Österreich

Pürstl erwartet weniger als 200.000 Wien-Anzeigen für 2017

Wenn die Kriminalstatistik für 2017 präsentiert wird, sollte sie für Wien weniger als 200.000 Strafanzeigen ausweisen. Das sagte der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl dieser Tage im APA-Gespräch, in dem er auch Bilanz über seine ersten zehn Amtsjahre zog. Gegenüber 2016 würde dies einen signifikanten Rückgang bedeuten, damals wurden etwas mehr als 205.000 Anzeigen registriert.

Zwischenbilanz Pürstls nach zehn Jahren im Amt SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Zwischenbilanz Pürstls nach zehn Jahren im Amt

Als Pürstl von Peter Stiedl das Amt des Polizeipräsidenten (seit 1. September 2012 Landespolizeipräsident) übernahm, lag die Zahl der angezeigten Straftaten bei etwa 215.000, von denen die Wiener Polizei etwa 28 Prozent geklärt hatte. "Es war eine Polizei, die alles andere als Sicherheit vermittelt hat", sagte Pürstl. Es gab damals etwa 10.000 Wohnraum-Einbrüche (in Wohnungen und Einfamilienhäuser), rund 17.000 Einbrüche in Kraftfahrzeuge und etwa 3.000 Kfz-Diebstähle. 76 Banken waren ebenso überfallen worden wie etwa 100 Trafiken.

Die Zahlen seien signifikant gesenkt worden, sagte Pürstl, obwohl "200.000 Personen mehr in der Stadt leben als 2008". Für 2017 sollte die Kriminalstatistik etwa 5.200 Wohnraum-Einbrüche ausweisen, so wenige wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren. "Das ist die Hälfte (gegenüber 2008, Anm.)", sagte Pürstl. Dazu dürften etwa 5.000 Kfz-Einbrüche und 1.300 Kfz-Diebstähle aufscheinen. Der Überfall auf Geldinstitute ist aus der Mode gekommen. 2017 wurden genau sieben derartige Straftaten registriert, dazu kamen etwa 30 Coups in Trafiken. Mehr als 40 Prozent der in Wien angezeigten Delikte dürfte die Polizei auch aufgeklärt haben. "Was Kriminalität betrifft, und das gebe ich immer zu, spielt die Polizei eine wesentliche Rolle, aber das ist nicht alles. Da gibt es viele andere Faktoren auch. Aber was die Aufklärung betrifft ist das die Leistung, die die Polizeiarbeit widerspiegeln kann."

Man habe das mit vielen Strategien erreicht. Die wesentlichste sei: "Polizeiarbeit braucht eine ruhige Hand. Man braucht ordentliche Strategien, indem man die Phänomene, die es gibt, herausfiltert und fragt, wo wir ein Problem haben. Und das haben wir in all diesen Bereichen gemacht", betonte der Polizeipräsident. Gerade beim Einbruch habe man etwa festgestellt, man müsse viel mehr Tatortspuren sammeln und auswerten. Dazu kam die verstärkte Intensivtäterermittlung gegen Personen, die immer wieder im Zusammenhang mit Einbrüchen auftauchen - "in die Organisierte Kriminalität eindringen", so Pürstl.

Auch Erhebungen gegen Täter aus bestimmten Ländern, "Stichwort Georgier, Moldawier, Serben, Kroaten, Rumänen", wurden verstärkt. "Das hat nichts mit Ethnic Profiling zu tun. Wir müssen unsere Kräfte im Kriminaldienst so organisieren, dass es dort Mitarbeiter gibt, die sich mit gewissen Banden, die aus bestimmten Ländern kommen, primär beschäftigen. Es kann heute nicht jeder alles aufklären. Es ist ganz klar, dass eine Organisation aus Serbien nicht mit einer Organisation aus Moldau zusammenhängt, und da benötige ich Mitarbeiter, die auf solche Organisationen spezialisiert sind."

Als Beispiel nannte Pürstl die "Operation Java", bei der im März 2010 eine europaweit agierende Einbrecher-Organisation aus Georgien ausgehoben wurde. Umfangreiche Ermittlungen von fremden- bis kriminalpolizeilichen Maßnahmen seien eingeleitet worden. "Ich bin damals wegen Ethnic Profiling heftig kritisiert worden. Man hat gesagt, wie kommt man dazu, dass jetzt alle unter einen Generalverdacht gestellt werden. Das haben wir ja überhaupt nicht gemacht. Wir haben gewusst, dass die kriminellen Organisationen aus Georgien bei unseren Asylwerbern ansetzen und versuchen, die als Soldaten zu generieren und als Einbrecher auszuschicken. Und deshalb haben wir auch bei denen angesetzt, weil dort, wo die Kriminalität ansetzt, muss auch die Polizei ansetzen. Sonst würde uns die Bevölkerung ja mit einem nassen Fetzen aus der Stadt jagen."

Ein weiterer wichtiger Punkt sei gewesen, dass man sich die Suchtgift-Beschaffungskriminalität vorgenommen habe. "Wir haben festgestellt, dass etwa 20 bis 25 Prozent aller Eigentumsdelikte - vor allem die im niederschwelligeren Bereich - von Menschen begangen werden, die Suchtmittel nehmen. Wenn man sich vor Augen hält, dass jemand, der wirklich süchtig ist, etwa 50 bis 100 Euro pro Tag für Suchtmittel ausgibt, dann muss er entweder relativ gut arbeiten, irgendjemand haben, der ihn sponsert, oder sich das Geld aus illegalen Quellen beschaffen." Man habe sich jene angesehen, die mit Suchtmitteln auffallen, und versucht nachzuvollziehen, wie diese Personen ihre Sucht finanzieren.

Auch die Einführung der Ermittlungen im Polizeiinspektionsbereich und in Stadtpolizeikommanden sei sehr wichtig gewesen. "Der Polizeiinspektionsermittler geht noch hinaus und befragt die Nachbarn wegen einer eingeschlagenen Scheibe. Das war vor zehn Jahren noch nicht so. Früher haben sich die Kriminalbeamten in den Bezirkspolizeikommissariaten um die großen Dinge gekümmert, und bei den kleinen haben sie gesagt, dass das nicht erhoben werden konnte, ohne sich diese Sachen genau angesehen zu haben. Jetzt, wo man in der Kriminalitätsbekämpfung wirklich in die Fläche gegangen ist, man also gesagt hat, das geht jeden etwas an, kümmert man sich natürlich auch um die kleinen Dinge. Und das hat sicher auch zur Aufklärungsquote beigetragen", erläuterte Pürstl.

Vor zehn Jahren, als Pürstl Wiener Polizeipräsident wurde, war die Exekutive in der Bundeshauptstadt in einer schwierigen Situation. Die sogenannte Sauna-Affäre förderte sogar strafrechtlich relevante Intrigen von Polizeispitzen zutage. Die Stimmung war nicht zuletzt deshalb schlecht, was sich auch auf die Resultate auswirkte. "Es war eine meiner Hauptaufgaben, Ruhe in die Organisation zu bringen", sagte Pürstl.

"Und das ist relativ schnell gelungen. Ich habe mir die, von denen ich gewusst habe, dass sie Hauptplayer in der ganzen Causa sind, einen nach dem anderen geholt und vor die Wahl gestellt: Es gibt die Möglichkeit mitzuarbeiten oder man kann die Organisation verlassen. 95 Prozent haben das verstanden, sich wieder in die Organisation eingefügt und bringen heute beste Leistung. Von einigen hat man sich trennen müssen. Und letztlich hat das sehr gut funktioniert, wir ziehen heute wieder an einem Strang, und die Wiener Polizei hat einen hervorragenden Ruf."

Quelle: APA

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