Österreich

Prozess gegen Ex-Bankangestellte wegen Untreue

Weil sie als Bankangestellte Kundengelder im Ausmaß von rund 1,3 Millionen Euro behoben und weitergegeben haben soll, ist eine 60-Jährige am Montag in St. Pölten wegen Untreue vor dem Schöffengericht gestanden. Etwa 1,1 Millionen Euro soll sie einer 32-Jährigen ausbezahlt haben, die sich ebenfalls wegen Untreue verantworten musste. Die Frauen wurden zu Haftstrafen verurteilt.

Die 60 Jahre alte ehemalige Bankangestellte im Mostviertel wurde nicht rechtskräftig zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Zweitangeklagte muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Aufgrund der Schadenshöhe sei hinsichtlich der Ex-Bankangestellten keine bedingte oder teilbedingte Strafe möglich gewesen, erklärte der vorsitzende Richter. Die "massive Erhöhung" der ausgehändigten Gelder ab dem Sommer 2017 sei nicht der Gutmütigkeit der Frau geschuldigt, sondern darum erfolgt, weil die 60-Jährige "Panik bekommen hat und ihr alles egal war". Strafmildernd wirkten sich unter anderem der ordentliche Lebenswandel der Erstangeklagten und das umfassende Geständnis aus. Erschwerend war der lange Deliktszeitraum.

Das Urteil gegen die Zweitangeklagte, der ebenfalls Untreue vorgeworfen wurde, ist bereits rechtskräftig. Bei der Strafbemessung wurden unter anderem die einschlägige Vorstrafe und der Rückfall in noch offener Probezeit erschwerend berücksichtigt. Die "teilgeständige Verantwortung" habe sich mildernd ausgewirkt, hielt der Richter fest. Die 32-Jährige habe jedoch ab Juli 2017 gewusst, dass es sich bei den ausbezahlten Summen um Kundengelder handle. Nichtsdestotrotz habe sie noch größerer Beträge eingefordert.

Der Staatsanwalt, der in seinem Schlussvortrag eine anklagekonforme Verurteilung für beide Frauen gefordert hatte, verzichtete auf Rechtsmittel. Der Verteidiger der Erstangeklagten erbat sich Bedenkzeit.

Die 60-Jährige soll das Geld als Bankstellenleiterin und später als Kundenbetreuerin zweier Kreditinstitute im Mostviertel von August 2016 bis Juli 2018 abgezweigt haben. Die Erstangeklagte habe viele Personen kennengelernt, die finanzielle Probleme hatten, hielt der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsvortrag fest. 13 davon unterstützte sie finanziell, zuerst aus privatem Vermögen. Eine der Begünstigten war die Zweitangeklagte, die 2013 zu der Bank wechselte, in der die 60-Jährige tätig war. Die Frau bekam daraufhin Unterstützung durch "eigenes Geld" der damaligen Angestellten. "Strafrechtlich alles noch kein Problem", betonte der Vertreter der Anklage.

Die Begehrlichkeiten der Zweitangeklagten seien aber immer mehr geworden, der 60-Jährigen sei es demnach später nicht mehr möglich gewesen, privat Geld aufzutreiben. Daraufhin begann sie laut Anklage im August 2016, auf Sparbücher von Kunden zuzugreifen. Dabei führte sie penible Aufzeichnungen über die Abhebungen bzw. Verschiebungen der Gelder. Ende 2016 habe die 32-Jährige bei der Erstangeklagten bereits 114.000 Euro Schulden gehabt. Die Auszahlungssummen stiegen ab Dezember 2017 der Anklage zufolge immer weiter, alleine im Mai 2018 wurden etwa 194.000 Euro übergeben. Die Beträge soll die Zweitangeklagte beim Online-Glücksspiel verloren haben. "Letztlich ist ihr nichts übrig geblieben", rechnete der Staatsanwalt vor.

Nach der Beschwerde eines Bankkunden im Juni 2018 fielen die Unregelmäßigkeiten bei einer internen Revision auf. Die 60-Jährige wurde entlassen, sie wurde ebenso wie die 32-Jährige festgenommen. Neben der Zweitangeklagten soll die Ex-Bankangestellte an zwölf weitere Personen Geld übergeben haben - in Summe 187.000 Euro.

Die 60-Jährige bekannte sich bei ihrer Befragung schuldig. Der gesundheitlich beeinträchtigten Zweitangeklagten habe sie in finanziellen Notlagen ausgeholfen. "Sie hat mir leidgetan", sagte die ehemalige Bankangestellte. Der 32-Jährigen habe sie Mitte 2017 gesagt, dass die Beträge nicht von ihr selbst stammen würden. Die Geldübergaben hätten meist im Büro der Ex-Bankstellenleiterin stattgefunden. "Dort habe ich ihr das Geld ausgefolgt und sie unterschreiben lassen", schilderte die 60-Jährige. Manchmal habe sie das Geld auch im Kreditinstitut hinterlegt.

Die Zweitangeklagte erklärte bei ihrer Befragung, der 60-Jährigen "maximal 320.000 Euro" schuldig zu sein - sie habe schließlich auch Teile der übergebenen Beträge zurückbezahlt. Bis zur Festnahme habe ihr die Bankangestellte erklärt, dass die Beträge von ihr selbst stammen würden. "Sie hat immer von einer großen Erbschaft gesprochen." Um das Geld zu bekommen, habe sie der 60-Jährigen "schon G'schichten reingedrückt", räumte die einschlägig vorbestrafte Zweitangeklagte ein. Dass sie sich in Summe 500.000 Euro von der Bankangestellten beschafft hatte, die sie "nie zurückzahlen können hätte", räumte die 32-Jährige ein.

Quelle: APA

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