Österreich

Psychisch Kranken ausgenommen: Freispruch von Erpressung

Wegen schwerer Erpressung haben sich am Mittwoch zwei 19-jährige Burschen im Wiener Landesgericht für Strafsachen verantworten müssen. Die Anklage legte ihnen zur Last, einen psychisch Kranken eingeschüchtert und diesen in weiterer Folge finanziell ausgenommen zu haben. Am Ende wurden beide im Zweifel freigesprochen.

Die Freisprüche sind nicht rechtskräftig.  SN/APA (Archiv/Parigger)/ROBERT PAR
Die Freisprüche sind nicht rechtskräftig.

Ihnen war nicht nachzuweisen, dass sie einen 29 Jahre alten Mann, der an Schizophrenie leidet, mittels Gewalt oder gefährlicher Drohungen dazu gebracht hatten, ihnen Geld zu überlassen. "Moralisch war das absolut unten durch", betonte Richterin Martina Frank. Die Burschen hätten sich "ein 'leichtes' Opfer" ausgesucht und wochenlang auf dessen Kosten gelebt: "Sie haben seine Leichtgläubigkeit ausgenutzt."

Der Betroffene - der 29-Jährige wird seit 2011 ambulant behandelt, er hat in der Gastronomie einen betreuten Arbeitsplatz gefunden - hatte die Burschen im vergangenen Herbst kennengelernt. Er sah in ihnen rasch gute Freunde, ließ sie unentgeltlich in seiner Wohnung wohnen und erfüllte ihnen ihre Wünsche. "Er ist sehr gutgläubig und leicht beeinflussbar", verriet der ältere Bruder des 29-Jährigen, der diesem besonders nahe steht, dem Schöffensenat.

Das dürften die beiden 19-Jährigen bald erfasst haben. Laut Anklage brachten sie den Mann mit der Androhung von Gewalt dazu, mehrere Handy-Verträge abzuschließen. Die iPhones sollen sich dann die Burschen zugeeignet und gewinnbringend verkauft haben. Auch eine Playstation und dazu passende Spiele wurden auf Kosten des 29-Jährigen angeschafft. Von seinem Geld deckten sich seine neuen Mitbewohner auch mit modischer Kleidung ein. Sie brachten ihn weiters dazu, mit seiner Bankomat-Karte seine Mindestsicherung abzuheben, weil nunmehr sie und nicht mehr der ältere Bruder seine Finanzen verwalten würden. Auf Betreiben der 19-Jährigen setzte der Mann am Ende sogar seine Medikamente ab, weil sie ihm - so die Anklage - einredeten, er sei gesund.

Erst als seine Wohnung zusehends vermüllte, weil die beiden nicht aufräumten und ihren Dreck nicht beseitigten, wandte sich der Kranke an seinen Bruder und erzählte ihm von den Vorgängen. Dieser schaltete die Polizei ein, die 19-Jährigen - der eine weist fünf, der andere zwei Vorstrafen auf - wanderten im November in U-Haft.

Vor Gericht behaupteten die zwei, es habe sich um freiwillige Zuwendungen gehandelt. Das angebliche Opfer sei zu nichts gezwungen worden. "Mein Mandant hat auf Kredit versucht, Waren und Gegenstände zu bekommen. Er wollte das zurückzahlen", versicherte Verteidiger Roland Friis. Die Rechtsvertreterin des Zweitangeklagten, Romana Zeh-Gindl, erklärte, es habe sich um eine "innige Freundschaft" gehandelt. Es sei nicht nur einseitig Geld geflossen. "Die Burschen sind von ihrem Geld einkaufen gegangen. Man hat auch zu dritt Drogen konsumiert. Die Anzeige ist nur auf Druck der Familie gemacht worden."

Im Zeugenstand tat sich der 29-Jährige schwer, dem Senat begreiflich zu machen, weshalb er sich eingeschüchtert fühlte. "Ich dachte, mir passiert was Schlimmes. Schläge, Drohungen", gab er zu Protokoll. Daher habe er den beiden Burschen gehorcht. Konkrete Drohungen konnte er aber nicht wiedergeben: "Ich bin halt sensibler als andere." Einmal habe ihm der eine der beiden zwei Ohrfeigen gegeben, "weil ich gelacht habe".

Die Freisprüche sind nicht rechtskräftig. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Quelle: APA

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