Österreich

Neue Rekorde bei Neuschneemengen - Lawinengefahr bleibt hoch

In den Alpen ist trotz des Endes des Dauer-Schneefalls die Lawinengefahr hoch. In vielen Regionen galt die zweithöchste Warnstufe 4. In Kärnten starb ein 24-jähriger Skilehrer aus Tschechien unter einer Lawine, ein 57-jähriger Steirer wurde von einer Dachlawine getötet. Glücklicherweise keine Verletzten gab es in Ramsau am Dachstein, wo zwei Beherbergungsbetriebe von einer Lawine getroffen wurden.

Wie die Polizei mitteilte, war der verunglückte tschechische Skitourengeher gemeinsam mit seinem Vater auf einem Forstweg abseits der Pisten unterwegs, als er von einer Lawine 100 Meter mitgerissen wurde - für ihn kam jede Hilfe zu spät. Wie Polizeisprecher Mario Nemetz im Gespräch mit der APA sagte, waren die beiden sehr gut ausgerüstet. Der 24-Jährige war als Skilehrer in der Region tätig, sein Vater war auf Urlaub in Kärnten.

Ein 57-jähriger Steirer ist Dienstagnachmittag ersten Informationen der Polizei zufolge von einer Dachlawine verschüttet worden und gestorben. Der Mann war in der Kleinsölk in St. Nikolai im Sölktal im obersteirischen Bezirk Liezen Flächen beim Schneeschaufeln, als sich eine etwa eineinhalb Meter hohe Schneewechte vom Dach löste. Trotz Reanimation starb der Steirer noch am Unfallort.

Bereits Dienstagfrüh hat eine große Lawine zwei Beherbergungsbetriebe in der Ramsau erfasst. Verletzte oder Vermisste gab es nicht, sagte Bürgermeister Ernst Fischbacher in einer Pressekonferenz in Ramsau am Dachstein. "Das heutige Lawinenereignis überstieg unsere Erfahrungswerte", so Lawinenkommissionsmitglied Heribert Eisl. Die sogenannte Eiskarlawine hatte um 1.00 Uhr Teile der Hotels mit 60 Gästen verschüttet. "Es war ein Glück und wir sind froh, dass die Lawinen nicht vier Stunden früher abgegangen ist, als alle Gäste beim Abendessen gesessen sind", sagte Eisl.

In der Ramsau ist darüber hinaus am Dienstag ein 31-jähriger Feuerwehrmann beim Abputzen eines mit Schnee bedeckten Daches durch eine Lichtkuppel gebrochen und in den darunter liegenden Raum gestürzt. Er war danach bei Bewusstsein und wurde mit dem Hubschrauber in das Spital nach Salzburg geflogen.

Die Neuschneemengen, die in den vergangenen 15 Tagen registriert worden sind, kommen selbst in den schneereichen Regionen Österreichs nur alle zehn bis 100 Jahre vor. Vereinzelt gab es sogar neue Rekorde. "Noch liegen nicht alle Daten vor, aber in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und in der Steiermark gibt es auf jeden Fall neue Rekorde", sagte Michael Winkler von der ZAMG in Innsbruck. Einige Beispiel für neue Rekordwerte der 15-tägigen Neuschneesumme: Seefeld mit 283 Zentimetern. Abtenau mit 240 Zentimetern. Bad Mitterndorf mit 270 Zentimetern und Hochfilzen mit eindrucksvollen 451 Zentimetern.

Noch am Dienstag sollte der Schneefall abklingen, in den nächsten Tagen wären höchstens geringe Mengen zu erwarten. Mittwoch und Donnerstag sollen nach den Prognosen der Meteorologen größtenteils sogar sonnig verlaufen. Die Lawinenwarndienste warnten jedoch, dass auch bei einem Rückgang des Risikos die Situation abseits der gesicherten Pisten sehr heikel bleibe. Auch bei Lawinenwarnstufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) würde schon die Zusatzbelastung durch einen Wintersportler genügen, um einen Abgang auszulösen.

Dank der Wetterberuhigung waren viele zeitweise von der Außenwelt abgeschnittene Orte wie Lech, Zürs und Sölden am Dienstag wieder erreichbar. Mehr als 100 Straßen in Österreich war wegen Lawinengefahr weiter gesperrt. Die Behörden gingen aber von einer baldigen merklichen Entspannung der Lage aus.

Im Bundesland Salzburg waren am Dienstag laut Landesregierung noch etwa 20.000 Menschen zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Die Zahl stieg am Abend allerdings wieder auf mehr als 28.000 Personen, da die L109 ins Großarltal nur von 15.00 Uhr bis 19.00 Uhr für den Verkehr freigeben war. Bahnreisende in Salzburg können erst ab Ende der Woche mit einer Normalisierung der Lage rechnen. Betroffene Streckenabschnitte sollen nach Angaben des Landes bis dahin nach und nach wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Die Tourismusbranche hat zurzeit Einbußen zu verzeichnen. "Die kurzfristigen Buchungen sind in der letzten und in dieser Woche teilweise um die Hälfte zurückgegangen. Da ist schon ein Loch entstanden", sagte Petra Nocker-Schwarzenbacher, Tourismusobfrau der österreichischen Wirtschaftskammer, der dpa. Tourismusbetriebe in Ländern wie Kärnten, in denen es kein Schneechaos gab, hätten davon profitiert. Insgesamt sei die Stimmung aber gut, es gebe in der Branche wegen der starken Schneefälle kein großes Wehleiden. Die Anfragen für Februar, März und April seien spürbar gestiegen.

In Österreich sind in diesem Winter nach vorläufigen Daten bisher elf Menschen in Lawinen ums Leben gekommen. Das sind für den Zeitraum vom 1. November bis Mitte Jänner doppelt so viele wie im langjährigen Durchschnitt, wie das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Allein in Tirol und Vorarlberg starben den Erhebungen des Kuratoriums und der Alpinpolizei zufolge acht Wintersportler unter den Schneemassen. Seit dem 1. November verunglückten in den österreichischen Bergen insgesamt 40 Menschen tödlich.

Unterdessen ist der erneute Versuch, einen von einer Lawine verschütteten Skifahrer in Lech zu finden, zunächst ohne Erfolg geblieben. Wie die Polizei am Dienstag berichtete, war beim Überfliegen des Unglücksorts mit dem Hubschrauber kein Signal aufzufangen. Der vermisste 28-Jährige hatte wie seine drei bereits tot geborgenen Freunde ein Lawinenpiepsgerät dabei. Es bestehe keine realistische Hoffnung, den Vermissten lebend zu finden, hieß es. Die Suche soll am Mittwoch mit einem Großaufgebot von rund 80 Spezialisten von Bergrettung, Bundesheer und Alpinpolizei fortgesetzt werden.

Quelle: APA

Aufgerufen am 17.10.2019 um 08:01 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/neue-rekorde-bei-neuschneemengen-lawinengefahr-bleibt-hoch-64102759

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