Österreich

NEOS für "Grätzeloase" am Wiener Praterstern

Den Wiener NEOS ist das Alkoholverbot zu wenig: Sie wollen den Praterstern zur "Grätzeloase" machen und dafür völlig umgestalten. Der Platz zwischen Tegetthoff-Denkmal und Bahnhofshalle soll zu einer Verweilfläche mit Wasserspielen werden, auf der auch Märkte oder ein Sommerkino stattfinden können. Außerdem brauche es mehr Sozialarbeit, hieß es bei der Ideenpräsentation am Montag.

Christoph Wiederkehr: "Praterstern ist immer noch ein Schandfleck" SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Christoph Wiederkehr: "Praterstern ist immer noch ein Schandfleck"

"Der Praterstern ist immer noch ein Schandfleck", konstatierte der designierte Klubobmann Christoph Wiederkehr bei einem Medientermin. Es brauche bauliche Maßnahmen, damit ein angenehmer Verweilort entstehen könne. Deshalb haben die Pinken Stadtplaner und Architekten eingeladen, Vorschläge für eine Neugestaltung zu machen. Daraus hat man nun ein Gesamtkonzept destilliert, das Investitionen von rund 1,3 Millionen Euro nötig machen würde.

Die Grundidee ist die Schaffung einer multifunktionalen Fläche. Dafür sollen die drei großen Betonquader, die mit Pflanzen überwachsen sind und das Areal dort jetzt zerstückeln, weichen und so einen großen bespielbaren Platz zwischen den Straßenbahngeleisen und Busstationen ermöglichen. Die NEOS wollen Wasserfontänen im Boden installieren. Sitzmöbel sollen aufgestellt und eine LED-Wand errichtet werden, um Sommerkinovorführungen oder andere Kulturevents abhalten zu können. Im Winter soll es einen Adventmarkt oder eine Eislauffläche geben.

Gleichzeitig plädiert die Oppositionspartei dafür, die den Platz umschließende Stangenkonstruktion mit Grünpflanzen bewachsen zu lassen. Das würde zugleich einen Schallschutz bedeuten, erklärte Bezirksrat Christian Moritz. Angsträume wie Unterführungen sollen eine freundliche Deckenbeleuchtung bekommen, Scheiben von Lokalen und Geschäften am Bahnhof nicht mehr beklebt werden, um bessere Sicht zu ermöglichen.

Am hinteren Ausgang Richtung Prater müsse es eine Anlaufstelle für Obdachlose geben. Denn seit dem Alkoholverbot gebe es immer noch nicht mehr Sozialarbeiter wie von der Stadt versprochen, kritisierte Wiederkehr. Wobei der Bann sowieso wieder aufgehoben werden könne, wenn der Ort als "Grätzeloase" funktioniere, so die Forderung. Außerdem brauche es überdachte Aufenthaltsräume, durchgehend geöffnete Sanitäranlagen und die Rückkehr der abgesiedelten Polizeistation.

Um das Vorhaben zu verwirklichen, wünschen sich die NEOS die Einrichtung einer Steuerungsgruppe auf Stadtebene. Ihr sollen etwa Vertreter aus Magistrat, Bezirk, Sozialarbeiterorganisationen, Exekutive sowie Wiener Linien und ÖBB angehören. Den entsprechenden Willen aller Beteiligten vorausgesetzt, könnte die Umgestaltung schon im kommenden Sommer über die Bühne gehen, zeigte sich Wiederkehr zuversichtlich.

Die SPÖ ist für Vorschläge zur baulichen Umgestaltung des Wiener Pratersterns grundsätzlich offen. Das adressierte Verkehrssprecher Gerhard Kubik an die NEOS. Der Idee von Wasserspielen erteilte Kubik aber eine Absage: "Wasserfontänen sind schön, aber am Praterstern nicht sinnvoll."

"Schließlich fahren hier Busse, Straßenbahnen und Radfahrer über den Platz - Verkehrssicherheit geht vor", argumentierte der rote Verkehrssprecher. Es sei aber zu begrüßen, dass sich die NEOS "konstruktiv einbringen". Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) habe jedenfalls zwecks Neugestaltung des Areals schon einen Beauftragten eingesetzt, ließ Kubik wissen. Der Kritik der Pinken, seit dem Alkoholverbot gebe es keine zusätzliche Sozialarbeit, konterte der SPÖ-Politiker: Diese sei am Praterstern ohnehin stark vertreten.

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