Österreich

Rechter Kongress in Linz ohne große Zwischenfälle

Der rechte Kongress "Verteidiger Europas" ist am Samstag in Linz ohne große Zwischenfälle über die Bühne gegangen. In letzter Minute sagte der Salzburger Weihbischof Andreas Laun sein Kommen ab. An der Gegendemo des Bündnisses "Linz gegen Rechts" nahmen offiziell 1.800 Personen teil. Der Marsch, bei dem auch Rauchgranaten in die Luft gingen, wurde von einem Polizei-Großaufgebot begleitet.

Schon ab den frühen Morgenstunden hatte die Exekutive das Platzverbot rund um den Veranstaltungsort, die Redoutensäle in der Linzer Innenstadt, rigoros überwacht. Für Aufregung sorgte kurz nach Beginn der Tagung, an der 500 Personen teilgenommen haben sollen, eine Störaktion in den Repräsentationsräumen des Landes Oberösterreichs. Die Polizei nahm vorübergehend zwei Personen fest, die eine Stinkbombe geworfen hatten.

Prominentester Redner war Herbert Kickl, FPÖ-Generalsekretär und Wahlkampfleiter von Norbert Hofer. Gewohnt markige Sprüche hatte er für die politische Konkurrenz auf Lager. So bezeichnete er Nationalabgeordnete von SPÖ und Grüne als "mieselsüchtige Parlamentarier" und den Bundespräsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen einen "Last-Minute-Patrioten", wie die Veranstalter bekannt gaben.

Der Angesprochene konterte dagegen via Presseaussendung: "Nach dem Herbeireden eines Bürgerkrieges durch FP-Obmann Strache reiht sich der Besuch Kickls bei der heutigen Linzer Veranstaltung in die neue Linie der FPÖ ein", so Van der Bellen. Der blaue Generalsekretär konnte die Kritik an seinem Auftritt nicht nachvollziehen. Dass keine "Mainstream-Medien" am Kongress teilnehmen durften, sah Kickl mit Wohlwollen: "Sie können jetzt selber einmal darüber nachdenken, warum das so ist", meinte er laut "Standard" bei seinem Eintreffen.

Ein anderer prominenter Gastredner sagte hingegen am Samstag in letzter Minute ab. Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun wollte eigentlich über "Europa und seine christlichen Wurzeln" referieren. Auf ausdrückliches Ersuchen von Erzbischof Franz Lackner verzichtete er dann auf sein Erscheinen in Linz. Laun selbst bedauerte "die Polarisierungen rund um den Kongress".

Hinter dem Kongress "Verteidiger Europas" steht das "Europäische Forum Linz". Auf der Liste der "Aussteller" fanden sich u.a. die Identitäre Bewegung, die vom früheren Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf ins Leben gerufene Webplattform "unzensuriert.at" oder das Zweimonatsblatt "Info Direkt". Kritiker der Veranstaltung charakterisierten die Teilnehmer als Rechtsextreme und Verschwörungstheoretiker, oft mit Russland-Affinität, teils mit umstürzlerischen Tendenzen.

Gegen diese umstrittene Veranstaltung organisierte das 63 Organisationen umfassende Bündnis "Linz gegen Rechts" die Gegenkundgebung "Linz stellt sich quer - Nein zum rechtsextremen Kongress!", rund 1.800 Teilnehmer marschierten laut Polizei am Nachmittag lautstark vom Hauptbahnhof bis an den Rand des Platzverbots an der Promenade. "Nazis raus", "Vielfalt statt Einfalt" oder "Horizont erweitern, statt Grenzen setzen" waren u.a. auf ihren Transparenten zu lesen. Wegen Zündens von Rauchgranaten und bengalischen Feuern wurde der Zug kurzzeitig angehalten. Die Gruppe "Wir sind das linksextreme Protestpotenzial" fiel durch ihre Spurensicherungsanzüge und Mundschutz auf.

Der Protest richtete sich aber nicht nur gegen das Treffen in den Redoutensälen sondern auch dagegen, dass das Land seine Repräsentationsräume an die Veranstalter vermietet hat. "Es ist kein Zufall, dass der rechte Kongress in Linz stattfindet", meinten Redner der Gegenkundgebung. Damit verwiesen sie auf die seit einem Jahr in Oberösterreich regierende schwarz-blaue Koalition. Die Kongress-Veranstalter indes bedankten sich für die "Standhaftigkeit" bei den "politischen Verantwortungsträgern".

Schon vergangene Woche hatten mehr als 60 Persönlichkeiten - darunter Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, KZ-Überlebende, Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske, ÖGB-Präsident Erich Foglar oder der frühere Vizekanzler Erhard Busek (ÖVP) - einen Offenen Brief an LH Josef Pühringer (ÖVP) unterzeichnet, in dem die Auflösung des Mietvertrags gefordert wurde.

Quelle: APA

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