Österreich

Mehrjährige Haft für gefinkelte Trickdiebstähle in Wien

Nach Trickdiebstählen in Juwelier-Geschäften in der Wiener Innenstadt ist ein Ehepaar am Freitag am Landesgericht zu mehrjähriger unbedingter Haft verurteilt worden. Die beiden waren ausgesprochen geschickt vorgegangen. Während die Frau ihre zweijährige Tochter im Arm hielt und die Angestellten in Gespräche über Mode und Haarpflege verwickelte, steckte ihr Mann teure Ringe ein.

Dabei hätte sich der 36-Jährige eigentlich im Gefängnis befinden müssen. Der elffach Vorbestrafte war zuletzt 2014 wegen verschiedener Vermögensdelikte zu zweieinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Im Jänner 2015 kehrte er von einem Freigang nicht in die Justizanstalt Sonnberg zurück. Seither befand er sich auf der Flucht und finanzierte sich das gemeinsame Leben mit seiner immerhin sieben Mal vorbestraften Ehefrau, indem er in Supermarkt-Filialen in Kassenladen griff und Bargeld an sich raffte oder in Handy-Shops Smartphones stahl und diese weiterverkaufte.

Nach der Geburt ihrer Tochter änderte das Paar den Modus Operandi und konzentrierte sich ab Anfang Februar 2018 auf Juweliere, was die Höhe der Beute deutlich nach oben drückte. Eigentlich sei man in der Wiener Innenstadt nur spazieren gegangen, versuchte der 36-Jährige einem Schöffensenat (Vorsatz: Philipp Schnabel) weiszumachen. Die Auslage eines Juweliers hätte ihn dazu bewogen, sich nach einem Ehering für seine Frau umzusehen. Im Geschäft sei er dann völlig verblüfft gewesen, dass Schmuckstücke offen herumlagen, die Vitrinen nicht besonders bewacht wurden und ihm Ringe einfach über den Ladentisch gereicht wurden: "Ich konnte es nicht glauben. Ich dachte, das ist ein Fehler. Alles lag offen da, ich musste einfach rübergreifen. Es war keine Absicht, dass wir stehlen gegangen sind. Es war zu verlockend für mich."

Am 5. Februar stahl das Ehepaar zwei Ringe im Wert von rund 8.000 Euro. Am 7. Februar schlugen zwei versuchte Diebstähle in zwei anderen Geschäften fehl - die Angestellten ließen sich nicht übertölpeln. Besser lief es aus Sicht der Angeklagten am 8. Februar, als sie ein Geschäft mit zwei Ringen im Wert von 25.900 und 14.900 Euro verließen.

"Ich wusste nicht, dass die so wertvoll sind. Es war ja kein Preisschild oben", behauptete der 36-Jährige. Er sei davon ausgegangen, dass der Schmuck "vielleicht 3.000 oder 4.000 Euro gekostet hätte". Er habe den wahren Wert nicht einschätzen können: "Ich hab' nie was besessen, das so wertvoll ist." Verkauft habe er die Ringe um 350 Euro, um sich damit Kokain und Heroin beschaffen zu können.

Dieser Darstellung traten die Angestellten entgegen, denen das Paar gegenüber getreten war. Speziell die Ehefrau - eine 35 Jahre alte Libanesin - dürfte bei den Trickdiebstählen eine entscheidende Rolle gespielt haben. "Sie hatte ein kleines Mädchen am Arm, war toll angezogen, mit einer tollen Frisur und einem roten Mascherl im Haar", schilderte eine Zeugin. Man habe sich darüber unterhalten, wie man die Haare waschen müsse, um eine derartige Frisur hinzubekommen: "Sie hat nett geredet und alles." Währenddessen hätte ihr Komplize gezielt die - selbstverständlich ausgepreisten - teuersten Ringe an sich genommen.

Auf die Spur der Kriminellen war man aufgrund von Aufnahmen aus Überwachungskameras gekommen. Die der Polizei nicht Unbekannten konnten identifiziert und in weiterer Folge festgenommen werden. Die 35-Jährige brachte in der vorigen Woche in der Justizanstalt Josefstadt ein weiteres Kind zur Welt.

Mit den Urteilen - viereinhalb Jahre für ihn, dreieinhalb Jahre für sie - war das von Werner Tomanek und Christian Werner verteidigte Pärchen einverstanden. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab. Die Urteile sind daher nicht rechtskräftig.

Quelle: APA

Aufgerufen am 13.12.2018 um 07:02 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/mehrjaehrige-haft-fuer-gefinkelte-trickdiebstaehle-in-wien-38910706

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