Worüber man nicht spricht ...

Rede sich raus, wer kann!

Was die Menschen zusammenhält. Die beste Rede ist und bleibt die Ausrede. Sie schützt uns vor Angriffen selbstgerechter Autoritäten.

 SN/fotolia

Am Anfang der Welt mag das Feuer gewesen sein. Aber gleich danach kam schon die Ausrede. Sie können das in der Bibel nachlesen. Denn nachdem Adam und Eva trotz Verbotsschild einen Apfel vom Baum der Erkenntnis gekostet haben, wurden sie umgehend vor Gericht geladen. Daraus lernen wir: Bereits Adam und Eva lebten in einem Überwachungsstaat, der sich als Paradies tarnte. So steht es im Buch Genesis, wo Gott als eine Art Big Father mit Abschiebevollmacht charakterisiert wird. Zuerst nahm er Adam ins Kreuzverhör: "Hast du vom Baum gegessen, von dem zu essen ich euch verboten habe?" Das war gefinkelt. Wie soll man auf diese Frage antworten, wenn man gerade auf frischer Tat ertappt wurde? Mit einer Lüge? Die hätte Gott durchschaut. Womöglich ging Adam sogar die berühmteste aller Ausreden durch den Kopf: "Schatz! Es ist nicht so, wie es aussieht!" Aber Adam konnte sich rausreden. Er tat das, was Männer heute noch gern tun, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Sie geben ihrer Ehefrau die Schuld. Er antwortete also: "Die Frau, die du mir beigestellt hast, sie hat mir vom Baum gegeben, und so habe ich gegessen." Das war nicht die feine Art. Aber es war auch nicht gelogen.

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