Österreich

Neffentrick - "einen Kevin würden sie sicher nicht anrufen"

Wieder ein Fall von dreistem Neffentrick: Unbekannte prellten ein betagtes Ehepaar um 10.000 Euro. Die Kriminellen suchen die Senioren gezielt aus - mit dem Telefonbuch.

Ältere Personen sind bevorzugte Opfer von Trickbetrügern. SN/www.BilderBox.com
Ältere Personen sind bevorzugte Opfer von Trickbetrügern.

Die Opfer sind 95 und 86 Jahre alt. Das betagte Ehepaar aus Wien-Floridsdorf verlor durch Trickbetrüger mehr als hunderttausend Euro. Einer der Täter hatte bei den Pensionisten angerufen und angegeben, nach einem Verkehrsunfall befinde sich deren Tochter in Haft und es sei eine Kaution zu erbringen. Wenig später kam eine weibliche Komplizin des Anrufers zur Wohnung der Senioren und nahm Geld und Schmuck an sich, berichtete Polizeisprecher Paul Eidenberger.

Fälle wie diese häufen sich. Erst vor Kurzem wurden einer Pensionistin in Wien mit einer ähnlichen Begründung 150.000 Euro herausgelockt, und ein oberösterreichischer Pensionist hat 100.000 Euro an eine Betrügerin gezahlt, weil er einer angeblichen Bekannten helfen wollte, die rasch Geld für einen Wohnungskauf benötigte.

Dass gerade ältere Personen immer wieder zu Opfern von Trickbetrügern werden, ist kein Zufall. Senioren würden von den Täterinnen und Tätern gezielt ausgesucht, sagt der Sprecher des Bundeskriminalamts Vincenz Kriegs-Au. Etwa indem Telefonbücher durchgesehen würden. Die Betrüger suchen darin etwa nach Vornamen, die in früheren Zeiten populär waren. "Eine Person, die Kevin heißt, wird sicher nicht angerufen werden", sagt Kriegs-Au. Warum gerade Senioren oft Opfer von Trickbetrügern werden, dafür hat die Polizei ebenfalls eine Erklärung. Senioren freuen sich oft, wenn sie noch gebraucht werden und helfen können. Wenn sie sich mit dem Betrüger auf ein Gespräch eingelassen haben, dann werden sie nach allen Regeln der Psychologie unter Druck gesetzt. "Sie kommen gar nicht mehr richtig dazu nachzudenken, ob die Geschichte auch stimmen kann", sagt Kriegs-Au. Oft genüge ein Anruf, um die Lügengeschichte aufzudecken.

Allerdings darf man nicht vergessen, dass es sich nicht um einzelne Betrüger handelt, sondern meist um richtige Organisationen. "Es ist oft fast schon ein kleines Callcenter", sagt der Sprecher des Bundeskriminalamts. Da würden Hunderte Personen angerufen, bis eines der Opfer gesprächsbereit sei. Zudem müsse die Geldübergabe exakt vorbereitet sein und auf Knopfdruck funktionieren. Um gegen die Zunahme der Trickbetrügereien vorzugehen, hat die Polizei seit Längerem eine Informationsoffensive gestartet. So werden gerade ältere Personen davor gewarnt, Geldbeträge an Unbekannte zu übergeben. Außerdem arbeite man mit Banken zusammen. Vor allem die Angestellten an den Schaltern sollten nachfragen, wenn ältere Personen, die aufgeregt sind, plötzlich große Geldbeträge abheben.

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