Österreich

Österreichweite Bombendrohungen: Massenweise Erpressermails verschickt

Mehrmals rückte die Polizei am Dienstag wegen Bombendrohungen aus, in Wien war kurzfristig auch eine Straße gesperrt. Dahinter stecken besonders perfide Betrüger.

Die Erpresser verlangten Bitcoins.  SN/APA/AFP/JUSTIN TALLIS
Die Erpresser verlangten Bitcoins.

Eine Welle von E-Mails mit Bombendrohungen versetzte am Dienstag Österreich in höchste Alarmbereitschaft. Es kam zu mehreren Polizeieinsätzen, etwa in Wien oder in Tirol. Fälle wurden aber auch in Oberösterreich und Salzburg angezeigt. In den Schreiben wird mit einer Bombe gedroht, falls nicht in 80 Stunden ein Betrag von 20.000 US-Dollar in der Kryptowährung Bitcoins gezahlt würde. Mitgeschickt wurde auch gleich eine Anleitung zum Erwerb von Bitcoins. "Nichts Persönliches, aber wenn ich die Bitcoins nicht erhalte und die Bombe explodiert, werden mir andere Handelsunternehmen viel mehr zahlen, weil das keine einmalige Aktion ist", ließ der Absender zudem wissen.

Zahlreiche Firmen in ganz Österreich seien angeschrieben worden, mehrere hätten sich bei der Polizei gemeldet, heißt es beim Bundeskriminalamt. "Wir kennen das Phänomen, es ist auch international bekannt", sagte Sprecherin Silvia Kahn. "Es tritt in Wellen und unterschiedlichen Varianten auf." Meist seien Firmen betroffen, auch Privatpersonen würden erpresst. Die Täter variierten ihre "Geschichten" in diesen Massenmails. So habe es Fälle gegeben, in denen Privatpersonen mit angeblichen Sexvideos erpresst worden seien. Bereits Anfang Juli warnte "Watchlist Internet" vor Erpressermails, in denen Unternehmen von Betrügern gedroht wurde, deren Daten an den Höchstbietenden zu verkaufen und den Ruf der Firma nach und nach zu schädigen. Bei allen unterschiedlichen Vorgehensweisen ist allen Mails eines gleich: Die Bezahlung soll in Bitcoins erfolgen. Bei Privatpersonen sei die geforderte Summe aber meist niedriger als bei Firmen, sagte Kahn. Das Bundeskriminalamt appelliert an alle Betroffenen, nicht auf die Forderungen einzugehen und kein Geld zu bezahlen. Außerdem sollten die Fälle unbedingt bei der Polizei angezeigt werden. "Wenn wir nicht informiert werden, ist es schwierig, Ansätze für die Ermittlungen zu finden. Das oberste Gebot ist daher, Fälle zu melden." Betroffene sollten E-Mails in elektronischer Form bei der Polizei abgeben, indem sie diese etwa auf einem USB-Stick abspeicherten.

Den Massenmails liegt laut BK eine rein betrügerische Vorgehensweise zugrunde. Bomben wurden in Österreich keine gefunden. Den Tätern geht es vielmehr darum, eine Masse an Personen zu erreichen, in der Hoffnung, dass einige davon zahlen. Dabei setzen sie gerade bei Firmen auf die Angst der Verantwortlichen um ihre Mitarbeiter.

Bei Massenmails dieser Art gebe es immer einen internationalen Bezug, sagte Kahn. "Dieses Phänomen hat keine Grenzen, die Mails tauchen zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten auf." Im Dezember 2018 erhielten etwa Tausende Schulen und Unternehmen in den USA, Kanada und Australien erpresserische Bombendrohungen. Im Bundeskriminalamt wurde die "ARGE Erpressungsmail" eingerichtet, da ganz Österreich davon betroffen sei. Die Anzeigen werden hier gesammelt. "Das muss zentral und in weiterer Folge auch international koordiniert werden", sagte Kahn.

Das Bundeskriminalamt beschäftigen erpresserische Massen-E-Mails bereits seit einigen Jahren. Im Jahr 2019 wurden fast 1960 Anzeigen verzeichnet. Im Jahr 2018 waren es rund 1690 Anzeigen. Das entspricht einer Steigerung zum Jahr davor um fast 16 Prozent.

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