Österreich

Prozess um Mordversuch mit Stromkabel in Steyr

Ein 75-Jähriger hat sich seit Montag am Landesgericht Steyr wegen Mordversuchs verantworten müssen, weil er zweimal versucht haben soll, seine Ehefrau mit einem Stromschlag zu töten. Laut dem Angeklagten habe es sich einmal um einen Unfall gehandelt, von einer weiteren Attacke gegen die inzwischen von ihm getrennt lebenden Frau wollte er nichts wissen. Ein Urteil ist für Dienstag geplant.

Der Fall war im Frühjahr 2016 durch eine anonyme Anzeige ins Rollen gebracht worden. Das Paar lebte zum Zeitpunkt der Vorfälle noch gemeinsam in Dietach (Bezirk Steyr-Land). Am 26. Jänner 2016 soll der Beschuldigte seiner Frau im Bad ein manipuliertes, unter Strom stehendes Kabel an die Achseln gehalten haben. Die damals 64-Jährige erlitt Verletzungen in Form von "Strommarken", die sie beim Hausarzt behandeln ließ. Nur eine Woche später soll es im Wohnzimmer zu einem ähnlichen Vorfall gekommen sein, bei dem die Frau aber unverletzt blieb. Anzeige erstattete sie nicht.

Für Staatsanwalt Hans-Jörg Rauch war es nicht verwunderlich, dass das Opfer beide Vorfälle nicht der Polizei gemeldet hat. Es habe erst einmal realisieren müssen, was da "Unglaubliches" passiert sei. Schließlich war das Paar bereits seit mehr als 35 Jahren verheiratet und die Ehefrau wusste nicht, dass ihr Mann eine jüngere Frau kennengelernt hatte. Doch dieses Verhältnis lieferte für den Staatsanwalt das Motiv für die angeklagten Mordversuche.

Hätte sein Mandant tatsächlich töten wollen, dann sicherlich nicht mit einem derartig ungeeigneten Instrument, erklärte Verteidiger Oliver Plöckinger. Denn jenes Kabel, das laut Augenzeugen nach dem zweiten angeblichen Angriff im Wohnzimmer gefunden worden war, habe nicht einwandfrei funktioniert. "Ich habe nie, nie meiner Frau etwas antun wollen. Auch habe ich keine Verhältnis gehabt", beteuerte der Angeklagte seine Unschuld.

Den Vorfall im Bad schilderte er als eine Verkettung unglücklicher Umstände. So habe er anstelle eines normalen Verlängerungskabels ein von ihm für Gartengeräte gebasteltes Manderl-Manderl-Kaberl (Kabel mit zwei gleichen Enden für Steckdosen, Anm.) angesteckt. Als er seiner Frau, die vor dem Waschbecken mit der Nachttoilette beschäftigt war, den Rücken massierte, stolperte er über das am Boden liegende Kabel. Er ergriff das Ende des Strom führenden Kabels und erwischte damit seine Frau in Achselhöhe. Beide erlitten einen "Schreck", sie Verletzungen.

Wenige Tage darauf soll der Beschuldigte dann versucht haben, mit einer isolierten Rohrzange jenes Kabel seiner Frau, die diesesmal im Wohnzimmer vor einem Laptop saß, in den Nacken zu halten. Allerdings will sie dies bemerkt haben und wehrte die Attacke erfolgreich ab. Diese "Rangelei" habe es nie gegeben, beteuerte der Angeklagte. So sei es für ihn auch "Zauberei" gewesen, als im Wäschekorb sein zerrissenes Hemd samt Zange und Kabel gefunden wurde.

Die Frau, die nach Ausschluss des Angeklagten aus dem Schwurgerichtssaal in den Zeugenstand trat, kam nach dem ersten Vorfall im Bad auch nicht auf die Idee, dass ihr Mann ihr nach dem Leben trachten könnte. Bei dem zweiten im Wohnzimmer sei ihr hingegen sofort klar gewesen, was los war. "Jetzt muss ich schnell sein, es wird gefährlich", dachte sie, wie die Frau gegenüber Richterin Christina Forstner aussagte. Zuerst glaubte sie, dass ihr Mann "seine Tabletten nicht genommen hat". Zu jenem Zeitpunkt soll er laut eigenen Angaben unter Depressionen gelitten haben, weshalb er sich von einer um 30 Jahre jüngeren Frau, mit der er inzwischen zusammenlebt, psychologische Unterstützung geholt habe. Das Opfer beschrieb ihn als "ungeduldig und schroff".

Vor dem geplanten Urteil standen am Dienstag die Ausführungen der Sachverständigen auf dem Programm. Ein elektrotechnisches und ein gerichtsmedizinisches Gutachten sollen klären, ob man mit dem vom Angeklagten selbst gebastelten Manderl-Manderl-Kabel jemanden töten kann. Bei einer Verurteilung drohen dem Angeklagten 20 Jahre Haft bis lebenslänglich.

Quelle: APA

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