermutlich selbst ausgelöst hatten. Einer der Wintersportler wurde dabei zur Gänze verschüttet, sein Kollege zum Teil. Der Verschüttete wurde von einem Suchhund geortet und schließlich lebend geborgen, sagte ein Polizeisprecher gegenüber der APA.

Der Mann war bei seiner Bergung ansprechbar, lag aber rund 30 Minuten unter den Schneemassen. "Sein Zustand ist unklar", so ein Polizeisprecher der Polizeiinspektion Kitzbühel. Die beiden verunglückten wurden in das Krankenhaus Kufstein eingeliefert. Keiner der beiden Variantenskifahrer war mit einem Lawinenpiepser ausgestattet.

Ein 36 Jahre alter italienischer Skifahrer ist am Sonntagnachmittag auf der Variantenabfahrt "Nadel" im Bereich des Trittkopfs in Lech am Arlberg bei einem Lawinenabgang schwer verletzt worden. Er wurde von der Lawine erfasst und gegen eine Felswand geschleudert. Dabei erlitt er schwere Rückenverletzungen. Er wurde vom Notarzthubschrauber "Gallus1" ins Krankenhaus gebracht.

Der 36-Jährige war gegen 13.00 Uhr mit zwei weiteren Italienern unterwegs, als sich ein etwa 25 Meter langes Schneebrett löste. Ein 42-Jähriger wurde ebenfalls von der Lawine erfasst und gegen einen Felsvorsprung gedrückt, verletzte sich dabei aber nicht. Ein weiterer Skifahrer kam mit dem Schrecken davon. An der Bergung waren die Bergrettung Lech mit 14 Mann und drei Alpinpolizisten beteiligt.

Unverletzt blieben in Vorarlberg am Samstag und am Sonntag ein 33 Jahre alter Franzose und ein 33 Jahre alter Deutscher nach Lawinenabgängen. Der Franzose wurde am Samstag gegen 15.30 Uhr im Bereich Hasenbühl in Damüls im Bregenzerwal rund 80 Meter von einer Lawine mitgerissen und blieb bis zum Hals im Schnee stecken. Der Mann, der mit zwei Begleitern im freien Gelände unterwegs gewesen war, konnte sich aber selbst befreien.

In Bereich des Walmendingerhorns (1.990 Meter) in Mittelberg im Kleinwalsertal löste ein 33-jähriger Deutscher am Sonntag gegen 11.00 Uhr abseits gesicherter Pisten eine Lawine aus, die ihn rund 50 Meter mitschleifte und bis zum Hals begrub. Der Skifahrer hatte sein Lawinenairbag auslösen können und befreite sich selbst aus dem Schnee. Er wurde vom Polizeihubschrauber geborgen.

Die Hauptgefahr für Wintersportler gehe von frischen, zum Teil aber auch älteren Triebschneeansammlungen aus. Wegen der Kälte sei der Triebschnee sehr spröde, weshalb bereits eine geringe Zusatzbelastung eine Lawine auslösen könne. Abseits gesicherter Pisten sei die Situation für Skifahrer und Wanderer demnach"sehr heikel", warnten die Experten und mahnten zu vorsichtiger Routenwahl und Zurückhaltung. Die Lawinengefahr werde nur sehr langsam zurückgehen.

Quelle: APA

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