Österreich

Mordprozess um getöteten Wiener Juwelier auf Schiene

Auf den Tag genau vor einem Jahr ist ein 74-jähriger Juwelier in seinem Geschäft in Wien-Landstraße im Zug eines Überfalls erstochen worden. Die Staatsanwaltschaft hat nun gegen einen 21-Jährigen Anklage wegen Raubmordes eingebracht. Darüber hinaus werden dem gebürtigen Serben vier weitere brutale Raubüberfälle in Wien angelastet - nur 18 Stunden vor der Bluttat soll er laut Anklage gemeinsam mit einem noch von der Justiz gesuchten Komplizen einen Opernsänger beraubt haben.

21-Jähriger nach tödlichem Überfall auf Wiener Juwelier angeklagt SN/APA/WOLFGANG HAUPTMANN/WOLFGANG
21-Jähriger nach tödlichem Überfall auf Wiener Juwelier angeklagt

Bei dem gebürtigen Serben dürfte es sich - folgt man der Anklage - um einen Schwerstkriminellen mit hoher Gewaltbereitschaft handeln. Von Juni 2019 bis Oktober 2020 soll er in der Bundeshauptstadt nicht weniger als 51 Einbruchsdiebstähle in Büros, Werkstätten und Geschäftslokale begangen haben. In dem Juwelier-Geschäft auf der Landstraßer Hauptstraße gab sich der mit einem Messer bewaffnete 21-Jährige am 14. Oktober 2020 zunächst als Kunde aus, erstand um 68 Euro einen Ring und täuschte Interesse an einer Halskette vor. Als ihm der 74-Jährige mehrere Ketten zur Auswahl vorlegte, zückte der Bursch den Ausführungen der Staatsanwaltschaft zufolge ein Messer.

"Das Opfer hat leider versucht sich zu wehren. Der Juwelier hat nach einem Gegenstand gegriffen, der Angeklagte hat geglaubt, das ist eine Waffe", schilderte Martin Mahrer, der Verteidiger des 21-Jährigen, im Gespräch mit der APA. Da habe sein Mandant zugestochen.

Laut Obduktionsgutachten erlitt der 74-Jährige 19 Schnitt- und Stichverletzungen im Gesicht, Hals, Nacken und in der Brust. Nachdem der 21-Jährige mit seinem mutmaßlichen Mittäter, der zunächst vor dem Geschäft Schmiere gestanden hatte, Goldschmuck, Dukaten und mehrere Uhren erbeutet und sich Richtung Tschechien abgesetzt hatte, fanden Passanten im Eingangsbereich den niedergestochenen Juwelier. Trotz notfallmedizinischer Versorgung war dessen Leben nicht mehr zu retten.

Am selben Tag sollen der 21-Jährige und sein Komplize - seine Identität ist bekannt, nach ihm wird international gefahndet - gegen 4.30 Uhr die Wohnung eines Opernsängers aufgebrochen haben. Der Künstler erwachte und kam den Eindringlingen entgegen, worauf ihn diese mit Fäusten und einem Brecheisen attackierten. Der Überfallene vermochte die Täter in die Flucht zu schlagen - kraft seiner Stimme, wie in der Anklageschrift zu lesen ist. Demnach konnte der Sänger "lautstark mit Vollbruststimme um Hilfe rufen, wovon die Täter offenbar überrascht waren und ohne Wertgegenstände aus der Wohnung flüchteten".

Ebenfalls vor Gericht zu Sprache kommen werden drei weitere Raubfakten, die der 21-Jährige jeweils mit einem anderen Mittäter begangen haben soll und zu denen ihn DNA-Spuren belasten. Ende Februar 2020 wurde ein Mann bei einem Einbruch in seine Wohnung in Wien-Wieden mit einem Brecheisen angegriffen und um Goldmünzen im Wert von 15.000 Euro erleichtert. Ende Juni 2020 wurde eine Juwelierin in ihrem Geschäft in Wien-Alsergrund mit einer Pistole bedroht - Schmuck im Wert von 200.000 Euro wechselte darauf die Besitzer. Besonders gewalttätig sollen der 21-Jährige und sein Komplize am 28. April 2020 bei einem Einbruch in ein Wohnung am Stadtrand vorgegangen sein, wo sie im Schlafzimmer den Besitzer und dessen Lebensgefährtin aufschreckten. Der Mann - ein vermögender Geschäftsmann - wurde gefesselt, bekam laut Anklage mehrmals eine Pistole an den Kopf gesetzt und wurde mit Aussagen wie "Eins, zwei, drei, peng" oder "Ich zähle bis fünf, sonst bumm" zur Bekanntgabe seines Geldverstecks gezwungen. Schließlich zeigte er den Tätern seinen verborgenen Wandtresor, die Kriminellen erbeuteten knapp 270.000 Euro.

Der 20-Jährige behauptet, er habe die Straftaten im Auftrag seines Onkels begangen, dem er auch den Großteil der Beute abgeliefert habe. Der Angeklagte wurde Ende April an der serbisch-ungarischen Grenze festgenommen und an Österreich ausgeliefert. "Er hat immer mit der Polizei kooperiert", betonte Verteidiger Mahrer. Sein Mandant habe von sich aus etliche Einbrüche zugegeben und der Kriminalpolizei die entsprechenden Tatorte bezeichnet: "Ohne ihn hätten einige Straftaten gar nicht aufgeklärt werden können."

Wann die Verhandlung im Wiener Landesgericht stattfinden wird, steht noch nicht fest. Ein Termin Ende November oder Anfang Dezember scheint denkbar.

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