Österreich

Österreicher sollen im Urlaub auf Ballermann verzichten

Auslandsreisen sind in Zeiten von Corona mit einem gewissen Risiko verbunden. Experten im Gesundheitsministerium haben Grundregeln für verantwortungsvolle Sommerreisen erstellt.

Wie sieht der Urlaub heuer für die Österreicherinnen und Österreicher aus? SN/bernhard schreglmann
Wie sieht der Urlaub heuer für die Österreicherinnen und Österreicher aus?

Gleich vorweg: Die drei Personen, die am Donnerstag zu einer Pressekonferenz ins Gesundheitsministerium luden, werden den heurigen Sommer weitgehend in Heimatnähe zubringen: Minister Rudolf Anschober (Grüne) will sich am Traunsee erholen, Infektionsexperte Herwig Kollaritsch fährt ein paar Tage zum Golfen ins benachbarte Bayern und Maria Ecker, Chefberaterin beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), wird mit Sicherheit in Österreich urlauben. "Weil ich die Probleme nicht haben möchte, die auf mich zukommen könnten", sagt Ecker.

Je nach Höhe der Infektionszahlen befürchtet die Konsumentenschützerin fast tägliche Änderungen in den jeweiligen Urlaubsdestinationen. "Für Auslandsreisen ist sehr zu empfehlen, sich beim Außenministerium registrieren zu lassen." Bei der Reiseplanung sollte Pauschalreisen gegenüber Individualreisen der Vorzug gegeben werden, um bei Rückforderungen unterschiedliche Ansprechpartner zu vermeiden, betont Ecker. Und die Konsumenten sollten sich vor Antritt einer Auslandsreise über die Lage vor Ort sehr genau erkundigen. Die Erfahrung zeige, dass "bei Rückforderungsansprüchen die Leute im Kreis geschickt werden".

Minister Anschober wird nicht müde, für "Urlaub mit Verantwortung" zu plädieren. Jeder müsse selbst prüfen, welches Risiko mit welchem Reiseziel verbunden sei, egal, "ob es sich um Caorle, das Salzkammergut oder Wien handelt". Und der Tropenmediziner Kollaritsch ergänzt: "Der Ballermann ist das Tschernobyl des Epidemiologen." Er warnt ausdrücklich vor Menschenansammlungen und "Superspreading-Events", bei denen einzelne Infizierte selbst symptomlos sind, aber viele Menschen in der Umgebung anstecken. "80 Prozent aller Übertragungen sind auf solche Events zurückzuführen", so Kollaritsch.

Er warnte vor trügerischer Sicherheit. Denn bei den Infektionszahlen gebe es einen "blinden Fleck von einer Woche" bis zum Ausbruch, man könne nie genau einschätzen, ob die Lage von vor einer Woche in einem Land noch stabil sei. Viele Clusterbildungen entstünden im Zusammenhang mit Reisen.

Das Ministerium hält die Grundregeln für verantwortungsvolles Reisen nochmals auf der Homepage fest: Hygiene, Mindestabstand von einem Meter, Mund-Nasen-Schutz in Öffis. Und man erfährt, was man im Krankheitsfall zu tun hat.

Eine Reisehotline vom Sozialministerium und VKI ist noch bis Ende Juli erreichbar, um vorab rechtliche Fragen bei Reiseplänen zu klären: 0800 201 211.

Die Pressekonferenz zum Nachschauen:

Aufgerufen am 28.10.2020 um 04:45 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/oesterreicher-sollen-im-urlaub-auf-ballermann-verzichten-89336932

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