Österreich

Neuer Anlauf für Rettungssystem eCall

Seit bald einem Jahrzehnt ist es im Gespräch: Das System eCall verständigt bei einem Autounfall automatisch den Notruf. Am Dienstag gibt es im EU-Parlament den nächsten Anlauf, es europaweit verpflichtend einzuführen.



Eine kleine Box im Auto könnte laut Sicherheitsexperten jedes Jahr 2500 Leben auf Europas Straßen retten. Das System eCall erkennt über Sensoren einen Aufprall und setzt einen Notruf ab. Daraufhin wird in der Notrufzentrale versucht, eine Sprachverbindung zum Auto aufzubauen und mit dem Lenker oder Beifahrer die Unfallsituation abzuklären. Meldet sich niemand, wird die Rettungskette in Gang gesetzt und Einsatzkräfte zum Unfallort geschickt. Dazu muss das eCall-Gerät Daten an die Zentrale übermitteln. Neben Unfallzeit und -ort können auch Fahrgeschwindigkeit oder Aufprallwucht als Anhaltspunkte für die Schwere des Unfalls übermittelt werden.eCall in über 50.000 österreichischen AutosWer in Österreich bereits ein solches Gerät in seinem Auto eingebaut hat, setzt bei einem Unfall mit großer Wahrscheinlichkeit einen Notruf an die ÖAMTC-Einsatzzentrale ab. Laut Wolfgang Löffler vom Telematik-Dienst des ÖAMTC ist der Autofahrerklub nämlich der derzeit größte eCall-Partner in Österreich und nimmt die Notrufe von knapp 50.000 Geräten entgegen. Wenn es nach der EU geht, soll diese Zahl in den nächsten Jahren rasant steigen, bis 2015 soll eCall in allen Neuwagen in Europa verpflichtend eingebaut werden. Am Dienstag gibt es zu einem entsprechenden Bericht der EU-Kommission eine Abstimmung im Parlament. Löffler ist allerdings skeptisch, was die Umsetzung betrifft. "Es ist bereits der 17. Anlauf der EU, in diesem Bereich etwas weiterzubringen."Einheitliches System über Notruf 112Selbst wenn dieser 17. Anlauf tatsächlich gelingt, ist unklar, wie ein europaweiter Standard umgesetzt werden kann. Derzeit gehen die Notrufe an unterschiedliche Einsatzzentralen, wie in Österreich an jene des ÖAMTC oder des Versicherers Mondial, der mit Volvo kooperiert. Die EU-Kommission möchte allerdings eine einheitliche Abwicklung über den Europäischen Notruf 112. Dieser wird in Österreich von allen Polizeidienststellen angenommen. Für eCall ausgestattet würden aber nur die Landesleitzentralen, auf die ein entsprechend hoher Personalaufwand zukäme. "Dabei ist die Frage der Finanzierung noch nicht geklärt", sagt Löffler. Tausende Fehlalarme beim ÖAMTCDerzeit gehen in der Einsatzzentrale des Pannendienstes neben rund 10.000 echten Notrufen auch "tausende Fehlalarme" ein, rund 10 Prozent der automatisch ausgelösten Notrufe seien falscher Alarm. "Die Sensoren sind sensibel eingestellt und reagieren zum Teil auf große Schlaglöcher oder wenn der Lenker über einen Randstein fährt", berichtet Löffler. Bei den manuell ausgelösten Notrufen liege die Fehlerquote noch viel höher, bei etwa 70 Prozent. "Viele Leute drücken unabsichtlich den Notfallknopf oder weil sie es einfach ausprobieren wollen." Das kann aber für so manchen Lenker auch zum Vorteil werden. "Wir haben auf diese Weise auch schon gestohlene Fahrzeuge wieder gefunden", berichtet der ÖAMTC-Mitarbeiter. "Die Autodiebe probieren alle Knöpfe im Auto aus. Wenn wir dann einen Notruf erhalten können wir feststellen, wo sich der Wagen befindet."

eCall kann also nicht nur Leben retten, sondern sogar gestohlene Autos. Ab wann es das flächendeckend in der EU tut, wird vielleicht nach der Abstimmung am Dienstag schon etwas klarer sein.

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