Österreich

Radler erobern die Fußgängerzonen

In Wien teilen sich bald zwei Gruppen denselben Platz, die nicht immer gut aufeinander zu sprechen sind: Fußgänger und Radfahrer. Für die Radler werden nämlich Teile der Fußgängerzone geöffnet. In Salzburg hat man genau damit schon seine Erfahrungen. Wie sehen Sie die Sache?

Radler erobern die Fußgängerzonen SN/robert ratzer
In Salzburg Alltag – und zunehmend auch in Wien: Radler in der Fußgängerzone.

Die ÖVP-geführte Innenstadt macht Radfahrern das Leben leichter: Der Bezirk wird einige Fußgängerzonen temporär für Biker öffnen. Konkret werden der Kohlmarkt, die Wallnerstraße und ein Teil des Grabens nachts und vormittags zweiradtauglich. Konkret geht es um die Zeit von 22.00 bis 10.30 Uhr - die Regelung wäre jener ähnlich, die bereits in der Mariahilfer Straße gilt. Wobei das Radeln am Kohlmarkt nur in eine Richtung, nämlich vom Graben zum Michaelerplatz, erlaubt wird. Das Projekt soll mit Jänner 2017 starten und vorerst ein Jahr dauern.

Die Einschränkung: Kommt es zu gröberen Zwischenfällen, wird der Testlauf sofort gestoppt.

In Salzburg weiß man schon, was Wien erwartet

In der Salzburger Altstadt sind Fußgänger und Radler bereits daran gewöhnt, sich denselben Asphalt zu teilen. Sogar in der Goldgasse, auf dem Makart- oder Mozartsteg ist Radfahren erlaubt. Offiziell gilt nur in der Getreidegasse Fahrradverbot. Allerdings nur im Schritttempo. Fällt man da nicht um? "Nein, das ist im erweiterten Sinn zu sehen", sagt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich. "Die Grenze liegt etwa bei zehn km/h. Da fällt niemand um." Gratzer hält es für gut, wenn die Verwaltung den Radlern möglichst wenig Steine in den Weg legt. "Und man kann sich durchaus daran gewöhnen, dass man im öffentlichen Raum eben Rücksicht aufeinander nehmen muss."

Andererseits gibt es für Gratzer auch Bereiche, wo man Radler und Fußgänger trennen sollte: Und zwar auf den Haupteinfahrts- und Ausfahrtsstraßen - wo extra Rad- und Fußwege sicherer seien. "Radfahrer sollen hier die Möglichkeit haben, schneller zu fahren, sonst wird das Verkehrsmittel unattraktiv", sagt Gratzer.

Risikozone Linzer Gasse

Radeln darf man in Salzburg auch in der Linzer Gasse. Die ist stark abschüssig und stark frequentiert, und hier gibt es auch die meisten Beschwerden. Das bestätigt Inga Horny, Leiterin des Altstadtmarketing. Horny überlegt deshalb, nächstes Jahr ein Transparent aufzuhängen, das für mehr Rücksichtnahme zwischen Radlern und Fußgängern wirbt. Horny ist mit der liberalen Salzburger Regelung sonst einigermaßen zufrieden. "Und ich wäre auch dagegen, irgendwo Temposchwellen oder so etwas ähnliches für Radler zu bauen." Generell hält Horny es für "die Zukunft, dass unterschiedliche Verkehrsteilnehmer sich Flächen teilen". Etwa auch mit dem Bus oder mit Autos, wie in den immer zahlreicher werdenden Begegnungszonen.

Immer wieder Beschwerden

Von zahlreichen Beschwerden aus der Linzer Gasse weiß auch Baustadträtin Barbara Unterkofler (Neos). "Dort ist die Doppelnutzung wirklich ein großes Problem, es entstehen relativ viele gefährliche Situationen." Unterkofler verteidigt ebenfalls die Salzburger Version einer "Fuzo light": Solange etwas halbwegs gut funktioniere, sei kein Eingreifen des Staates nötig. Salzburgs Fahrradkoordinator Peter Weiß könnte sich vorstellen, dass Radler in Zukunft die Linzer Gasse kleinräumig umfahren müssen - entschieden sei aber nichts. Und an den anderen Engstellen "regelt eh das reale Leben den Verkehr. Am Makartsteg kommen die Radler eben einfach nicht durch, und müssen dann natürlich absteigen." Auch auf der Linzer Landstraße sei Radfahren erlaubt, das funktioniere gut - obwohl dort auch die Straßenbahn fahre. In Graz halte man es ähnlich, sagt Weiß. "Die Tendenz ist, die Fußgängerzonen für Radler aufzumachen - aber eben mit der Beschränkung auf Schrittgeschwindigkeit."

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.11.2018 um 01:56 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/radler-erobern-die-fussgaengerzonen-1021231

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