Österreich

Österreichische Expeditionen im Frühjahr am Mount Everest

Mehrere Österreicher versuchen in diesem Frühjahr ihr Glück am Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt. Für Andy Holzer, blinder Bergsteiger aus Osttirol, ist es der dritte Versuch, nachdem ihn das Lawinenunglück von 2014 und die Erdbebenkatastrohe von 2015 zum Umkehren veranlasst hatten. Seinen Lebenstraum will sich auch der Salzburger Markus Amon erfüllen. Er plant eine Solo-Speedbesteigung.

Anfang April brechen die Expeditionen in den Himalaya auf.  SN/APA (AFP)/NIMA GYALZEN SHERPA
Anfang April brechen die Expeditionen in den Himalaya auf.

Anfang April brechen beide Expeditionen in den Himalaya auf. "Blind Climber" Holzer will den 8.848 Meter hohen Berg von der chinesischen Nordseite aus besteigen. Der 50-Jährige wird von seinen beiden Osttiroler Freunden, den Heeresbergführern Wolfgang Klocker und Klemens Bichler, während des Aufstiegs abwechselnd begleitet. "Einer geht mit mir, während der andere mein Backup ist. Er kann dann mit seiner Konzentration herunterschalten. Nach drei oder vier Stunden wird gewechselt", schilderte Holzer im APA-Gespräch.

Falls Holzer den Gipfel "ohne Licht", wie er betont, erreicht, ist er der erste Blinde, der den Everest über die Nordroute bestiegen hat und nach dem US-Amerikaner Erik Weihenmayer erst der zweite blinde Mensch, der auf dem höchsten Achttausender war. Weihenmayer bezwang den Gipfel am 25. Mai 2001. Holzer ist zuversichtlich, dass er es heuer schafft. "Ich bin relativ entspannt." Der Gipfelanstieg ist zwischen 15. und 25. Mai vorgesehen.

Obwohl der Osttiroler als Profi-Bergsteiger ohnehin viel Erfahrung hat und in guter körperlicher Verfassung ist, bereitet er sich mit Unterstützung modernster Technik auf die große Höhe vor. Sechs Wochen lang schläft er bis zu seiner Abreise in einem Höhensimulationszelt, das in seinem Schlafzimmer aufgebaut ist. "Heute Nacht habe ich das erste Mal zu Hause darin geschlafen. In der Früh ist es mir nicht gut gegangen. Ich wollte auf 2.000 Meter Höhe schlafen, das Gerät hat mir aber 4.500 Meter gegeben." Die Einstellung des Hightech-Gerätes ist kompliziert, es erfordert noch an Übung. Zu seinem Trainingsprogramm zählen auch regelmäßige Skitouren. Über seine Erfahrungen am Mount Everest wird Holzer in seinem Blog https://andyholzer.com berichten.

Auch der 43-jährige Extrembergsteiger Markus Amon, Bergführer, Bergretter und Chef-Flugretter der ÖAMTC Flugrettung Österreichs, absolviert ein intensives Training für seinen "bergsteigerischen Lebenstraum". Er will von der nepalesischen Südseite aus auf den Mount Everest, und das per "fair means", also ohne künstlichen Sauerstoff und ohne Hochträger. Das vierköpfige Team besteht neben Amon aus dem Leiter der "Clearskies-Expedition", dem Tiroler Hannes Gröbner sowie dem Salzburger Bergführer Georg Leithner - er stammt wie Amon aus dem Pinzgau - und der Schweizerin Noemi Beuret. Sie wollen sich dem Berg im Stil historischer Expeditionen langsam und ohne Benützung von Flugzeug und Helikopter innerhalb Nepals nähern - in einem knapp vierwöchigen Anmarsch durch das touristisch weniger erschlossene Rolwaling und das hintere Khumbu. Der Lastentransport bis ins Basislager erfolgt mit einer Yak-Karawane.

Für sein Kraft- und Ausdauertraining packt Amon Kanister mit 25 bis 30 Liter Wasser auf seinen Rucksack und steigt damit zu Fuß im Expeditionsoutfit auf die heimatlichen Berge. Oben angekommen, leert er die Kanister aus und entledigt sich damit des Trainingsgewichts. Falls es die Wetterverhältnisse zulassen, besteht seiner Ansicht nach eine erste "reale Chance", um den 10. Mai auf dem Gipfel des Mount Everest zu stehen. Sind die vier Hochlager aufgebaut, will er innerhalb 24 Stunden ab dem Basislager auf dem Gipfel und wieder retour sein. Läuft alles nach Plan, so wird er seine Teamkollegen nach dem dritten oder vierten Hochlager einholen und dann gemeinsam mit ihnen auf den Gipfel steigen. Das Team wird unter www.clearskiesblog.wordpress.com die Expedition im Internet dokumentieren.

Ausdauer hat Amon schon oft bewiesen. Er gewann im Vorjahr die Wertung für ausländische Teilnehmer eines Ultramarathons in der Everest-Region in Nepal. Zu bewältigen waren 3.500 Höhenmeter auf einer Seehöhe zwischen 3.400 und 5.400 Metern. Weiters stand der Pinzgauer bereits auf zwei Achttausendern, dem Manaslu und Sisha Pangma, vier Mal am Mount McKinley (6.190m) in Alaska und auch auf einigen anderen namhaften Sechs- und Siebentausendern, darunter Solo-Speedbesteigungen von Ama Dablam, Mustagh Ata, McKinley und Elbrus. Dass er ohne künstlichen Sauerstoff die höchsten Berge bewältigt, ist für ihn eine Stilfrage. "Es ist die fairste Art, sich dem Berg zu nähern. Sonst ist es eine Verfälschung der eigenen Leistungsfähigkeit." Durch den künstlichen Sauerstoff werde dem Körper eine falsche Höhe vorgetäuscht, das mache die Besteigung einfacher, aber auch gefährlicher, wenn die Flasche nicht funktioniert und der Körper für die extreme Höhe nicht konditioniert ist.

Quelle: APA

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