O-Ton

Häusliche Gewalt: "Sie wird von selbst nicht besser, sondern massiver"

Gewalt daheim: Wo fängt sie an? Gibt es Auswege? Es gibt Ursachen und es gibt Strategien, um den Opfern zu helfen - die meisten davon, aber nicht alle, sind weiblich. Ein SN-Gespräch mit Expertinnen des Gewaltschutzzentrums Salzburg - hören Sie ihnen zu.

Wuchtige Schläge gegen den Kopf und den Oberkörper mit einem Hammer seien es gewesen, die der 30-jährigen Frau ihr Leben gekostet hätten, sagt die Polizei. Die Frau starb Anfang Oktober 2020 in einer Wohnung in Wien-Favoriten. Seit Jahresbeginn gab es damit zu diesem Zeitpunkt 19 Tötungsdelikte an Frauen durch Männer in Österreich.

"Es beginnt oft langsam und unscheinbar"

"Frauenmord" - das ist die Bezeichnung für die ultimative Eskalation oft jahrelang andauernder Gewalt innerhalb von Beziehungen. Lassen sich konfliktgeladene Situationen entschärfen? Und wie?

"Gewalttäter stabilisieren sich über Gewalt"

Renée Mader und Christina Riezler vom Salzburger Gewaltschutzzentrum erarbeiten Strategien mit ihren zumeist weiblichen Klienten. Über mangelnde Arbeit können sich Mader und Riezler nicht beklagen. Um die 1300 Beratungen sind es jährlich. Das aktuelle SN-Gespräch findet am 7. Oktober statt.

"Der Papa darf das nicht"

Christina Riezler: "Bis zu diesem Stichtag waren es 1100 Beratungen, davon 86 Prozent für Frauen und 14 Prozent für Männer. 730 Kinder haben in diesen Haushalten gewohnt."

Dort, innerhalb der vertrauten vier Wände, befinden sich die meisten Tatorte. Häusliche Gewalt sei ein System und keine einzelne Handlung, sagt Riezler. Und: "Das Problem bei häuslicher Gewalt ist, dass sie von allein nicht besser wird, sondern immer massiver."

"Wir müssen uns den Männern unterordnen"

Nicht in jedem Fall äußere sie sich (anfangs) durch körperliche Gewalt. Psychischer Druck, Angsteinflößen könne über viele Jahre dauern. Die Frau, die sich dann trennen will, erfährt oft Drohungen ("ich bring dich um", "ich mach dich fertig", "du wirst nie wieder einen anderen Partner haben"). Die Frau werde somit als Besitz deklariert.

"Kein Mensch muss sich das gefallen lassen"

Für den Gewalttäter gehe es darum, "Macht und Kontrolle über die Frau auszuüben", ergänzt Renée Mader. Wie gegensteuern?

Für Christina Riezler steht fest, das Thema "häusliche Gewalt" muss weiterhin breit in der Öffentlichkeit diskutiert werden: "Was ist denn überhaupt Gewalt? Und vor allem: Kein Mensch muss sich das gefallen lassen."

"Im Minirock um 2 Uhr durch die Linzergasse"

Wichtig sei daher auch der Vollzug bestehender Gewaltschutzgesetze wie des Betretungsverbots. Riezler: "Salopp formuliert: Wer schlägt, der geht."

"Ein Weg ist die Polizei"

Täter müssten die Konsequenzen ihrer Taten tragen: "Das wird dem Täter von der Polizei vermittelt, aber auch dem Opfer. Und diese psychologische Wirkung ist enorm wichtig: Zum ersten Mal kommt jemand in den eigenen Haushalt und sagt: ,Na, so geht des net. Der darf das net machen. Und Sie bekommen den Schutz von Österreich, von unserer ganzen Gesellschaft.' Und damit kann viel aufgebrochen werden."

Mader: "Die Opfer sollen wissen: Es gibt viele, die auf euch schauen."

"Frauen sind nicht die besseren Menschen"

Aufgerufen am 28.10.2020 um 04:46 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/o-ton-haeusliche-gewalt-sie-wird-von-selbst-nicht-besser-sondern-massiver-93921082

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