Die pflastersteingroßen Messingtafeln mit Inschrift, die den Namen, Geburtsjahr und Datum der Verhaftung und Ermordung der Opfer bekannt geben, werden im Boden vor den ehemaligen Wohnhäusern der Ermordeten verlegt. Die beschädigten "Stolpersteine" befinden sich in der Schröttergasse im Grazer Bezirk Geidorf, in der Oeverseegasse und drei am Griesplatz.
Chemische Untersuchen hatten ergeben, dass zwei Säuren, bestehend aus den Komponenten Schwefelsäure und geringe Anteile von Salpetersäure auf die Messingplatten aufgebracht worden waren. Zusätzlich wurde damals als Nebenbestandteil Chlorid nachgewiesen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Einsatz einer Auftauhilfe, also Streusalz stammt. "Der Fall ist bis heute ungeklärt. Auch diesmal wurde ein chemisches Gutachten in Auftrag gegeben. Auch der Verfassungsschutz wurde hinzugezogen", sagte Leo Josefus von der Landespolizeidirektion Steiermark zur APA.
Bemerkt wurde die neuerliche Beschädigung von einer Mitarbeiterin des Grazer "Vereins für Gedenkkultur", auf dessen Initiative die "Stolpersteine" in Graz verlegt werden. Die verfärbten Gedenksteine erinnern laut Obfrau Daniela Grabe an die sozialdemokratische und als jüdisch verfolgte Familie Kurzweil und den kommunistischen Architekten und antifaschistischen Widerstandskämpfer Herbert Eichholzer. Die Familien hatten bis zu ihrer Vertreibung in der Schröttergasse 7 (damals Kirchengasse 14) gewohnt. Aus Grabes Sicht sei es "unwahrscheinlich, dass es nicht eine mutwillige Sachbeschädigung ist". Ähnliche Vermutungen hegt der kommunistische Bezirksvorsteher-Stellvertreter, Hanno Wisiak: "Rechte Übergriffe und Straftaten nehmen massiv zu, das Klima ist bedrohlich."
In Graz gibt es derzeit insgesamt 59 "Stolpersteine" in Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Im August werden laut Grabe wieder 30 hinzukommen.
